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NWZonline.de Region Cloppenburg Wirtschaft

Fleischbranche Im Zwielicht: „Ich breche dir alle Knochen“

01.12.2015

Cloppenburg Seit drei Jahren berät der Bakumer Rechtsanwalt Johannes Brinkhus ehrenamtlich einmal in der Woche im Forum der Katholischen Kirchengemeinde St. Andreas Cloppenburg osteuropäische Werkvertragsarbeiter in Fragen des Arbeitsrechts. Unterstützt wird er dabei von seiner Ehefrau Audra Brinkhus-Saltys, Vorsitzende des „Netzwerks für Menschenwürde in der Arbeitswelt“ (Mida), und mehreren Dolmetschern.

Audra Brinkhus-Saltys, Vorsitzende des „Netzwerk(es) für Menschenwürde in der Arbeitswelt“, und Rechtsanwalt Johann Brinkhus hoffen auf weitere ehrenamtliche Unterstützung. BILD: Anuschka Kramer

Juristische Beratung für Werkvertrags- und Leiharbeiter

Das „Netzwerk für Menschenwürde in der Arbeitswelt“ (Mida) bietet in Cloppenburg eine arbeitsrechtliche Beratung für osteuropäische Werkvertragsarbeiter an, um gegen den Missbrauch von Lehrarbeit und Werkverträgen vorzugehen.

Bis zu 20 Beratungsgespräche werden pro Woche im Forum St. Andreas, Sevelter Straße 4 in Cloppenburg, geführt.

In Nordwest-Deutschland gibt es derzeit rund 20 000 Werkvertragsarbeiter und etwa 40 000 Leiharbeiter.

Deutschlandweit gibt es zehn Beratungsstellen.

    www.netzwerk-mida.de

Die meisten seiner Klienten – pro Abend kommen bis zu 20 Personen – arbeiten in der Fleischbranche und stammen aus verschiedenen Ländern Osteuropas, viele aus Polen oder Rumänien. Die Beratungsthemen sind vielfältig, doch meist geht es um nicht gezahlten Arbeitslohn, sagt Brinkhus am Montag bei einem Pressegespräch im Forum. Mit dabei sind seine Frau, Dechant Bernd Strickmann und Prälat Peter Kossen, der sich seit Jahren für die Rechte von Werkvertragsarbeiter stark macht.

Der Anlass für das Gespräch: Brinkhus braucht dringend Verstärkung. Die Nachfrage nach der Beratung nimmt stetig zu. Gesucht wird ein Fachanwalt für Arbeitsrecht, der bereit ist, sich ebenfalls ehrenamtlich zu engagieren – mit dem Wissen, „dass man es nach Standesrecht nicht darf“, betont Brinkhus. Dass er eigentlich nicht kostenfrei beraten dürfe, halte ihn jedoch nicht davon ab, diese Aufgabe zu erfüllen – gleiches gelte für die Drohungen, die ihn seitens der Leiharbeiterbranche regelmäßig ereilten. „Ich breche dir alle Knochen“, sei nur eine Drohung von vielen.

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Die Probleme der Arbeiter, die zu Brinkhus kommen, sind vielfältig. So würde es Firmen geben, in denen die Werksarbeiter zwei Schichten pro Tag schaffen müssten – bezahlt werde nur für eine. Die Gehaltsabrechnungen wiesen zwar den Mindestlohn und das Monatsgehalt aus, nicht jedoch die tatsächlich geleistete Arbeitszeit. Alternativ gebe es Firmen, die ihre Laufbänder einfach schneller laufen lassen würden. Faktisch, so fasst Brinkhus zusammen, werde auf dem Papier der Mindestlohn gezahlt, die Realität sehe jedoch anders aus. „Kein deutscher Arbeiter würde sich das gefallen lassen“, ist er überzeugt.

Kossen: „Das ist ein krimineller Sumpf.“ Selbst Rockerbanden würden mitmischen. Brinkhus: „Die Kriminellen wissen, dass sie damit mehr Geld verdienen können als mit Prostitution oder Drogenhandel.“ Die im Herbst erklärte Selbstverpflichtung der Schlachtindustrie in Niedersachsen für bessere Arbeitsbedingungen habe kaum etwas verändert, kritisieren Kossen und Brinkhus. Kossen fordert ein bundesweites kostenloses und flächendeckendes juristisches Beratungsnetz für Werkvertragsarbeiter. „Die Gesellschaft muss diese Beratung finanzieren.“

Und wie läuft nun der Kampf gegen die Leiharbeiterfirmen-Branche? Brinkhus empfiehlt seinen Klienten meist, die Arbeitsstunden selbst zu dokumentieren. Das werde von den Gerichten anerkannt. In den meisten Fällen genüge es jedoch, wenn er als Anwalt die Arbeitgeber anschreibe oder mit dem Arbeitsgericht drohe, sagt er. „In 70 bis 80 Prozent der Fälle wird dann gezahlt, sonst geht es vor das Arbeitsgericht.“

Teils habe er gegen Firmen schon zehn bis elf Titel vor Gericht erwirkt, allerdings würden manche Betriebe einfach Konkurs anmelden und unter neuem Namen wieder auftauchen. Neun Firmen konnten vom Markt vertrieben werden.->

Anuschka Kramer Redakteurin / Redaktion Westerstede
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04488 9988 2602
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