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NWZonline.de Region Cloppenburg Wirtschaft

„Körper werden zu Objekten“

01.10.2019

Cloppenburg Deutlich Position gegen die zurzeit diskutierte erweiterte Widerspruchsregelung bei Organspenden haben jetzt die Hauptreferenten des ersten Ärzteforums in der Katholischen Akademie Stapelfeld bezogen. Organspenden dürften nur freiwillig erfolgen, erklärten der Oldenburger Neurochirurg Professor Dr. Andreas Zieger und der Freiburger Moraltheologe Eberhard Schockenhoff unisono. Unter dem Motto „Organspende – Christenpflicht?“ nahmen knapp 100 Ärzte, Zahnärzte und Psychologen an der Veranstaltung teil.

Die Bestimmung des Hirntods und damit von lebend und tot sei der mächtigste Bereich in der Medizin, sagte Neurochirurg Zieger. Die Organentnahme sei der gewalttätigste Eingriff in die körperliche Integrität. Die Körper von Spendern würden so zu einem Objekt gemacht. Hirntod sei rechtliches Niemandsland, die Betroffenen würden auf einen biologischen Nullwert reduziert. Dabei könnten sie jahrelang beatmet, intensivmedizinisch versorgt werden und zeigten keine typischen Todeszeichen. Hirntote Schwangere könnten sogar von gesunden Kindern entbunden werden. Hirntote müssten bis zur Organentnahme am Leben gehalten, ernährt, gewaschen und gepflegt werden. Das sei für Pflegende oft traumatisch. Den Hirntod müssten zwei Ärzte im Abstand von zwölf Stunden protokollieren. Ein Sterben in Würde komme dann nicht mehr vor. Organentnahmen sollten prinzipiell nur nach umfassender ärztlicher Aufklärung und auf Basis individueller Zustimmung erfolgen, forderte Zieger. Statt mehr Transplantationen brauche es einer Bekämpfung der Organbedürftigkeit und einer besseren Erziehung zur gesunden Lebensführung.

Ähnlich äußerte sich auch der Freiburger Moraltheologe Professor Dr. Eberhard Schockenhoff. Das Wissen, einem anderen Menschen mit einer Organspende die erneute Teilnahme am gesellschaftlichen Leben ermöglichen zu können, erfordere eine ernsthafte Prüfung des Gewissens, sagte er. Doch die Bereitschaft zur Organspende müsse freiwillig und nach einer Selbstverfügung des Spenders erfolgen. Allein das dringende Angewiesensein eines Empfängers dürfe kein moralischer Grund sein. Ohne die strikte Einhaltung der Freiwilligkeit verliere die Transplantationsmedizin die moralische rechtliche Legitimation und Zustimmung der Öffentlichkeit. Klar sprach er sich auch gegen wirtschaftliche Anreize wie das Verkaufen von Organen lebender Spender und Organhandel aus.

Eine erweiterte Widerspruchslösung erzeuge großen moralischen Druck, da jeder als Organspender gelte, sofern nicht er selbst oder Angehörige der Organentnahme widersprochen hätten. Potenzielle Spender würden nach ihrem diagnostizierten Hirntod unter Umständen gegen ihren in Patientenverfügungen erklärten Willen intensivmedizinisch am Leben gehalten. „Sich über derartige Festlegungen hinwegzusetzen, nur weil der Betreffende einer eventuellen Organentnahme nicht zu Lebzeiten widersprochen hat, wäre in jedem Fall ein unverhältnismäßiger Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht, der unter rechtsstaatlichen Voraussetzungen auch durch das hochrangige Interesse der Organempfänger nicht gerechtfertigt werden kann“, so Schockenhoff. Vorstellen könne sich der Moraltheologe jedoch Modelle, beim Beitritt zu einer Krankenkasse eine Erklärung zur Organspende abzugeben und sie auf dem Führerschein oder Personalausweis vermerken zu lassen.

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