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NWZonline.de Region Cloppenburg Wirtschaft

Wie aus dem Kloster ein Ort wurde

03.04.2019

Bokelesch Das Gebiet der Kommende (Niederlassung eines Ritterordens) Bokelesch entstammt größtenteils dem Kirchspiel (Pfarrbezirk) Utende mit Bollingen sowie zum Teil dem Kirchspiel Potshausen und betrug ungefähr 3000 Hektar.

Der Stifter ist nicht nachgewiesen, es könnte sich dabei aber um den Grafen Otto von Tecklingburg (1214 bis 1264) handeln, der als Förderer der Johanniter bekannt war. Der Johanniter-Orden gründete sich 1048 in Jerusalem als Hospitalbruderschaft zur Betreuung der christlichen Pilger und Pflege der dabei Erkrankten. Später wurde er zum Kreuzritterorden, dem viele Adelige als Ritter oder Priester beitraten.

In den friesischen Niederlassungen, zu denen auch Bokelesch gehörte, gab es keine Ritterbrüder, da in Ostfriesland der Adel nicht vorhanden war. Die Friesen waren von je her sehr freiheitsliebend und wehrten sich gegen jede Art von Bevormundung. Die Kommende Bokelesch war, wie die zu der Zeit 20 anderen existierenden friesischen Johanniter-Niederlassungen, dem Johanniter Kloster Burgsteinfurt unterstellt. Die Friesen widersetzten sich erfolgreich den Weisungen aus Burgsteinfurt. Es kam zu einem Vergleich, dem Groninger Vergleich vom 8. September 1319, in dem erstmalig das Kloster Bokelesch dokumentiert wurde.

Das Besondere daran waren die erstrittenen Privilegien, wie das Recht, ihren Komtur (Vorsteher des Klosters) selbst zu bestimmen, und auch die Öffnung für Frauen und viele Laien. Zu dem Männer-Kloster Bokelesch gehörte auch das Frauen-Kloster in Osterhausen. Das Kloster lag nördlich/östlich der noch erhaltenen Kapelle. Die Anlage war ein Herrenhof, nach der Art einer mittelalterlichen Wasserburg. Die Anlage war von Gräben und Wällen umgeben, die heute eingeebnet sind.

Die Anlage der Ordensschwestern in Osterhausen war ebenfalls eine Art Wasserburg, allseits von Gräben umzogen. Der Binnenhof war fast quadratisch, das Eingangstor nach Westen in Richtung Kapelle. Die Kommende umfasste eigentlich vier Einzelgüter, die aber alle beieinander lagen: Bokelesch und Ubbehausen links der Saterems, sowie Osterhausen und Drey (Roggenberg) rechts der Saterems. Das Ordenshaus Bokelesch wurde wahrscheinlich im letzten Drittel des 13. Jahrhunderts gebaut.

Seine Bestimmung als Kloster endete nach 300 Jahren, in den Wirren der Reformation, im Jahr 1587. Die Zerstörung des Klostergebäudes erfolgte im „Dreißigjährigen Krieg“, im Winter 1623, durch die Mansfelder Truppen. Auch die Kapelle wurde stark beschädigt und erst nach 50 Jahren wieder aufgebaut.

Seit der erstmaligen Erwähnung des Klosters Bokelesch 1319 gibt es zunächst keine weiteren schriftlichen Aufzeichnungen. Die nächste Erwähnung findet sich in den Akten des Archivs des Schlosses Lütetsburg. Darin wird 1525 der „Herr Claes, Comthur tho Bokelesch undt Dunebroek“ erwähnt. Bokelesch stand unter der Verwaltung eines eigenen Komturs, vorübergehend hat folglich eine Personalunion mit dem Johannitergut Dunenbroek (Rheiderland) bestanden.

Laut Dr. Reimers erscheint diese Mitversorgung darin begründet zu sein, dass Herr Claes der alten Kirche treu blieb und deshalb ausnahmsweise von den Ordensoberen die Verwaltung des, bisher von einem für sie unzuverlässigen Komtur geleiteten, Duenenbroek erhielt (Bilder ostfr. Klöster“, Norden 1937). Der Komtur Claes trat in Verhandlungen mit den Bokelesch benachbarten Utende und Kleinhausen, einer kleinen Ortschaft bei Utende, die später verschollen ist. Das Vieh der Utender Markgenossenschaft hatte das Korn des Komturs beschädigt und es wurde vereinbart, dem Komtur den Hengersch für die jährliche Heuer von sechs Gulden zu verpachten. „Ferner empfängt der Utender Kuhhirte täglich während der Weidezeit, bis das Korn abgeerntet ist, durch den Komtur das Mittagessen unter der Bedingung, dass die Viehschäden im Korn des Klosters verhütet werden. Auch soll vom Komtur eine gute Brücke über den moelen kamp sloth unterhalten werden“. Dabei handelt es sich um die Grenze zwischen Bokelesch und Utende. Dort soll sich auch eine Wassermühle befunden haben. Während die Bewirtschaftung der Grundstücke nach den Berichten etwa drei Jahrhunderte in Eigenbewirtschaftung des Komturs ausgeübt wurde – und zwar von der Gründung bis nach 1549 –, wurde später die Verpachtung eingeführt. Dass die Johanniter wenigstens die Haupthöfe anfänglich selbst bewirtschafteten, wird schon durch die große Zahl der Knechte und Mägde wahrscheinlich. Mit dem Komtur (Name nicht bekannt) waren 1549 im Ganzen 24 Insassen auf Bokelesch: zwei Geistliche, zwei Brüder, zehn Ordensschwestern und neun Knechte und Mägde.

Im Jahr 1588 wurde das Kloster Bokelesch durch den Komtur Melchior Droste aufgegeben und für die Ländereien Pächter eingesetzt. In Mai 1588 war Johann Schemering Verwalter der Kommende Bokelesch. Er wohnte mit seiner Familie auf der Kommende und war Vetter des Alexander v. Galen, dem Komtur der Ballei Burgsteinfurt. Aus den vorhandenen Berichten ist zu schließen, dass Melchior Droste der letzte Komtur zu Bokelesch war und dass mit seinem Ableben die kirchliche Einrichtung eingestellt wurde.

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