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NWZonline.de Region Cloppenburg Wirtschaft

„Will in Menschen investieren“

15.02.2020

Hemmelte Gerhard Taphorn – oder „Gerd“ Taphorn wie es über seiner Klingel steht – ist ein ruhiger Mensch. Mit Respekt spricht er vom Wald, in dem er sich schon als Kind zu Hause gefühlt hat. Erzählt vom Baum, der noch gefällt werden muss, und dessen Höhe man mit einem gleichschenkligen Dreieck einfach berechnen könne.

Aber einen Punkt gab es, an dem er sich geärgert hat. Immer dann nämlich, wenn im Fernsehen darüber berichtet wurde, dass Pflegekräfte zu wenig Zeit haben, sich um bettlägerige Kranke in deren eigenen vier Wänden zu kümmern.

„Die sind im Nachteil“, habe er immer wieder empfunden. „Nicht die Menschen im Heim, sondern die, die zu Hause jemanden brauchen.“ Zusammen mit seiner inzwischen verstorbenen Ehefrau Walburga hat er daher die nach dem Ehepaar benannte Stiftung unter dem Dach der Caritas in Vechta gegründet. „Projekt Zeitspende“ steht auf dem Flyer der „Caritas-Stiftung Eheleute Taphorn“, die in diesen Tagen ihr Zehnjähriges feiert.

Vom Leben beschenkt und gleichzeitig mit der Gabe des Haushaltens und Wirtschaftens ausgestattet, konnte und kann der gebürtige Hemmelter auch das für Stiftungen belastende derzeitige Zins-Tief ausgleichen. Rund 250 000 Euro sind es, die durch Kapital-Erträge, aber weit mehr durch zusätzliche private Spenden inzwischen der Altenpflege im Oldenburger Land zu Gute gekommen sind.

„Ich will, dass durch die Stiftung etwas passiert“, beschreibt der Landwirtschaftsmeister und passionierte Jäger das Ziel, das er anvisiert. Die Stiftung solle nicht vor sich hin dümpeln.

Mit welcher Präzision der 92-Jährige auch heute noch sein Engagement betreibt, zeigt eine Satzungsänderung, die ihm inzwischen wichtig war. Eigens aufgenommen wurde der Passus, dass auch in zehn oder 50 oder 100 Jahren die Stiftungserlöse niemals für Bauzwecke verwendet werden dürfen. „Dafür ist genug Geld da“, ist Taphorn überzeugt. Über das Fernsehen verfolge er, was in der Region und in der Welt vor sich gehe.

„Ich will, dass das Geld in Menschen investiert wird“, lautet sein Standpunkt. Auch wolle er sich nicht verzetteln und sich etwa zusätzlich für Kinder oder Jugendliche stark machen – so ehrenwert das selbstverständlich sei. Nein, dass eine Fachkraft beispielsweise einmal eigens zu einer alten Frau fahren könne, wenn eine der katholischen Sozialstationen dort Gesprächsbedarf sehe. Oder jemand nicht mehr alleine zum Grab seiner verstorbenen Frau käme. Dinge, die jedoch von keiner Krankenkasse bezahlt würden.

Auch die Ausbildung von Sterbebegleitern unter dem Dach des Lastruper Elisabeth-Stiftes sei etwas, das der Verbesserung der Lebensqualität alter Menschen diene und somit unter den Stiftungszweck falle. Und dann zeigt sich, dass jemand auch mit 92 Jahren auf Nöte der Zeit regiert: Geplant ist eine Tagung, wie die Pflege alter Menschen zu Hause, aber auch in stationären Einrichtungen weiterentwickelt werden kann.

Taphorns Resümee nach zehn Jahren Stiftungsarbeit: „Ich bin zufrieden. Das bringt Abwechslung in mein Leben.“ In alte Menschen und ihre Lebensqualität investieren zu können, verschaffe ihm eine tiefe innere Befriedigung. Schließlich wolle er das Geld nicht auf der Bank anhäufen, sagt er.

Weitere Infos zum Thema Stiftung: Landes-Caritasverband, Hubertus Aumann, Telefon   0 44 41/ 87 07-618, E-Mail Aumann@lcv-oldenburg.de

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