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NWZonline.de Region Cloppenburg Wirtschaft

Geflügelzucht: Wenn Hähne begehrter als Hennen sind

10.07.2019

Kartzfehn Die Sorgen der deutschen Ernährungsindustrie sind vielfältig. Das reicht von Benachteiligungen im Baurecht, in den Besatzzahlen und schließlich bis zu den Absatzmärkten. Die Rolle der Putenerzeugung und -vermarktung im Geflügelgeflecht war Thema eines Besuchs der Bundestagsabgeordneten Silvia Breher (CDU) in Kartzfehn, die nicht allein durch ihre frühere Tätigkeit als Geschäftsführerin des Kreislandvolkverbandes Vechta auch fachlich durch Neuigkeiten die Gespräche fundiert begleitete.

Mit dabei waren auch Thomas Storck (Garrel), der Chef des Verbandes Deutscher Putenerzeuger (VDP) und Vizepräsidenten des Deutschen Geflügelwirtschaftsverbands, und Gernot Kuhlmann (Dötlingen), im engeren Vorstand des VDP. Gräfin Bettina von Spee, die neue Vertreterin von Storck, kam nicht, sie befand sich gerade in Preisverhandlungen mit dem Putenschlachtriesen Sprehe.

Das Moorgut Kartzfehn stellte Geschäftsführer Heinz Bosse als vielfältiges Unternehmen in der Ebene zwischen Zucht und Mast vor. Die Elterntiere werden als Bruteier von Aviagen Turkeys, einer Wesjohann-Tochter, gekauft. Die Kartzfehner halten auf eigenen Farmen an der Nordseeküste (vor allem in Dornum), in Stade, in Gühlen-Glienicke und im Spreewald 330 000 Elterntiere. Diese erzeugen rund 36 Millionen Bruteier. Zwei Drittel davon werden als Puteneintagsküken verkauft. Die Hälfte davon bleibt in Deutschland, exportiert wird nach Polen, Tschechien oder in die Ukraine.

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Bei der Besichtigung der Brüterei wurden die hygienischen Vorschriften deutlich. Die Besuchergruppe kam erst nach einer Dusche ins Eierlager. Hier werden die Puten-eier genau gekennzeichnet, Legedatum und der genaue Stall werden per Hand aufgeschrieben.

Nur Puteneier der Kartzfehner Elterntierställe würden ausgebrütet werden, erläuterte Dr. Johannes Aka, für die Brüterei und fürs Veterinärwesen in Kartzfehn zuständig. 16 Grad Lufttemperatur und 70 bis 80 Prozent Feuchtigkeit werden gemessen. Optimal ist es, wenn die Eier am fünften Tag nach dem Legen in die Brutmaschinen eingelegt werden. 22 Tage bleiben sie dort, dann kommen sie – gewendet – in den Schlupfraum. 96 Prozent sind befruchtet. Nach 28 Tagen schlüpfen die Küken. Sie werden gesext. Das heißt sie werden nach Geschlechtern getrennt.

Schon gab es das erste Problem. Die Putenhähne sind begehrter als die Hennen, die mit elf Kilogramm nur halb so schwer werden. In Deutschland werden 50 Millionen Hähne, aber nur zehn Millionen Hennen gemästet. Zudem werden die Hähne 21 und damit fünf Wochen länger gemästet als die Hennen. Noch wird das ausgeglichen, weil die Polen vor allem die Hennen mästen. Die weiblichen Küken werden aber auch durch die Brütereien „subventioniert“. Sie kosten nur ein Drittel des Preises des männlichen Tieres. Eine forcierte Vermarktung weiblicher Puten wird überlegt.

Immissions-Vorschriften schreiben für die Tierhalter die gleiche Betriebsfläche für beide Geschlechter vor. In der Baurechts-Novelle will Silvia Breher auch das ansprechen. Zielkonflikte zwischen den Ministerien – hier das für Umwelt, dort das Agrarressort – wurden deutlich. „Deutschland hat so hohe Auflagen wie kein anderes Land mit nennenswerter Putenerzeugung“, meinte Heinz Bosse. „Wir wollen ja den Wettbewerb – aber zu gleichen Bedingungen“, ergänzte Thomas Storck.

Die Diskussion ums Tierwohl ließ dann auch CDU-Kontroversen erkennen. Ein verpflichtendes Label fordern die Agrarindustrie und auch Breher. „Wir müssen das jetzt so gestalten, dass daraus Pflicht werden kann“, meinte sie. CDU-Ministerin Klöckner kämpft für die freiwillige Kennzeichnung. Dieses sei „überflüssig“, meinte Breher. „Aber Julia Klöckner hört in diesem Punkt nicht auf mich“. Natürlich spielte auch die Dünger-Verordnung eine Rolle. Die Novelle sei, befand Breher, „megaschlecht verkauft worden“. „Gülle ist nicht das Problem – die Düngung ist das“. Ziel sei, so befürchtet Thomas Storck, „die Tierbestände zu minimieren“.

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