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NWZonline.de Region Cloppenburg Wirtschaft

Harte Arbeit für Gefangene

03.01.2018

Edewechterdamm /Sedelsberg Nicht weit von hier gab es im Dritten Reich zahlreiche Konzentrations-, Straf- und Gefangenenlager. Entlang der holländischen Grenze gab es allein 15 dieser Art, die Emslandlager. Dazu zählte auch das Lager in Esterwegen. Im April 1942 genehmigte der Reichslandwirtschaftsminister den Einsatz von 1000 Insassen der Emslandlager in der Torfindustrie, darunter in Betrieben in Edewechterdamm und Sedelsberg. Der Einsatz muss mehr als hart gewesen sein, denn vor nunmehr exakt 75 Jahren – von Januar bis März 1943 – musste der Betrieb aufgrund erheblicher Ausfälle durch Verletzungen der Strafarbeiter eingestellt werden.

Torfkommandos

Über die Details der Emslandlager gab es lange nur unzureichende Informationen. Doch es mehren sich Untersuchungen über die Geschehnisse, wie beispielsweise eine Dissertation des Osnabrückers Frank Bührmann-Peters, die auch weitgehend diese Details über die Einsätze in der Torfindustrie verraten.

Danach war vom Strafgefangenenlager Esterwegen aus das erste Torfkommando beim Moorgut Sedelsberg tätig, für das ab dem 26. Mai 1942 täglich 100 Gefangene arbeiteten. Bereits 1939 waren kurzfristig Gefangene dort beschäftigt gewesen. Der Vertrag der Justizverwaltung über die Entsendung der Gefangenen nach Sedelsberg wurde mit den Klöckner-Werken, Duisburg, abgeschlossen und im Werk Osnabrück unterzeichnet, so dass davon ausgegangen werden kann, dass das Moorgut damals zur Firma Klöckner gehörte.

Langer Fußmarsch

Ein Gefangener erinnert sich, dass die Gruppe von Häftlingen, die jeden Morgen in Richtung Sedelsberg ausrückte, als „Schuhkommando“ bezeichnet wurde, weil die etwa zehn Kilometer lange Strecke zu Fuß zurückgelegt werden musste, wofür die Moorsoldaten Lederschuhe bekamen. Der Marsch dauerte jeweils drei Stunden. Die übrigen Gefangenen trugen nur Moorklumpen, wurden aber über weite Strecken mit der Feldbahn, bei Sondereinsätzen mit Lastwagen oder Bussen transportiert.

Ab 9. Juni 1942 stellte das Esterweger Lager der Vehnemoor AG in Edewechterdamm ebenfalls 100 Häftlinge pro Tag zur Verfügung. Bei diesem Kommando „zeigten sich von Anfang an unter den eingesetzten Gefangenen Krankheitserscheinungen. Unterarme und Hände waren teilweise ganz erheblich geschwollen und machte die dadurch betroffenen Gefangenen nur beschränkt einsatzfähig bzw. einsatzunfähig“, heißt es in Aufzeichnungen.

Ein altes Moorgut hatten 1916 – mitten im Ersten Weltkrieg – Georg Klasmann und Friedrich Graf von Landsberg-Velen erworben und gründeten die Vehnemoor GmbH. Die Torfgewinnung hatte begonnen – und 1921 verließen die ersten Ballen das neu erbaute Werk. Klasmann-Deilmann feierte 2016 das 100-jährige Jubiläum ihrer Niederlassung.

Damals – 1942 – wurden bei beiden Torfkommandos in Sedelsberg und Edewechterdamm Gefangene oft ausgetauscht, primär aus Krankheitsgründen oder aber wegen „Untersuchung auf Truppentauglichkeit“ bei in Aussicht gestellter „Frontbegnadigung“. Wie die Tagesberichte zeigen, wurden ungefähr alle 14 Tage Gefangene beim Außenkommando Edewechterdamm gegen neue aus Esterwegen ausgetauscht.

Der Hauptunterschied der beiden Kommandos lag in der Unterbringung: Während die Arbeitskräfte des Kommandos Sedelsberg jeden Tag von Esterwegen aus anmarschierten, wurden die Gefangenen in Edewechterdamm auf dem Gelände des Betriebes untergebracht und auch dort verpflegt. Vehnemoor war damit neben Höveler & Dieckhaus das erste Außenkommando der Emslandlager.

Ausbruchsichere Räume

Folgendes war mit dem Unternehmen vertraglich geregelt: „Die Vehnemoor GmbH stellt und unterhält auf ihre Kosten die erforderlichen Räumlichkeiten für die Unterbringung der Gefangenen und des Aufsichtspersonals mit den vorgeschriebenen baulichen Sicherheitseinrichtungen. Die Räume müssen ausbruchssicher und gesundheitlich einwandfrei sein. In dieser Richtung geltend gemachten Wünschen des Kommandeurs ist zu entsprechen.“

1944 war Schluss

Ab Juli bis mindestens September 1943 waren 30 Häftlinge aus Esterwegen in einem Außenkommando beim Torfwerk Strenge in Ocholt beschäftigt. Die 50 Gefangenen aus Börgermoor, die im November 1944 von einem Außenkommando aus Vörden zurückkehrten, waren wahrscheinlich ebenso in der Torfwirtschaft eingesetzt. Wann dort der Einsatz in der südlichsten Kommune des Kreises Vechta begann, ist nicht bekannt. Möglicherweise war auch das für 1943 nachgewiesene Esterweger Außenkommando Oldenburg in der Torfgewinnung tätig.

Es gab Akkordlohn, der nach Tarif auch freien Arbeitern zustand – mit dem Unterschied, dass die Bezahlung der Gefangenen ausschließlich der Kasse der Lagerverwaltung zugutekam.

Die Beschäftigung von Strafgefangenen in der Torfindustrie fand im Januar 1944 ihren Abschluss, als die Kommandos Sedelsberg und Vehnemoor vom Kommandeur der Emslandlager mit der Begründung eingestellt wurden, dass eine große Gruppe von Häftlingen zur „Frontbewährung“ geschickt werden sollte. Mehr zum Arbeitseinsatz von KZ-Häftlingen in der hiesigen Torfindustrie lesen Sie in der Donnerstagsausgabe.

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Klasmann-Deilmann | Erster Weltkrieg