• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Cloppenburg Wirtschaft

Kapazität reicht im Seuchenfall nicht aus

27.08.2019

Kampe Die deutschen Bauern haben ihre Schweineställe fast verbarrikadiert. Hygienische Vorschriften werden penibel beachtet. Daher rechnen selbst skeptische Tierärzte nicht mit einem Fall von Afrikanischer Schweinepest (ASP) in Nutztierbeständen. Aber was, wenn doch? Reichen dann die Kapazitäten in der Oldenburger Fleischmehlfabrik in Kampe (OFK) aus?

Die ASP, die für den Menschen ungefährlich, für die Tiere aber tödlich ist, breitet sich weiter aus. In China sind mittlerweile 150 Millionen Schweine gekeult worden. Europaweit sind in diesem Jahr schon mehr als 500 000 Schweine der Tierseuche zum Opfer gefallen, allein 378 400 davon in Rumänien.

„Wir sitzen nach wie vor auf einem Pulverfass“, sagt Dr. Albert Hortmann-Scholten, Marktexperte der Landwirtschaftskammer. Deutschland ist das Land in der EU mit dem höchsten Schweinebestand. In Deutschland werden nach wie vor deutlich mehr als 50 Millionen Schweine geschlachtet.

Die OFK hat Kapazitäten von 1000 Tonnen am Tag. Im Einzugsgebiet gibt es rund zehn Millionen gemästete Schweine, vor allem in den Kreisen Cloppenburg, Vechta und Oldenburg. Allein im Kreis Cloppenburg werden in Garrel, Emstek, Cloppenburg und Essen Jahr für Jahr rund zehn Millionen Schweine geschlachtet.

„Die Verarbeitungskapazität ist derart groß, dass es selbst in dem Falle, dass eine große Seuchenepidemie auftritt, eine reibungslose Beseitigung der Tierkörper gewährleistet werden kann“, hieß es kurz nach der Eröffnung der Anlage in Kampe vor 50 Jahren. Aber: „Heute ist das aber nicht mehr so“, sagt Thomas Groß, seit 20 Jahren Geschäftsführer in Kampe. Zumeist sei die Anlage in Kampe schon jetzt gut ausgelastet.

Jubiläum

Seit 50 Jahren hat die Oldenburger Fleischmehlfabrik (OFK) ihren Sitz in Kampe. Die Fabrik ist zuständig für die Tierkörperbeseitigung in der Region. Die größte Tierkörperbeseitigungsanlage der Republik mit rund 130 Mitarbeitern kann täglich bis zu 1000 Tonnen verarbeiten.

Drei Tage  feiert die OFK ihr 50-jähriges Bestehen. Am Freitag, 20. September, gibt es einen Festakt mit Eigentümern, Behörden, Landvolk und weiteren geladenen Gästen. Der 21. September steht im Zeichen der Mitarbeiter. Am Sonntag, 22. September, 11 bis 18 Uhr, ist auf dem Gelände an der Straße „Zur Fleischmehlfabrik“ ein „Tag der offenen Tür“ mit Betriebsbesichtigungen, Gewerbeschau, Bühnenshow geplant.

Die OFK gehört der TKB Beteiligungs GmbH; die wiederum einem Zusammenschluss (Zweckverband) aus zwölf Landkreisen und kreisfreien Städten des Oldenburger Landes und Ostfrieslands gehört: Ammerland, Aurich, Cloppenburg, Friesland, Leer, Oldenburg, Vechta, Wesermarsch, Wittmund, Emden, Oldenburg, Wilhelmshaven.

Ob die Kapazitäten für den Fall eines ASP-Ausbruchs reichen, könne er nicht abschließend beurteilen. „Das hängt von vielen Eventualitäten ab.“ Unabhängig davon, ob von ASP befallene Schweine oder Wildschweine beseitigt werden müssen, könnte sich eine zu entsorgende Menge an Schlachtrest-Rohstoffen deutlich erhöhen. Heute ist Kampe zu zwei Drittel mit Schlachtabfällen ausgelastet. Im ASP-Fall wird es wohl keine Abnehmerländer für das so genannte „fünfte Viertel“ eines Schweines geben: Ohren, Schwänze, Pfoten, der Kopf und die Füße werden heute vor allem nach China exportiert.

Im ASP-Fall gäbe es diese Exporte nicht mehr und auch dieses Material müsste in Betriebe wie die OFK geliefert werden. „Allein die Knochen würden große Teile der freien Kapazitäten beanspruchen“, sagt Groß. Und – das käme erschwerend hinzu – für die Kamper Produkte wie Fette, Borsten- und Fleischmehl wird es dann eventuell auch keine Abnehmer mehr geben. „Wir könnten dann unter Umständen nicht mehr nach Ostasien exportieren“, so der Geschäftsführer.

Ähnlich sieht das auch Hermann Seelhorst, Veterinär beim Landkreis Cloppenburg. „Im ASP-Fall könnte es Kapazitätsprobleme geben, weil halt mehr Material von den Schlachthöfen kommen würde und bei Exportsperren für tierische Nebenprodukte weniger Material abgegeben werden könnte.“

Und im Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in Oldenburg (LAVES) sieht Abteilungsleiterin Dr. Martina Mahnken den „Worst Case“ auf alle Tierkörperbeseitigungsanlagen zukommen. Die Kapazitäten würden im Seuchenfall nicht reichen.

Der Kamper Geschäftsführer Thomas Groß hält sich mit der Beurteilung zurück, doch nach realistischer Abschätzung der Lage wird beim Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland schnell klar: Dann reichen die Kapazitäten längst nicht aus. Der Landkreis Emsland zum Beispiel hat Wasenplätze – angeblich zwischen Sögel und Papenburg – ausgewiesen. Hier sollen im Fall der Afrikanischen Schweinepest die Tierkörper vergraben werden. Solche Pläne waren schon einmal für den Kreis Cloppenburg angedacht.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.