• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Cloppenburg Wirtschaft

Bäcker fürchten Kassenbon-Müllberge

21.11.2019

Friesoythe /Garrel „So viel Müll“, stöhnt Silke Hermes, wenn sie an die Änderungen denkt, die das neue Jahr 2020 für sie mitbringen werden. Silke Hermes leitet die Filiale von Bäckerei Glup in Friesoythes Famila-Markt. Kunden wird sie dann nicht mehr fragen müssen, ob sie einen Kassenbon wünschen. Denn mit dem Jahreswechsel tritt im Zuge der Kassensicherungsverordnung eine Belegpflicht im Einzelhandel – also auch für Bäckereien – in Kraft. Nach jeder Bezahlung müssen Silke Hermes und ihre Mitarbeiterinnen immer den Kassenzettel ausdrucken.

Das Bundesfinanzministerium will damit Steuerhinterziehung eindämmen. Die Preise beim Bäcker liegen aber eher im Centbereich. Die meisten Kunden wünschen daher gar keinen Beleg. Was vorher total unkompliziert war, könnt nun einen enormen bürokratischen Aufwand und erhebliche Kosten für die Bäckereibetriebe nach sich ziehen. Somit wird neben viel Papiermüll ebenso viel Frust aufkommen.

„Ich kann diese Gesetzesänderung nicht nachvollziehen“, klagt Michael Glup, Geschäftsführer der gleichnamigen Bäckerei-Kette. Grob überschlagen, werde die Bonpflicht laut Glup die Bäckerei zusätzlich 5000 Euro jährlich kosten. „Dazu kommen unendliche Meter Bonrollen.“

Für den Glup-Geschäftsführer ist die Verordnung mehr als grenzwertig. Durch das Drucken der Kassenzettel auf Thermopapier können die Bons nicht normal im Papiermüll entsorgt werden. „Das passt erst recht nicht ins Thema Umweltschutz“, konstatiert Michael Glup. Auch steht der Stoff im Verdacht, gesundheitsgefährdend zu sein.

Alternativ können Kunden, die auf den Kassenzettel verzichten möchten, sich vom Anbieter den Bon per E-Mail schicken lassen. Dass das viele Kunden wünschen, sei mal dahingestellt.

Da auch viele weitere Bäcker nicht begeistert von der Änderung sind, startete deswegen eine Aktion in Niedersachsen, bei der 1,2 Millionen Brötchentüten mit der Aufschrift „Noch mehr Bürokratie kommt uns nicht in die Tüte“ über die Ladentheke gehen sollen.

Daran beteiligt sich auch die Filiale der Stadtbäckerei Frerker in Friesoythe. Man werde die speziell bedruckten Tüten an die Kunden ausgeben, bestätigte eine Unternehmenssprecherin auf Anfrage. An der Aktion nicht teilnehmen werden hingegen die Friesoyther Filialen der Bäckereien Musswessels und Burrichter.

Zusätzlich zu dieser Brötchentütenaktion haben niedersächsische Bäcker am Mittwoch beim Landtag in Hannover Politiker auf ihre Situation aufmerksam gemacht. Darunter war auch Bernhard Meyer, Inhaber der Bäckerei und Konditorei Behrens-Meyer in Garrel, die auch eine Filiale in Friesoythe betreibt. Er möchte sich mit dem Protest auch solidarisch mit den kleineren Bäckern zeigen, denen die bürokratischen Hürden schwerer zu schaffen machten als dem Großbäcker mit 82 Filialen im Oldenburger Land, Osnabrücker Land und in Bremen, betonte Meyer im NWZ-Gespräch.

Die Bonpflicht ab Januar beurteilt er als besonders „kontraproduktiv“ in Zeiten des zunehmenden Umweltbewusstseins. Das Ziel, nämlich die Steuerehrlichkeit zu erhöhen, weil keine Umsätze mehr am Finanzamt vorbeigehen, stünde „in keinem Verhältnis“ zum Aufwand. Diese neuerliche Vorgabe habe „nun das Fass zum Überlaufen gebracht“, so Meyer. Denn umfangreiche Dokumentationspflichten gebe es für die Bäcker bereits jetzt. „Und später wundern sich alle, wenn wir keine kleinen Bäcker mehr haben.“

Die Bonpflicht sieht auch Rita Overmeyer, Geschäftsführerin der Bäckerei Overmeyer in Steinfeld, kritisch. „Es werden Müllberge produziert und die schlecht kompostierbaren Bons belasten die Umwelt.“ Hinzu kämen zusätzliche Kosten für die Papierrollen. Viele Kunden wollten auch gar keine Bons.

Sie habe Verständnis für die vielen bürokratischen Kontrollen, schließlich wolle man saubere Betriebe und Sicherheit für die Kunden, sagte Overmeyer. Eine weitere und stärkere Flut an Bürokratie solle es aber nicht geben.

Niklas Grönitz Volontär, 2. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2003
Reiner Kramer stv. Redaktionsleitung Cloppenburg/Friesoythe / Redaktion Münsterland
Rufen Sie mich an:
04491 9988 2901
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.