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NWZonline.de Region Cloppenburg Wirtschaft

KONTROLLE: „Beste Waage schützt nicht vor Betrug“

21.02.2008

FRIESOYTHE Sie sind von Arbeit ganz grau, auf ihnen werden weder Gold noch Diamanten gewogen. Dafür wurden schon unzählige Kartoffel- und Hafersäcke auf ihre Plattform ziemlich rüde geschmissen. „Das sind zwar nicht die schönsten Geräte, dafür sind die zuverlässig und robust“, sagt Horst Abraham.

An diesem nebeligen Morgen hat der Mitarbeiter der Raiffeisengenossenschaft Ammerland-Saterland die staubige, Jahrzehnte alte Dezimalwaage und die ebenso verschmutzte Laufgewichtswaage zum Eichen nach Friesoythe gebracht. Alle zwei Jahre müssen die Waagen wie andere Messgeräte zum Eichen, um sich für ihre Genauigkeit einen Prüfstempel abzuholen.

Bei der Prüfung der genossenschaftlichen Waagen legt Klaus Hill mit seinen Kontrollgewichten Hand an. Der erfahrene Mitarbeiter des Eichamtes Oldenburg wacht mit Argusaugen darüber, welche Last die Messgeräte aus dem Saterland anzeigen. Nach dem Ende der Prüfung gibt Hill grünes Licht für die beiden Apparaturen und drückt das gelbe Eichsiegel auf das grüne Metall. „Es sind zwar nicht die optisch schönsten Waagen, dafür sind sie genau. Mit digitalen Waagen könnten wir in unseren staubigen Geschäftsräumen beim Gemüse- und Getreideverkauf gar nichts anfangen“, sagt Horst Abraham.

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Auch Gemüsehändler Heinrich Meyer aus Harkebrügge ist gleich mit mehren Waagen zur Eichung nach Friesoythe gekommen. Zuerst kommt eine alte, mechanische Waage der Marke Berkel auf den Prüftisch. „Die habe ich eigentlich nur als Ersatzgerät auf Wochenmärkten, wenn die elektronische Waage unvorhergesehen ihren Dienst quittiert“, sagt Meyer fast entschuldigend. Ein guter Ersatz, denn trotz jahrzehntelanger Arbeit steht die mechanische Waage, die Meyer vor Jahren billig auf einem Flohmarkt erstand, ihren elektronischen „Schwestern“ in puncto Messgenauigkeit in nichts nach. Zufrieden zahlt Meyer am Schluss die Prüfgebühr und verpackt seine geeichten Messgeräte in sein Auto.

„Was wir machen, ist aktiver Verbraucherschutz“, sagt Hill. Schließlich sorgten die Mitarbeiter des Mess- und Eichwesens Niedersachsen, Amtsstelle Oldenburg, dafür, dass der Kunde beim Abwiegen im Geschäft oder auf dem Wochenmarkt vom Händler nicht über den Tisch gezogen wird.

Sein Kollege Axel Hellwig ist bei solchen Versprechen schon etwas vorsichtiger. „Schwarze Schafe gibt es trotz genauester Waagen. Wer betrügen will, der findet auch einen Weg“, sagt der Kontrolleur.

Hellwig hat gerade ein Blutdruckmessgerät am Wickel. Alice Schüer hat es für ihren Mann, der in Sedelsberg eine Arztpraxis betreibt, zur Kontrolle gebracht. „Hier muss die Angabe des Blutdrucks stimmen, sonst bekommt der Patient am Ende Medikamente verschrieben, die er gar nicht braucht“, sagt Hellwig. Mit dem Fieberthermometer kann der Eichamt-Mitarbeiter hingegen nichts anfangen. „So etwas kontrollieren wir nicht“, so sein Kommentar.

Hellwig und Hill machen ihren Job gern. „Nur die Bezahlung als Angestellter im Landesdienst könnte besser sein“, findet Hellwig. Tausende von Messgeräten von der Obstwaage bis zur Viehwaage kontrolliert das Duo jährlich zwischen Weser und Ems. „Für die großen Fahrzeug- und Gleiswaagen sowie die Feinwaagen zur Medikamentenherstellung ist bei uns nur der gehobene Dienst zuständig“, sagt Hill.

Fehlerhafte Messgeräte sind an diesem Vormittag im Friesoyther Feuerwehrhaus nicht zu finden. „Ein ganz normaler Vormittag“, bilanziert Axel Hellwig am Ende. In zwei Jahren wird er die meisten seiner Kunden wiedersehen. Einige sind trotz Anschreiben nicht gekommen, um ihre Messgeräte überprüfen zu lassen. „Wer bei einer Kontrolle ohne gültige Prüfplakette erwischt wird, erhält eine Anzeige wegen Ordnungswidrigkeit“, betont Kollege Hill. Da kennt er kein Pardon, genau wie beim grammgenauen Abwiegen.

Thomas Neunaber Barßel/Saterland / Redaktion Münsterland
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