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NWZonline.de Region Cloppenburg Wirtschaft

Honig mit ganz viel Bienenliebe gemacht

17.07.2018

Garthe /Cloppenburg Als Manfred Beck (71) den Deckel zu seinem Bienenvolk öffnet, schwirren plötzlich Hunderte Bienen um ihn herum. Der Hobbyimker kontrolliert die Waben, um zu schauen, wie es seinen Tieren geht. Heute seien sie recht angriffslustig, stellt seine Frau Hannelore (69) fest: „An manchen Tagen sind sie nicht so gut drauf. Es könnte auch ein Gewitter aufziehen.“ Das Ehepaar aus Garthe (Gemeinde Emstek) kennt seine Bienen schon gut.

Seit 22 Jahren sind die beiden Hobbyimker – seit sie aus dem nordrhein-westfälischen Solingen nach Garthe gekommen sind. Honig stand bei dieser Idee gar nicht im Mittelpunkt. Denn hinterm Haus bewirtschaften die Becks einen etwa 4000 Quadratmeter großen Garten, aus dem sie sich auch hauptsächlich ernähren. „Wir wollen wissen, was wir essen“, sei das Motto der Selbstversorger, erklärt der 71-Jährige. Im Garten gibt es Gemüse, Kräuter und Obst; auch Hühner, Kaninchen, Enten und eine Gans leben auf dem Hof. Die Bienen, sie sollten die Pflanzen befruchten, um größere Erträge zu erzielen.

Viel Pflege notwendig

So haben auch neun Bienenvölker à 40 bis 60 000 Bienen hier ihr Zuhause. Etwa 40 Kilogramm Honig konnten die Becks in diesem Jahr ernten. Bis es aber soweit ist, ist in der Zeit von April bis Dezember viel Arbeit und Pflege notwendig.

„Ab April/Mai müssen wir alle sieben bis zehn Tage die Bienenvölker durchgucken“, beginnt Hannelore Beck zu erklären. Dabei müssten sie sowohl auf die Drohnen, die männlichen Bienen, achten als auch auf Weiselzellen, in der eine neue Königin säße. Beides bedrohe das Bienenvolk und müsse entfernt werden: Die Drohnen würden von Schädlingen befallen, und die neuen Königinnen könnten die alte Königin samt Bienenvolk davonjagen. Abhängig vom Wetter könne im Juni und Juli geerntet werden. Zwei Tage dauere es, um die Waben zu entleeren.

Das wird im Haus gemacht: In einem großen Bottich wird der Honig aus den Waben geschleudert. Jetzt muss er für ein paar Tage gerührt werden, damit er schön cremig wird. Schmecken tut er jedenfalls schon, der Sommertracht-Honig. „Man muss viel Zeit reinstecken“, betont Hannelore Beck, die in den kommenden Tagen den Honig in Gläser abfüllt und diese etikettiert.

Der größte Teil der Honigherstellung ist also schon erledigt. Ab August fangen die Becks an, ihre Bienenvölker von Schädlingen und Krankheitserregern zu befreien; üblicherweise geschehe das zweimal vor dem Winter. Nach der Einfütterung mit Zuckersirup ist Ruhe im Karton. Die Bienen überwintern.

Gegen Insektensterben

Neben Stammkunden und dem „Türverkauf“, wie sie es nennen, geht der Honig immer auf dem Weihnachtsmarkt über die Ladentheke. Das organisiert jedes Jahr der Imkerverein Cloppenburg, in dem die Becks Mitglied sind.

Die Arbeit und Pflege der Bienen lohnt sich für das Paar aber nicht nur wegen des Honigs oder der Bestäubung ihrer Obstbäume und Gemüsepflanzen. „Es geht uns auch um die Bienen selbst. Wir wollen etwas gegen das Bienen- und Insektensterben tun“, sagt Manfred Beck. In den vergangenen Jahren haben die Hobbyimker dieses Problem verstärkt wahrgenommen. Ursachen seien ihrer Meinung nach die Monokulturen und die Spritzmittel, die auf den Feldern zur Unkrautvernichtung verwendet werden. Besonders der Befall von Bienenvölkern mit Krankheitserregern und Milben habe zugenommen. „Die Tiere sind generell anfälliger“, meint Hannelore Beck. Mittlerweile sterbe ein Drittel ihrer Bienen im Winter. Aber zurzeit gehe es den Tieren gut. Freuen tut es Manfred Beck, dass es immer mehr Imker gebe: „Vor allem in den Städten nimmt das zu.“ Über die Imkerei hinaus ist der 71-Jährige im Auftrag des Landkreises Cloppenburg ehrenamtlich als Berater im Bienen-, Hornissen- und Wespenschutz für den Bereich Cloppenburg zuständig.

Bienen geschlüpft

2000 Eier lege die Bienenkönigin am Tag. An der Wabe, die Manfred Beck aus dem Bienenstock herausgeholt hat, zeigt er, wo die Tiere brüten. Tatsächlich schlüpfen in diesem Moment einige Bienen. „Ach“, freut sich seine Frau, „das sieht man wirklich selten“. Diese jungen Bienen würden zunächst im Bienenstock arbeiten, während die Flugbienen den Nektar ranschafften, erklärt sie. Das beobachtet die 69-Jährige immer mit Vergnügen: „Die Bienen tragen dann Pollenhöschen. Das nennt man so, weil die Pollen an ihren Hinterbeinen kleben.“ Sechs bis acht Wochen leben die Bienen.

Tiere bei Umzug dabei

Passiert sei bei der Arbeit mit den Tieren noch nichts. „Es macht uns einfach Spaß“, sagen beide. Für sie liege der Wert der Imkerei nicht beim Honig, sondern bei der Bienenerhaltung und der Befruchtung ihrer Gemüsepflanzen. Den Garten wollen sie nun aber aufgeben und woanders hinziehen. Die Pflege des Hofes koste den Rentnern mittlerweile zu viel Kraft. Sie wollen etwas Kleineres, aber die Bienen? „Die wollen wir mitnehmen, wenn es geht“, so der Plan des Imkerpaares.

Nina Janssen
Volontärin, 2. Ausbildungsjahr
NWZ-Redaktion
Tel:
0441 9988 2003

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