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NWZonline.de Region Cloppenburg Wirtschaft

Blinde Und Sehbehinderte: Keine Liebe auf den ersten Blick

17.02.2011

FRIESOYTHE „Wir verschwenden nicht so viel Zeit fürs Sehen.“ Das sagt Juliane Theisen und lacht. Sie ist blind. Hadern tut sie deshalb mit ihrem Schicksal nicht, oder vielmehr nicht mehr. Sie ist lebensfroh, strahlt Energie aus und kann über ihre Behinderung Witze machen. Und sie ist Mitglied im Gesprächskreis für Sehbehinderte und Blinde der Friesoyther St.-Marien-Gemeinde.

Alles kommt auf den Tisch

Am Mittwochnachmittag hat sich die Gruppe wieder im Franziskushaus in Friesoythe getroffen. Kaffee, Tee, eine Torte und belegte Brote kamen auf den Tisch. In dieser Runde tauschen sich die Mitglieder und ihre sehenden Begleiter aus. Natürlich wird viel über das Blindsein und das Leben mit einer Sehbehinderung gesprochen. Es wird aber genauso über das Leben ohne gesprochen. Hier kommt alles auf den Tisch, was dem Einzelnen auf dem Herzen liegt oder in den Sinn kommt. „Wir bereiten immer ein Thema vor, über das wir dann auch diskutieren“, erzählt Elsbeth Pille, die gemeinsam mit Elisabeth Roter die Gruppe seit 2008 leitet. Am Mittwoch wurde beispielsweise über Blindenführhunde gesprochen. Juliane Theisen hat so einen. Ihr Schäferhund ist schon 13 Jahre alt und für sie im Alltag ein treuer Begleiter, der sie an allen Hindernissen vorbeischleust.

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Hindernisse: Für Blinde und Sehbehinderte im Alltag immer wieder ein Thema. „Beispielsweise wenn Autos auf Gehwegen geparkt werden“, erzählt Ingrid Eilers. Sie selbst ist sehend und begleitet Blinde. „Oder wenn Mülltonnen auf Gehwegen stehen“, fügt Otto Blome hinzu. Er ist seit dem siebten Lebensjahr blind. Er hatte sich damals mit einer Gabel ins Auge gestochen und erblindete nach einer Entzündung auf beiden Augen. Er lebt in Kampe, dort hat er viele Jahre lang sogar selbst einen Gemüsegarten gepflegt. Er kommt recht gut klar – „solange alles wieder genau dahin gestellt wird, wo es vorher war“.

Im öffentlichen Raum würde sich die Gruppe wünschen, wenn mehr Markierungen angebracht würden. „An der Kirche hier sind alle Stufen grau. Das ist für Sehbehinderte nur als eine Masse zur erkennen. Ein einfacher weißer Balken auf den Stufen würde helfen“, sagt Elisabeth Roter.

Ansonsten sind Blinde und Sehbehinderte darauf angewiesen, andere um Hilfe zu bitten. „Das Fragen muss man lernen“. sagt Theisen, ansonsten droht die Isolation. Die Leute seien aber überwiegend hilfsbereit, manchmal vielleicht etwas gedankenlos. So ärgert sich Helene Tönnies beispielsweise, wenn sie selbst irgendwo etwas bezahlt, das Wechselgeld aber an ihre Begleitung herausgegeben wird. Helene Tönnies legt viel Wert auf diese Selbstständigkeit. Sie wurde mit 15 Jahren durch eine Netzhautablösung blind. Trotzdem hat sie ihr Geld als Sekretärin verdient, hat geheiratet und drei Kinder bekommen und freut sich mittlerweile über Enkelkinder.

Träume in Grau

Als sie ihren Mann beim Karnevalsball in Bösel kennengelernt hat, habe der von ihrer Blindheit gar nichts bemerkt. „Ich kannte mich dort gut aus“, sagt sie: „Da war nichts mit Liebe auf den ersten Blick.“ Dürfte sie sich etwas wünschen: „Würde ich meine Kinder wenigstens ein einziges Mal sehen wollen.“ Aber sie stelle sich vor, wie ihre Kinder aussehen. Wenn Helene Tönnies im Schlaf träumt, hat sie Bilder und Gesichter aus ihrer Kindheit scharf vor Augen, spielt der Traum in der Zeit nach der Erblindung, ist alles grau.

Mustern Blinde und Sehbehinderte ihr Gegenüber, geschieht dies mit dem Gehör. „Wir nehmen viel mehr wahr, meine Ohren sind gut“, erzählt Gerda Schlüter. Ihr Sehnerv wurde bei einer Operation verletzt, als sie sieben Jahre alt war. Die Ärzte hatten damals einen Hirntumor diagnostiziert, nachdem „mich erst alle für eine Schulschwänzerin gehalten hatten“.

Der Gesprächskreis für Sehbehinderte und Blinde trifft sich an jedem dritten Mittwoch im Monat ab 14.30 Uhr im Franziskushaus. Interessierte Blinde und Sehbehinderte sind herzlich willkommen. Aber auch sehende Menschen sind als Begleiter eingeladen. Wer sich für die Gruppe interessiert, kann sich bei Elsbeth Pille unter Telefon 04491/40715 melden.

In der Gruppe geben sich die Mitglieder gegenseitig Halt und Unterstützung. Sie begleiten sich und sie tauschen sich ständig über Methoden, technische Hilfsmittel und neue Entwicklungen aus, um den Alltag besser zu meistern.

Anja Biewald Redakteurin / Lokalredaktion
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