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NWZonline.de Region Cloppenburg Wirtschaft

Die große Welt der kleinen Marken

17.04.2019

Garrel In Garrel an der Böseler Straße ist die ganze Welt zu Hause, allerdings im Miniaturformat. Heinrich Bohmann ist Briefmarkenauktionator, einer von etwa 50 in Deutschland. Vor vier Wochen fand eine Auktion statt. Jetzt ist Abwicklung angesagt. Im Angebot: Marken und Münzen aus vielen Ländern auf der ganzen Welt.

Wer bei der Auktion anwesend ist, kann die ersteigerten Briefmarken oder Münzen gleich mit nach Hause nehmen. Viele Käufer kommen nicht nach Garrel, sie geben im Vorfeld ein Angebot ab. „Die Kunden können den Wert gut einschätzen“, weiß Heinrich Bohmann. Oft böten sie zehn oder 20 Prozent mehr und erhielten den Zuschlag. Für die Käufer vielleicht noch ein Geschäft, sparen sie sich doch die Anreise oder sogar eine Hotelübernachtung.

Kataloge in viele Länder

Rechtzeitig vor der Auktion fährt ein Lkw eines Logistikunternehmens auf dem Hof Bohmann vor. Er wird mit 5000 Katalogen beladen, die werden in viele Länder auf der ganzen Welt verschickt. Der letzte Katalog für die Auktion im März hatte weit über 5000 Positionen und mancher Nummer wurden noch einer oder mehrere Buchstaben angehängt. Das Gros der Angebote liegt unter 100 Euro, vereinzelt aber auch über 1000 für Münzen und Uhren.

Heinrich Bohmann hat sein Hobby und seine Leidenschaft zum Beruf und Geschäft gemacht. Als Kind hat er die ersten Briefmarken gesammelt. Besonders freute er sich, wenn seine Tante einen Brief aus Brasilien schickte, wo die Ordensfrau als Krankenschwester arbeitete. Das war schon etwas Besonderes, eine Briefmarke aus Brasilien. Früher, erinnert sich Heinrich Bohmann, hat er alle Marken fein säuberlich ausgeschnitten. Das war ein Fehler. Die Sammler wollen heute die kompletten Briefumschläge mit Adresse, dem Stempel und der Briefmarke.

Wie bei allen Sammlern gibt es auch unter den Philatelisten ein „hätte“. Hätte man doch Anfang der 50er Jahre ein Set für vier D-Mark gekauft. Das ist heute 1000 Euro und mehr wert. Heinrich Bohmanns Ärger über verpasste Chancen hält sich in Grenzen, er ist Händler. Anfang der 70er Jahre fuhr er mit seiner Frau jedes Wochenende zu Tauschtagen und Verkaufsveranstaltungen, er war Käufer und Verkäufer. Ein aufwendiges Hobby und Geschäft für den früher selbstständigen Elektromeister.

Bis die Idee der Auktionen geboren wurde. Das war 1994. Mindestens einmal im Jahr treffen sich Interessierte in Garrel, mehr ist nicht zu schaffen. Zu den etwa 50 Anwesenden kommen zahlreiche Bieter, die ihr Angebot vorher schriftlich abgegeben haben, darunter Chinesen und Russen. Gibt es bei der Auktion kein höheres Angebot, fällt der Hammer für ein schriftliches Angebot. Unter den Hammer kommt auch schon mal eine Marke, ein Set oder ein Brief aus dem eigenen Bestand. Den will Bohmann abbauen.

Vor der Auktion werden die Briefmarken und die Münzen sortiert. Der Auktionator spricht von Ware, die er von Händlern und Sammlern erhält. Immer häufiger werden Erben bei ihm vorstellig. Wenn zum Nachlass eines Verstorbenen eine Briefmarken- oder Münzsammlung gehört, dann landet sie oft in Garrel. Allerdings hat Heinrich Bohmann bei den erwartungsvollen Erben auch schon mal lange Gesichter gesehen, wenn der Erlös nicht die insgeheim erhoffte Höhe erreicht. Nicht in jedem Album verbirgt sich ein Schatz.

Nachwuchs fehlt

Was bringt die Zukunft? „Junge Menschen sammeln keine Briefmarken mehr, der Nachwuchs fehlt“, weiß Heinrich Bohmann. Örtliche Vereine haben ihre Treffen eingestellt. Was bleibt, sind die Käufer, die das eine oder andere Geschäft in Garrel wittern, oder Sammler, die ihre Bestände ergänzen wollen. Mindestens zweimal haben sie die Gelegenheit noch in Garrel. Solange will der 78-Jährige auf jeden Fall weitermachen. Frau und Kinder haben Unterstützung versprochen. Bei Auktionen sind alle eingespannt.

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