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NWZonline.de Region Cloppenburg Wirtschaft

Bieterkampf endet bei 4,66 Millionen Euro

04.05.2018

Cloppenburg In einem spannenden Zwangsversteigerungsverfahren am Donnerstagmorgen im Cloppenburger Amtsgericht ist das Wohn- und Geschäftshaus an der Mühlenstraße 21 bis 25 dem Cloppenburger Geschäftsmann Hubert Bahlmann zugeschlagen worden. Der mit der Mast und Schlachtung von Kälbern sowie der Vermarktung von naturbelassenem Kalbfleisch groß gewordene Unternehmer bekam den Zuschlag bei 4,66 Mio. Euro, der Preis liegt damit um 166 000 Euro über dem Verkehrswert von 4,5 Mio. Euro. Die Immobilie gehörte bislang dem Kaufmann Klaus Ostendorf, der jahrzehntelang in Cloppenburg seinen Wohnsitz hatte und zu den schillernsten, aber auch erfolgreichsten Unternehmern des Oldenburger Münsterlandes gehörte. Angestrengt wurde das Zwangsversteigerungsverfahren von der Landessparkasse zu Oldenburg.

Bieter-Zweikampf

In der zweiten Hälfte des einstündigen Bieterverfahrens entwickelt sich ein Zweikampf zwischen Bahlmann und dem Essener Geschäftsmann Herbert Johannes Dreckmann, der 2010 gemeinsam mit seinem damaligen Kompagnon Joachim Scholten den Essener Großschlachthof „D&S“ an das dänische Unternehmen „Danish Crown“ verkauft hat. Während Bahlmann als Privatmann bietet, tut dies Dreckmann als Geschäftsführer der „HJD Holding GmbH“. Am Ende steht Dreckmanns letztes Gebot bei 4,51 Mio. Euro, mit einem knappen „Herzlichen Glückwunsch“ gratuliert er seinem Kontrahenten zum Erwerb der Immobilie.

Im allerletzten Moment

Zahlen, Daten und Fakten zum Wohn- und Geschäftshaus Mühlenstraße 21 bis 25

Das Wohn- und Geschäftshaus an der Mühlenstraße 21, 23 und 25 in Cloppenburg steht auf drei Grundstücken mit drei eigenen Grundbüchern. Deshalb gab es auch drei getrennte Bieterverfahren.

Auf dem schmalen langgezogenen Grundstück direkt an der Passage – 578 Quadratmeter (qm) groß – steht der Gebäudeteil, in dessen Erdgeschoss eine Bank und eine Spielhalle untergebracht sind. Der Verkehrswert wurde auf 1,665 Millionen Euro taxiert, verkauft wurde der Teil für 1,8 Millionen Euro.

Auf dem mittleren Grundstück steht auf 378 qm derjenige Gebäudeteil, in dessen Erdgeschoss ein Friseurbetrieb arbeitet. Dahinter liegt eine 184 qm große Freifläche, die zum Grundstück gehört. Der Verkehrswert belief sich auf 1,215 Mio., der Zuschlag lag bei 1,33 Mio. Euro.

Auf dem Grundstück direkt an der Soeste steht auf 461 qm derjenigen Gebäudeteil, der das Lokal „Verace“ als Mieter beherbergt. Zu dem Grundstück gehört noch eine 85 qm große Freifläche, die Richtung Bürgermeister-Heukamp-Parkplatz liegt. Der Verkehrswert wurde mit 1,62 Mio. Euro angegeben, verkauft wurde mit 1,53 Mio. Euro etwas darunter. Möglicher Grund: In das Grundbuch ist eine Reallast eingetragen, die eine monatliche Leibrente zugunsten einer Cloppenburgerin Seniorin vorsieht.

Im ersten Obergeschoss des gesamten Gebäudes unterhält die Großschlachterei Sprehe eine Büroeinheit unter dem Namen „Geflügel- und Tiefkühlfeinkost Handels GmbH&Co. KG“.

Im zweiten Obergeschoss befindet sich ein Parkdeck, das über die Stadttorpassage mittels einer Brücke anzufahren ist.

