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NWZonline.de Region Cloppenburg Wirtschaft

Fleischindustrie zahlt meist keinen Mindestlohn

03.12.2016

Cloppenburg Eigentlich gilt ein Mindestlohn von derzeit 8,75 Euro pro Stunde in der deutschen Fleischindustrie, doch viele Unternehmen umgehen diesen. Wie kreativ die Firmen dabei sind, legte eine Podiumsdiskussion im Dorfkrug des Museumsdorfs Cloppenburg den Zuhörern dar.

Schon seit Jahren minimieren immer mehr Betriebe der Fleischbranche ihre Kosten, indem sie einzelne Bereiche ihrer Unternehmen an externe Firmen auslagern. So passiert es, dass langjährige Arbeitskräfte durch „billigere“ ersetzt werden. Diese werden dann mit Leih- oder Werksverträgen ausgestattet. So locken Vermittler viele Ost- und Südeuropäer mit Versprechungen nach Deutschland und beuten sie dann aus, erklärten Matthias Brümmer, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) aus Oldenburg und die SPD-Langtagsabgeordnete Renate Geuter. Zwar gebe es einen Mindestlohn, doch dieser werde von vielen Unternehmern geschickt umgangen. So holen die Subunternehmen über das Arbeitsmaterial die durch den Mindestlohn erhöhten Personalkosten wieder rein. Zudem sprach Brümmer von Vorschusszahlungen, die vom Lohn abgezogen würden, obwohl es sie nie gegeben habe und von unbezahltem Urlaub. Strafzahlungen für Fleisch das auf den Boden fällt, die Unterschlagung von Arbeitszeiten sowie das nicht Bezahlen von Überstunden sei eine gängige Methode. Ein Problem, das auch Daniela Reim fast täglich zu hören bekommt. Sie arbeitet für die Beratungsstelle des Landes Niedersachsen für mobile Beschäftigte – also in der Regel für ausländische Werkvertragsarbeiter.

Die problematischen Arbeitsbedingungen seien schon lange bekannt, doch aufgrund des eigenen Personalmangels könne der Zoll dem nicht ausreichend nachgehen. 1500 Stellen fehlen der Behörde. Zudem seien ihr die Hände gebunden. Dadurch, dass Beträge vom Nettolohn abgezogen werden, hätte der Zoll keine Zuständigkeit mehr, so Brümmer.

„Es hat sich schon eine Menge verändert“, stellte der NGG-Geschäftsführer fest. Festanstellungen seien in einigen Betrieben wieder im Kommen. Geuter fordert zudem eine gesetzliche Quote von 90 Prozent Festangestellten bei zehn Prozent Werksarbeitern. „Sechs Cent pro Kilo mehr und wir hätten einen vernünftigen Stundenlohn von 15 Euro, bei einer 37 Stunden Woche“, lautet Brümmers einfaches Beispiel. „Das wäre, glaub ich, auch jeder Verbraucher bereit zu zahlen.“ Und Geuter fügte hinzu: „Wir sind längst noch nicht am Ende des Weges.“

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