• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Cloppenburg Wirtschaft

ERINNERUNGEN: „Diese Bilder vergisst man nie“

29.08.2009

AUGUSTENDORF[VORSPAUTOR][ /VORSPAUTOR] Kaum eine Familie in Deutschland, die nicht durch den Zweiten Weltkrieg einen gefallenen, vermissten oder an den Kriegsfolgen gestorbenen Menschen zu beklagen hat. Alleine auf den Stelen am Ehrenmal in Friesoythe sind die Namen von 232 gefallenen und 69 vermissten Soldaten in Stein gemeißelt. Zwei Namen erinnern an junge Männer, die gleich 1939 zu den ersten Opfern aus Friesoythe gehörten. Einer von Ihnen war Otto Kemper.

Die NWZ ging auf Spurensuche und befragte Rosina Koopmann (78) aus Augustendorf, die Schwester von Otto Kemper, nach dem Schicksal ihres Bruders und ihren Erinnerungen an den 1. September 1939. Fünf Monate bevor der Zweite Weltkrieg ausbrach, war Otto Kemper im Arbeitsdienst bei Bremen eingesetzt. „Er musste den ganzen Tag schwere Bohlen schleppen und hat sich dabei so sehr an der Schulter verletzt, dass er im Krankenhaus behandelt werden musste. Im Peter-Friedrich-Ludwig-Hospital in Oldenburg bekam er dann eine Lungenentzündung und starb an einer Embolie. Das war im April 1939“, erinnert sich Rosina Koopmann.

Befehl und Gehorsam regierte damals sogar über den Tod hinaus, so dass die Eltern von Otto Kemper sich damit hätten abfinden sollen, ihren Sohn in Oldenburg beerdigen zu müssen, so wie die Befehlshaber es angeordnet hatten. „Unsere Nachbarn haben dann aber den Sarg mit meinem Bruder einfach aus Oldenburg abgeholt. Ich bin den Leuten heute noch dankbar für so viel Courage. So konnten wir Otto zuerst in Friesoythe und später in einem Familiengrab in Thüle beerdigen.“

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den täglichen NWZonline-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Zivilcourage war damals eine gefährliche Angelegenheit. Gemeinsam mit vielen Männern aus Thüle lehnte sich Koopmanns Vater gegen ein Wahlergebnis auf, bei dem angeblich der ganze Ort geschlossen die NSDAP gewählt haben soll. „Alle wussten, dass das nicht stimmt. Die Wahlurnen wurden ja nicht einmal ausgezählt“, so Koopmann. Als ihr Vater und andere Dorfbewohner dagegen aufbegehrten, wurde ihnen mit furchtbaren Konsequenzen gedroht. „Mein Vater konnte aber auch nie den Mund halten. Einmal hat er sogar einen SA-Mann mit der Heugabel vom Hof gejagt. Wir hatten damals einen Zwangsarbeiter aus der Ukraine mit uns am Tisch essen lassen. Für die Nazis war das ein Verbrechen. Meine Mutter hat oft genug gebangt, dass nachts die Gestapo vor der Tür stehen würde.“

An den 1. September 1939 kann Rosina Koopmann sich noch sehr gut erinnern. „Wir mussten die Hakenkreuzfahne hissen und eine halbe Stunde lang Heil dem Führer und Heil der Fahne rufen. Nicht, dass der Lehrer das so wollte. Ganz im Gegenteil. Er wurde gezwungen. Im Klassenraum sagte er uns dann, wie schlimm es für uns alle werden würde. Und der Mann sollte Recht behalten“, so Rosina Koopmann.

„Der Verlust zweier Brüder, die viele harte Arbeit und die schrecklichen Bilder vom Kampf und der Zerstörung sind noch immer in meinem Kopf. Man vergisst nicht, wenn man gemeinsam mit seiner Mutter im Garten arbeitet und von einem Tiefflieger beschossen wird oder nachts um 1 Uhr aus der Ferne mit ansehen muss, wie die Pfarrkirche von Friesoythe in Flammen aufgeht.“ Rosina Koopmann gibt ihr Wissen weiter an ihre Kinder und Enkelkinder und hilft so mit, die Erinnerung wach zu halten. Auch wenn es weh tut.

Ein Spezial gibt es unter www.NWZonline.de/jahrestage2009

Umfrage
Machen Sie mit beim großen Landkreis Cloppenburg-Check. Was gefällt Ihnen besonders in Ihrer Gemeinde/Stadt und wo sehen Sie noch Verbesserungspotential?

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.
DIE WIRTSCHAFT

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.