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NWZonline.de Region Cloppenburg Wirtschaft

Nachruf: Nach Flucht in Kartzfehn neue Heimat gefunden

11.07.2019

Kartzfehn Als am Dienstag im Moorgut Kartzfehn, dem heutigen größten deutschen Putenvermehrungsbetrieb, die Nachricht vom Tod des Hauptgesellschafters Peter von Kameke (81) die Runde machte, konnte man in viele traurige Gesichter blicken.

Man muss schon ein paar Jahrzehnte zurückblättern, um die Stationen des Unternehmers und sein Wirken zu verstehen. Am 26. Februar 1945 – vor fast 75 Jahren – begann in Streckenthin in Hinterpommern ein besonderer Flüchtlingstreck. Sein Ziel: Kartzfehn.

Die Familie von Kameke besaß südlich von Köslin und Kolberg nicht nur eine Mühle, ein Sägewerk und ein Elektrizitätswerk, sondern auch 5850 Hektar bewirtschaftete Flächen. „Der halbe Kreis Köslin gehört den von Kamekes“, hieß es damals. Solche Großgrundbesitzer waren nicht besonders wohlgelitten und die ersten bitterbösen Nachrichten erreichten schon 1944 die Familie von Kameke, darunter auch den jungen gerade sieben Jahre alten Peter. Für die Familie war es eine schwere Entscheidung, alles aufzugeben.

60 bis 70 Familien, gut 50 Gespanne, 45 Pferde und drei Ochsen machten sich auf den beschwerlichen fast tausend Kilometer langen Weg ins fremde Oldenburger Land. Allen war eine genaue Route mitgegeben worden. Peter von Kameke erinnerte sich in einem Gespräch: „Ich weiß noch, dass wir nie schlafen konnten.“ Vor dem Treck marschierten Polen, plünderten die Dörfer und hinterließen nichts. Fast jeden Tag habe es Schwarzbrot mit Sirup gegeben.

Am 6. April 1945 ging es nach Kartzfehn – quer durchs Vehnemoor. „Müssen wir jetzt Torf essen?“, fragte einer der Flüchtlinge. Sie erlebten, wie gut vier Wochen später der fürchterlichste aller Kriege beendet war.

Sie alle mussten kein Torf essen. Schon 1921 hatte Kartz von Kameke das Moorgut Kartzfehn gekauft, weil Fachleute damals der Ansicht waren, dass sich Moorböden besonders für den Kartoffelbau eignen würden. Es erwies sich jedoch später als ungeeignet für den Wiederaufbau der Saatzucht. Auch Holländer hatten sich um die 750 Hektar beworben.

Ab 1922 waren die Flächen – größtenteils Moorlandschaft – unter der Leitung von Hans-Rolf von Kameke urbar gemacht worden. Tabakanbau wurde etabliert; 1954 wurden der Gärtnereibetrieb der Klattenberg-Kulturen gegründet. 1957 gelang der Einstieg in die Putenzucht, damals in Deutschland einzigartig.

Peter von Kameke, der älteste Sohn von Dobimar von Kameke, war als studierte Agrar-Ingenieur viele Jahre im Entwicklungsdienst in Jordanien tätig. Seit 1970, nach dem Tod seines Onkels Hans Rolf von Kameke, engagierte er sich in den Kartzfehner Betrieben.

Aber auch darüber hinaus brachte sich der passionierte Jäger und Rotarier in der Gesellschaft ein. Zum Beispiel bei Borsla, der Böseler Vereinigung für niederdeutsche Sprache, im Handels- und Gewerbeverein Bösel, besonders aber in der evangelisch-lutherischen Kirche in Bösel, und auch im Tennis- und Tischtennissport war Peter von Kamekes Rat stets gefragt und wurde auch gern befolgt.

Der Verstorbene hinterlässt Frau und drei Kinder.


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