Im dritten Ober- bzw. im Dachgeschoss gibt es zehn Wohneinheiten.

Die monatlichen Mieteinnahmen bezifferte Justizamtsmann Skubski auf rund 26 000 Euro.

Dabei hat es rund 20 Minuten zuvor noch so ausgesehen, als sollte Dreckmann mit seinem Gebot über vier Millionen Euro glatt das bessere Ende für sich haben: Nachdem Justizamtsmann Skubski als Leiter des Verfahrens deutlich „Zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten“ ausgesprochen hat, kommt Bahlmann, der zuvor nicht mitgeboten hat, im allerletzten Moment aus der Deckung. Er erhöht um 150 000 Euro auf 4,15 Millionen Euro. Leicht irritiert wirkend, lässt Skubski das Gebot zu, während einige Augenzeugen auf der Besucherbank grinsend den – im Moment im Fußball für Diskussionen sorgenden – „Videobeweis“ fordern.

Dreckmann beantwortet diese 4,15 Millionen Euro mit einer Erhöhung um 130 000 Euro (4,28 Millionen Euro), die Bahlmann wiederum mit einem Plus von 150 000 Euro (4,43 Millionen Euro) kontert. Dies unterlegt er mit einem trockenen „Das gleiche Spielchen noch mal“.

Rennen gelaufen

Der HJD-Geschäftsführer wirft noch einmal weitere 80 000 Euro (4,51 Millionen Euro) in den Pott, die Bahlmann wiederum mit seinem Standard „150 000 Euro“ – letztlich zum Verkaufspreis – erhöht. Das Rennen ist um 10.47 Uhr gelaufen.

Vor dem Duell mit Bahlmann hat sich Dreckmann bereits früh zweier weiterer Bieter erwehren müssen. Das allererste Gebot gibt der Lübbecker Investor Udo Wünderlich mit 1,166 Millionen Euro für den Teil „Spielhalle/Bank“ (siehe Infobox) ab. Dreckmann formuliert sein erstes Gebot mit 3,37 Millionen Euro für alle drei Gebäudeteile samt ihrer Grundstücke. Der Cloppenburger Kaufmann Theo Budde gibt dann mit 3,5 Millionen Euro sein erstes und einziges Gebot ab – Dreckmann erhöht auf 3,8 Millionen Euro.

Bewährte Taktik

Nun nimmt Wünderlich den Ball wieder auf und bleibt bei seiner bewährten Taktik: Er bietet nur auf den Teil „Spielhalle/Bank“ – diesmal 1,45 Millionen Euro. Dreckmann erhöht um 50 000 Euro, Wünderlich ebenso, dann wieder Dreckmann: Wir stehen bei 1,6 Millionen Euro.

Kurzes Gespräch

Wünderlich weiß wohl, dass es so nicht weitergehen kann: Er fragt das Gericht, ob er sich mit Dreckmann kurz vor der Tür unterhalten könne: Dieses bittet kurz die Bank als Verfahrens-Antragsteller um Zustimmung – es gibt ein Ja, und auch Dreckmann nickt: „Zwei Minuten“.

Beide kommen wieder: Dreckmann erhöht auf vier Millionen Euro gesamt, von Wünderlich kommt nichts mehr.  Was die beiden besprochen haben, weiß keiner – im Nachhinein für den Ausgang des Verfahrens auch unerheblich.

Stadttor-Passage

Interessantes Detail am Rande: Justizamtsmann Skubski erwähnt, dass auch für eine zweite zentrale Innenstadt-Immobilie von Klaus Ostendorf das Vollstreckungsverfahren bereits läuft. Betroffen ist in diesem Fall die so genannte Stadttor-Passage, die über eine Pkw-Brücke (siehe Infobox) mit dem Gebäude Mühlenstraße 21 bis 25 verbunden ist. In der Stadttor-Passage sind unter anderem ein Friseur, ein Imbiss, Bekleidungsgeschäfte, ein Handyshop und die Volkshochschule untergebracht.

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Carsten Mensing Cloppenburg / Redaktion Münsterland
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