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NWZonline.de Region Cloppenburg Wirtschaft

Vegane Ernährung In Cloppenburg: Fleisch ist so gar nicht ihr Gemüse

27.12.2018

Cloppenburg „Manchmal habe ich noch Lust auf Kassler – so mit Sauerkraut oder Grünkohl“, sagt Monika Siemer und lacht. Eigentlich nichts ungewöhnliches. Aber seit fünf Jahren isst sie kein Fleisch mehr, seit einem Dreivierteljahr verzichtet sie als Veganerin auf alle tierischen Produkte. Schon als Vegetarierin hinterfragte die 46-Jährige die Tierindustrie. Ein flapsiger Spruch wie „Fleisch ist mein Gemüse“ ist mittlerweile nicht mehr nach ihrem Geschmack.

„Ich wollte kein Teil davon sein, dass Tiere getötet werden“, sagt Siemer. Im Umfeld kam diese Entscheidung nicht gut an. „Da muss man nur die Ernährung umstellen und es gehen ganz enge und lange Freundschaften zu Bruch“, erklärt Siemer – und aus dem Lächeln wird ein nachdenklicher Blick.

Über Unverständnis im Umfeld, neue Rezepte oder auch Einkaufstipps tauscht sich die Bisselerin beim veganen Stammtisch und beim „veganen Snacktreff“ in Cloppenburg aus. Zusammen mit ihrer Freundin Martina Deeken organisiert sie diese regelmäßigen Zusammentreffen. Und auch an diesem Tag sitzen die zehn Teilnehmer des Snacktreffs gemeinsam um den Tisch in der Küche der Volkshochschule Cloppenburg.

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„Man ist das schlechte Gewissen“, sagt Sigrid Meylahn im Hinblick auf die Reaktionen von außen. Sie und ihr Mann Klaus leben seit dem 1. Januar 2018 vegan. „Die Leute fühlen sich direkt angegriffen, wenn man erzählt, dass man auf tierische Produkte verzichtet. Dabei wollen wir das Essen niemandem verbieten“, ergänzt Jessica. Die 23-Jährige aus Löningen hat seit dem Weihnachtsfest 2017 kein Fleisch mehr gegessen und ernährt sich seit Mai vegan.

Kritik an ihrer Ernährungsform lässt die junge Frau, die eine schulische Ausbildung absolviert, an sich abblitzen: „Ich weiß ja warum ich es tue: Der Tiere und Umwelt zuliebe.“ Fragt man die zehn Veganer am Tisch nach ihren Gründen, werden der Gedanke an den Tierschutz und die Ethik als häufigste Gründe genannt. Auch sei die vegane Ernährung ressourcenschonender als die Tierindustrie, fügt Michael hinzu.

Bei ihm spielt die Gesundheit ebenfalls eine große Rolle. Sein Sohn lebt seit fünf Jahren vegan und hatte Neurodermitis. Mittlerweile ist diese weg, die Blutwerte seines Sohnes sind super, sagt Michael. So wurde auch er von der veganen Ernährung überzeugt. Sein Asthma losgeworden ist Dominik Al Said und Monika Siemer freut sich über ein neues Körpergefühl. Kein „Fress-Koma“ nach dem Essen und keine Verdauungsprobleme mehr hat Jessica. Einige Kilo abgenommen hat Klaus Meylahn und seine Frau Sigrid fährt nun mit dem Rad zur Arbeit – vorher undenkbar. Zehn Kilogramm abgenommen hat Yvonne Einhaus, weil sie auf Schokolade und anderen Süßkram verzichtete.

„Muss ich ja gar nicht. Jetzt erst habe ich gesehen, dass es all diese Produkte auch vegan gibt“, lacht Einhaus. Nicht nur im Reformhaus sondern auch beim Discounter oder im „normalen“ Supermarkt findet sie eine große Auswahl. „Einkaufen geht nur nicht mehr so schnell – ich muss genau hinschauen.“

Denn auch in Lebensmitteln, in denen keine tierischen Produkte erwartet werden, findet sich beim Lesen der kleingeschriebenen Zutatenliste so manch tierisches Produkt. „Chips beispielsweise sind häufig nicht vegan“, sagt Sigrid Maylahn. Weine und Fruchtsäfte werden häufig mit Gelatine geklärt, die aus tierischem Kollagen besteht, erzählt Martina Deeken. „Da muss man schon genau schauen“, sagt Deeken.

