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NWZonline.de Region Cloppenburg Wirtschaft

Kammer sieht Putenmäster in ihrer Existenz bedroht

25.03.2017

Garrel /Bösel Zwei neue Geflügelpestfälle meldete der Landkreis Cloppenburg am Freitagmorgen: In zwei Beständen mit 65 000 und 21 500 Puten wurde der Erreger vom Typ H5 seitens des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in Oldenburg bestätigt. Die Tiere wurden getötet und beseitigt. Das abschließende Prüfergebnis des Friedrich-Loeffler-Instituts steht noch aus. Das hatte bereits am Donnerstag den Verdacht in einem Garreler Betrieb mit mittlerweile getöteten 14 600 Tieren bestätigt.

 Meyer weist zurück

Unterdessen hat Agrarminister Christian Meyer (Grüne) in Bezug auf das von ihm ausgesprochene Verbot der Tötung von Puten im Umfeld eines Ausbruchsbetriebs Anfang April zurückgewiesen, dass das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) oder der Bund generell oder in diesem konkreten Fall eine Empfehlung zu sogenannten Umgebungstötungen gegeben habe. Im Gegenteil werde die Tötung nachweisbar gesunder Tiere und von Umgebungstötungen vom FLI abgelehnt, teilte Pressesprecher Klaus Jongebloed gegenüber der NWZ mit. Im konkreten Fall habe überdies ein amtliches negatives Probenergebnis vorgelegen. Es hätte sich also nicht um eine Verdachtstötung, sondern um die Tötung zu diesem Zeitpunkt nachweisbar gesunder Tiere gehandelt – „aus Tierschutz- und Tierseuchengründen nicht zu vertreten“. Das Ministerium habe angeordnet, den entsprechenden Stall eng zu überwachen und zu beobachten.

Landwirtschaftsminister Meyer: „Man darf nicht per se zur Maßnahme des präventiven Tötens ohne Rücksicht auf den Tierschutz greifen. Im Zweifel haben der Tierschutz und das Leben der Tiere Vorrang. Hinzu kommen in diesem speziellen Fall in Garrel zwei Dinge: Es gab keine weiteren Kontaktbetriebe zum Stall und es waren zum Zeitpunkt der Entscheidungen keine klinischen Auffälligkeiten zu beobachten, die Proben waren allesamt negativ. Dann trotzdem zu töten, wird von uns abgelehnt. Vielmehr ist die Biosicherheit der Putenställe gemäß dem aktuellen FLI-Untersuchungsbericht zu verbessern. Präventive Tötungen ersetzen nicht die Einhaltung der Bestimmungen zur Biosicherheit.“

 Heidemark: Viel Glück

Der grassierende Seuchenzug hat mittlerweile auch deutliche wirtschaftliche Auswirkungen: Die führenden Marktbeobachter von MEG (Marktinfo Eier & Geflügel) aus Bonn sahen jüngst keine Verknappung des Angebotes an Putenfleisch voraus. „Einen Tag später hätte ich das anders beurteilt“, meint im Rückblick die MEG-Autorin Margit M. Beck. Vor allen Dingen das vom Landkreis verhängte Verbot der Wiedereinstallung führe zu einer anderen Einschätzung.

Heidemark (Garrel/Ahlhorn), der größte Puten-Vermarkter Europas, sieht für sich jedoch kaum Auswirkungen auf das Fleisch-Angebot: 16,5 Millionen Puten würden verarbeitet, meint Pressesprecher Albert Focke im Gespräch mit der NWZ. „Mit viel Glück sind wir durchs Virus-Tal gekommen“ – bislang. Rund 160 000 getötete Puten in den Heidemark-Ställen seien zwar zu bedauern, aber letztlich nur ein kleiner Anteil. Die Elterntiere seien in kleinen Einheiten erfasst, die Biosicherheitsmaßnahmen hochgefahren worden.

Aber die für Heidemark arbeitende Brüterei Thole in Bösel musste wie jetzt Putenvermehrer Moorgut Kartzfehn im Sperrbezirk besondere Maßnahmen hochfahren. „Unsere Küken konnten immer ausgeliefert werden“, so t Focke. Eine zweite Brüterei – die Thole GmbH im westfälischen Steinhagen – sei vorhanden.

Wesentlicher sind die Leerstände der Mastställe. Nach der Mast von 15 (Hennen) beziehungsweise 20 Wochen (Hähne) dürfen seit Wochen schon keine Küken mehr eingestallt werden. Diese Frist verlängert sich durch den aktuellen Fall in Garrel bis eine Woche nach Ostern.

 Nachbarn getroffen

Silke Schierhold, Geflügelberaterin der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, meint: „Leiden werden die Nachbarn der (von der Vogelgrippe) betroffenen Betriebe.“ Denn häufig greife dort nicht die Ertragsausfall-Versicherung. Sie glaubt, dass einige Mäster aufgeben müssten.

Die deutschen Verbraucher werden wohl trotzdem nicht auf Putenfleisch verzichten müssen. Zu erwarten ist, dass die Lücke durch die ohnehin starken Importe ausgeglichen wird, besonders aus Polen.

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