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NWZonline.de Region Cloppenburg Wirtschaft

Bauarbeiter entdecken Brunnen

18.07.2019

Friesoythe Mehrere Jahrzehnte lang versorgten sich die Friesoyther mit Wasser aus diesem Brunnen. Bis 1959 war er noch in Betrieb. Dann geriet der Brunnen in Vergessenheit. Bis jetzt. Bei Erdarbeiten im Rahmen der Innenstadtsanierung stießen die Bauarbeiter vor der Marienkirche auf den noch sehr gut erhaltenen, mit roten Klinkersteinen gemauerten Brunnenschacht.

Die Heimatexperten Ferdinand Cloppenburg, Walter Beckmann und Wolfgang Letzel stellten den Fund am Mittwoch genauer vor. Alte Aufzeichnungen verraten, dass der Brunnen wohl Ende des 19. Jahrhunderts gebaut wurde, direkt an der Kirchhofsmauer, die damals noch die Kirche umgab. 1898 wurde die zum Brunnen gehörende Marktpumpe an die Soeste an der Wasserstraße verlegt. Über ein langes Rohr wurde das Wasser mit Muskelkraft angesaugt. 1958 musste die Pumpe dem Rathaus-Neubau Platz machen. Ein neuer Standort fand sich neben der heutigen Kneipe „Stadtmitte“. Später verschwand sie vollkommen aus dem Stadtbild, ehe 1984 ein Nachbau der Marktpumpe vor dem Rathaus Stadtmitte aufgestellt wurde.

Die Bauarbeiter stießen in rund anderthalb Meter Tiefe auf den Brunnenschacht. Ganz überraschend war das nicht. Wie Walter Beckmann mitteilte, habe man damit gerechnet, dass ungefähr an dieser Stelle der Brunnen zu finden sei. Ein Betondeckel, der mit Lehm auf den 1,50 Meter breiten Brunnenring geklebt wurde, schloss den Schacht ab. Gut sichtbar war das Rohr, das zur Pumpe führte. Auch Wasser stand im Brunnen. Beckmann hat alles genauestens dokumentiert und eingemessen. Da es sich nicht um einen archäologischen Fund handelt, wurde der Schacht mit Sand verfüllt und wird unter der neuen Straße wieder verschwinden.

Noch bis Ende der 1950er Jahre hinein hatte die Marktpumpe – und somit auch der Brunnen – eine wichtige Funktion. Leitungswasser, wie wir es heute kennen, gab es damals noch nicht. Zwar hatten die Haushalte eigene Brunnen auf dem Grundstück, doch das Grundwasser in Friesoythe ist extrem eisenhaltig und somit nur bedingt geeignet. Das Wasser aus der Marktpumpe hingegen war klar und genießbar, wie sich Wolfgang Letzel noch gut erinnern kann. Als Kind befüllte er gemeinsam mit seinem Vater und seinem Bruder zweimal in der Woche zwei große Kessel mit dem Wasser aus der Stadt. Warum das Wasser eine deutlich bessere Qualität hatte als ringsum, weiß Ferdinand Cloppenburg. „Der Kirchplatz ist die höchste Stelle im Stadtgebiet.“ Größere Eisenablagerungen gab es daher nicht. Das wiederum erklärt auch den ungewöhnlichen Standort des Brunnens.

Eine zentrale Wasserversorgung gibt es in Friesoythe übrigens erst seit Anfang der 1960er Jahre. Die umliegenden Ortschaften wurden sogar erst Jahre später mit Wasserleitungen erschlossen.

Die Erdarbeiten in der Ortsmitte haben auch noch etwas anderes zu Tage gebracht: das Fundament eines Gittermastes. Dieser fast zwölf Meter hohe Metallmast befand sich fast zentral auf der Kreuzung und diente damals der Stromversorgung, als eine Art Verteilstelle für die Freileitungen, die sich durch die Stadt zogen. Aufgestellt wurde der Mast wohl Ende der 1920er Jahre und wurde 1945 im Krieg zerstört.

Das weitere historische Funde im Rahmen der Stadtsanierung zum Vorschein kommen werden, erwartet Walter Beckmann nicht, aber „Überraschungen gibt es immer und wir freuen uns über jeden Fund“.

Carsten Bickschlag Redaktionsleitung Friesoythe / Redaktion Münsterland
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