Orientierung kann das entsprechende Label geben, das in grün und gelb auf den veganen und vegetarischen Produkten prangt. Im Cloppenburger Bio-Supermarkt „Denn’s“ sei direkt am Regal-Etikett zu erkennen, ob das Produkt vegan ist, lobt Jessica. Dort gebe es auch veganes Frühstück und Mittagessen, fügt Deeken hinzu.

Sonst sei es aber schwierig, auf den hiesigen Speisekarten vegane Produkte zu finden. „Ich trete eine Dienstreise an und habe mir wieder einiges eingepackt. Das ist einfacher, als mir am Tagungsort was zu suchen“, sagt Klaus Meylahn. Schwierig sei auch der Gang zum Bäcker, berichtet Deeken. Normale Weizen- und auch Sesambrötchen seien meist vegan, Kuchen oder Heißgetränke mit Soja- oder Mandelmilch seien aber schwer zu bekommen.

Im Zweifel heißt das: Selber backen. „Viele Gerichte haben wir veganisiert. Alles was wir früher gegessen haben, können wir auch jetzt noch essen“, sagt Werner Bakenhus. Der 55-Jährige lebt schon seit 1990 fleischfrei, seit etwa sechs Jahren verzichtet er auf alle tierischen Produkte. „Mittlerweile gibt es viele Fertig-Produkte. Die hatten wir damals nicht, da mussten wir alles selbst kochen“, erinnert sich der Großenkneter an die Zeit, in der Vegetarier und Veganer noch selten waren. „Ich wurde häufig belächelt, aber auch da hat sich vieles verändert“, sagt der 55-Jährige.

Dass „besondere Ernährungsformen“ mittlerweile zum Lifestyle geworden sind, empfindet Michael prinzipiell als positiv. „Für unsere Bewegung ist das natürlich gut, weil die Industrie viele entsprechende Produkte anbietet“, sagt der Cloppenburger. Der Markt mit veganen Produkten wächst immer weiter an. Laut dem Marktforschungsunternehmen Mintel wurden 2016 in Deutschland mehr vegane Produkte als in jedem anderen europäischen Land eingeführt. Außerdem hat die Auslobung „vegan“ (13 Prozent) die Kennzeichnung „vegetarisch“ (7 Prozent) bei deutschen Lebensmittel- und Getränkeprodukten überholt. Zum Vergleich: Im Jahr 2012 machten vegane Neueinführungen nur ein Prozent und vegetarische Neueinführungen nur drei Prozent aus.

Auch mal vegane Schnitzel oder Burgerbratlinge kocht Monika Siemer – vor allem weil ihre drei „Männer“ auch mitessen. „Wer Fleisch will, muss es sich selber zubereiten. Aber auch meinem 80-jährigen Vater schmeckt das, was ich koche“, sagt die 46-Jährige.

Dass alle tierischen Produkte gut zu ersetzen sind, findet Sabine. Die 18-Jährige ist das erste Mal beim Snacktreff dabei. Sie ist derzeit „nur“ Vegetarierin, aber auf dem Weg zur veganen Ernährung. „In meiner Familie leben schon zwei Veganer. Ich muss meinen Weg da noch finden. Ich finde es wichtig, offen gegenüber den anderen Ernährungsformen zu sein.“

Seine Mitmenschen bekehren möchte hier beim Treffen niemand. Alle Veganer haben früher Fleisch gegessen. Manche sogar gerne, wie Monika Siemer. Das Stück Kassler würde sie trotz der gelegentlichen Gelüste jetzt wahrscheinlich nicht mehr durch den Hals kriegen, sagt sie. Es würde ihr einfach nicht mehr schmecken.

Mareike Wübben Cloppenburg / Redaktion Münsterland
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