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NWZonline.de Region Cloppenburg Wirtschaft

Hülsberg: Idylle macht Landwirten Mühe

02.03.2018

Bösel Die A 20 bei Tribsees mitten in Mecklenburg-Vorpommern ist fast täglich in den Nachrichten. Auf mehr als 100 Metern ist dort die Autobahn abgebrochen. Sie wurde einst ins Moor gebaut, ganz offensichtlich auf zu kurze Pfeiler.

Nach dem gleichen System sind die Gebäude in Hülsberg erstellt. Nur sind die Siedler an der Korsorsstraße zwischen Bösel und dem Küstenkanal dabei vorsichtiger vorgegangen und haben die Stützen tiefer gesetzt. Zwei Drittel aller vermauerten Steine sind letztlich im Moor vergraben.

Vor 70 Jahren gegründet

Das Moor: Landwirt Arnold Taphorn nennt die Flächen westlich der Korsorsstraße bis zur Georg-Schumacher-Straße, die die südliche Grenze von Hülsberg bildet, wie viele seiner Nachbarn auch „Hülsberger Seen“. Er schätzt die augenblickliche Wasserfläche auf rund 300 Hektar. Und es werden immer mehr.

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Hülsberg ist die letzte Hochmoorsiedlung in Deutschland. Vor rund 70 Jahren hatte das Siedlungsamt Oldenburg die Aufgabe, auf dem staatlichen Hochmoorbesitz im Vehnemoor eine neue Siedlung zu schaffen. Oberregierungsrat Dr. Georg Schumacher – nach ihm ist die Straße benannt – wählte aus dem Kreis der bittenden Pächter und Heuerleute 23 Sieder aus, die rund 15 Hektar erhielten. Nur zwei Vertriebene waren darunter. Eine Straße – die Korsorsstraße – wurde gebaut, Vorfluter und Grenzgräben erstellt.

Anders als in anderen Regionen wurden die Flächen nicht drainiert und auch die Häuser mussten die Siedler selber errichten. „So gibt es eine festere Bindung der Siedler an ihr Eigentum“ – „Wer mit der Hände Arbeit den Boden urbar macht, verwächst in ganz anderer Weise mit der Scholle.“ So und ähnlich lauteten die Argumente aus Oldenburg.

Acht Landwirte aktiv

Höhepunkt der ersten Jahre war der 15. Mai 1962, als Bundespräsident Heinrich Lübke der Hochmoorsiedlung einen Besuch abstattete. Danach versuchten die Siedler zusätzliche Flächen zu bekommen. 1977 erhielten die meisten – einige hatten schon aufgegeben – noch einmal zehn Hektar.

Heute sind noch acht Siedler als Landwirte in Hülsberg aktiv. Damit liegt ihr Anteil höher als in der ein Jahr später erschlossenen Siedlung Overlahe auf der anderen Seite des Vehnemoors.

Im Vehnemoor wurde einst Torf abgebaut; 1720 Hektar sollen nun dem Naturschutz dienen. „Das werden alles Wasserflächen“, meint Arnold Taphorn. Schon heute bevölkern in riesigen Scharen Gänse und Schwäne die Flächen. Taphorn meint, sie hätten im „Dustmeer“ – fast mitten im „Vehnemoor“ – eine neue Heimat gefunden. Das Problem: „Sie fressen die junge Saat aus den Böden“, hat Taphorn festgestellt. Und verkoten die Flächen. Eine sieben Hektar große Fläche am Küstenkanal von ihm sei, so Taphorn, völlig abgefressen worden. Andere Areale seien so voller Kot, dass sie nicht mehr nutzbar seien. Auch Ex-Landwirte aus Hülsberg beklagen sich über große Mücken- und Bremsenscharen nicht nur im Sommer.

Gegenwehr ohne Erfolg

Natürlich, so Taphorn, fordere der Naturschutz zu Recht Flächen. Aber die Abwägung sei heutzutage falsch. Werde zwischen Landwirtschaft und Naturschutz abgewogen, verliere immer der Bauer. „Diese Einseitigkeit ist doch nicht richtig.“

Die Hülsberger wehrten sich vor einigen Jahren vehement gegen die Naturschutzausweisung. Ohne Erfolg. Der ehemalige niedersächsische Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) und auch zwei seiner Staatssekretäre waren mehrmals im „Vehnemoor“. Selbst als die Zuständigkeit auf den Landkreis verlagert wurde, blieben die Bemühungen ohne Erfolg.

„Und jetzt müssen wir auch noch hinnehmen, dass unsere eh magere Ernte auf den Hochmoorflächen gemindert wird durch die Vögel im Naturschutzgebiet“, lautet die zusammenfassende Klage mancher Hülsberger.

Entschädigungen

In anderen Regionen werden dafür Entschädigungen gezahlt. Das EU-Recht steht einem Schadensausgleich für Grünlandbesitzer, die auf ihren Flächen Fraßschäden durch geschützte Tierarten wie Grau- und Nonnengänse erleiden, nicht im Wege. Die Gewährung einer staatlichen Beihilfe ist grundsätzlich möglich.

Landwirte, die sich an den Agrarumweltmaßnahmen für nordische Gastvögel beteiligen, erhalten für eintretende Biomasseverluste und den entstehenden Mehraufwand in der Flächenbearbeitung einen finanziellen Ausgleich. Die Agrarumweltmaßnahmen für nordische Gastvögel erfreuen sich großer Beliebtheit: Derzeit werden landesweit rund 21 400 Hektar Acker- und Grünlandflächen mit Agrarumweltmaßnahmen für nordische Gänse bewirtschaftet. Dafür wendet das Land Niedersachsen mit Unterstützung der Europäischen Union im Jahr sechs Millionen Euro auf.

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