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NWZonline.de Region Cloppenburg Wirtschaft

Eierverkauf geht automatisch weiter

05.08.2017

Kampe /Friesoythe Fünf Euro für ganze 30 Stück, 1,50 Euro für die typische 10er-Packung. Doch die Eier-Regale im Frischeautomat der Familie Ostermann in Kampe müssen zur Zeit immer öfter nachgefüllt werden. Der Grund liegt auf der Hand. Wenn sogar der erfolgreichste Discounter-Konzern der Welt, Aldi, seine Eier aus dem Sortiment nimmt, läuft irgendetwas gehörig schief bei der Massenproduktion des wichtigen Grundnahrungsmittels. Der Fipronil-Skandal hat zugeschlagen – und davon profitieren die Landwirte vor Ort.

„Wir haben das Mittel noch nie verwendet und haben es auch nicht vor. Diese Antwort musste ich in den letzten Tagen schon vielen besorgten Kunden geben, die auf Märkten und zwischendurch Eier von uns kaufen wollten. Vorher wusste ich gar nicht genau, was Fipronil eigentlich ist“, sagt Stefan Ostermann, Junior-Chef des Unternehmens, der für die Produktion und Ausfuhr der Eier aus Kampe zuständig ist.

Auf dem Hof der Ostermanns leben zur Zeit 7000 Hühner, die ungefähr gleich viele Eier am Tag produzieren. Diese werden auf Märkten und auf Zuruf verkauft. Die Hühner leben in Bodenhaltung und haben, so Ostermann, mehr Platz als in den Richtlinien vorgeschrieben. „Wir fahren mit unserem Eier-Mobil durch Friesoythe und Friedrichsfehn und auch nach Oldenburg. Wir verkaufen nicht nur auf Märkten, sondern auch an Straßen- und an Nachbarschaftsgemeinschaften“, so Ostermann. Dazu kommt der Frischeautomat in Kampe, der 24 Stunden erreichbar ist und mit Erdbeeren und Eiern gefüllt ist. „Der derzeitige Skandal ist eigentlich recht gut für unsere Produktion. Die Menschen achten nochmehr darauf, direkt vom Erzeuger zu kaufen. Den Automaten müssen wir täglich gleich mehrmals auffüllen“, sagt Senior-Chef Ludger Ostermann.

Das sagt die Kreisverwaltung

Bislang sind noch keine betroffenen Eier im Landkreis Cloppenburg festgestellt worden. Das teilte Frank Beumker, Pressesprecher des Landkreises, auf Nachfrage derNWZ mit.

Ebenfalls sind der Kreisverwaltung auch noch keine Verdachtsfälle bekannt. Dazu liegt auch noch keine Selbstanzeige von einem Betroffenen vor.

Der Landkreis Cloppenburg ist vom Land Niedersachsen aber dazu angewiesen worden, Eierpackstellen zu beproben. In diesen Packstellen werden Eier in verkaufsfähige Packungen sortiert und dort auch mit der Prüfnummer bedruckt.

Fipronil ist ein Kontaktgift, das gegen Hautparasiten wie Läuse, Milben und Flöhe wirkt. Für Hühnerhalter ist oft ein Plagegeist entscheidend: die Rote Vogelmilbe, umgangssprachlich auch Blutlaus genannt. In Belgien soll dem eigentlichen Fipronil das Desinfektionsmittel Dega-16 beigemischt worden sein, welches in der Geflügelzucht verboten ist. Fipronil kann Reizungen, Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen verursachen.

Für seine Markttour am Freitag plante Sohn Stefan extra mehr Zeit ein. „Die Kunden fragen immer häufiger und detaillierter nach, wie die Hühner gehalten werden und ob Mittel wie Fipronil bei uns angewendet werden. Das verlängert natürlich auch unsere Touren“, so Ostermann, der im 14-Tage- Rhythmus montags bis freitags mit dem Auto unterwegs ist.

Dass die Friesoyther aber weiterhin Eier im Supermarkt kaufen, zeigte sich am Freitag. Während am Eierwagen auf dem Wochenmarkt am Europaplatz kaum Kundschaft zu sehen ist, kommen aus dem naheliegenden Supermarkt viele Kunden mit Eiern im Einkaufswagen. „Das ist absolute Panikmache“, sagt Maria Deeken aus Petersdorf zum Fipronil-Thema. „Ich achte immer auf Freilandhaltung, da bin ich auf der sicheren Seite. Bei der Auswahl achte ich schon auf die Herkunft“, sagt ein anderer Kunde.


Ein Spezial zum Thema unter   www.nwzonline.de/fipronil 
Heiner Elsen Friesoythe / Redaktion Münsterland
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