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NWZonline.de Region Cloppenburg Wirtschaft

Rollentausch: Königin zeigt langes Hinterteil

13.07.2016

Garrel Als der Deckel abgenommen wird, fängt es laut an zu Summen. Hektisches Treiben herrscht im Zuhause des Bienenvolkes des Garreler Hobby-Imkers Helmut Ostendorf. Wir tragen Schutzanzüge – von einem breiten Hut fällt ein Netz herab, dass am Kragen endet – und dazu Handschuhe. 50 000 bis 80 000 Bienen gehören zu einem Volk, erklärt Wilhelm Dellwisch, Vorsitzender des Imkervereins Garrel. Er ist ebenfalls mit von der Partie, auf Schutzausrüstung verzichtet er. „Stiche merke ich gar nicht mehr“, sagt er.

Dellwisch imkert in der dritten Generation und arbeitet gemeinsam mit seiner Frau Helga. Bis zu 80 Völker besaß Dellwischs Familie auf dem Höhepunkt der Tätigkeit und brachte sie zu Feldern bis nach Schleswig Holstein. „Landwirte freuen sich, wenn wir ihnen Bienen hinstellen“, sagt er. Nur 70 Prozent der Erträge bringe Raps ohne ein Bienenvolk in der Nähe, und nur 40 Prozent der Äpfel hingen ohne die Bestäubung zur Ernte am Baum. Imker sind ein wichtiger landwirtschaftlicher Faktor. Sie verdienen an den Einnahmen des Honigs und an einem Obolus, den sie für die Aufstellung der Völker bekommen.

Nach und nach befördert Helmut Ostendorf die nebeneinander liegenden Waben aus den sogenannten Zagen, die übereinander gestapelt werden und unten über ein Einflugloch verfügen. Er drückt mir eine Wabe in die Hand. Die Bienen darauf beachten mich gar nicht – ein friedliches Volk, meinen die beiden Imker. Nur hier und da wandern die Insekten über das Netz vor meinen Augen oder heften sich an den Stoff des Anzugs. Ob ein Volk aggressiv oder friedlich sei, hänge von seiner Königin und dem Wetter ab.

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25 Kilogramm Honig können aus einer Zarge kommen. Aus dieser allerdings nicht, da es sich um einen sogenannten Ableger handelt – ein Volk, das nachgezogen wird. Die benachbarten Kastentürme sind jedoch für die Honigproduktion vorgesehen.

Mit beiden Händen packt Helmut Ostendorf eine Zarge und stellt sie auf den Boden. Wilhelm Dellwisch vertreibt mit Rauch die Bienen, damit er richtig zugreifen kann. Als ich die über zehn Kilogramm schwere Zarge wieder aufstapele, zerdrücke ich versehentlich ein paar ihrer Bewohner. Das tut mir sofort leid. Verluste gebe es dabei immer, wird mir gesagt.

Alle neun Tage müssen die Völker auf diese Art überprüft werden, muss jeder Kasten zweimal angehoben werden. „Wenn du alle durch hast, bist du schachmatt“, weiß Helmut Ostendorf aus Erfahrung. Wer hauptberuflich als Imker arbeite, tue dies den gesamten Sommer über.

„Man fährt vier bis fünf Monate herum. Den Beruf haben schon viele angefangen und wieder aufgehört.“ Nur einen Großimker gebe es im Verein in Garrel, er fahre seine Völker bis nach Berlin. Ostendorf will bald ein paar Völker an seinen Kollegen Dellwisch abgeben. Sein Honig wird im eigenen Hofladen oder auf Wochenmärkten zusammen mit Eiern verkauft.

Eine Wabe nach der anderen wird beäugt. Mir wird die Königin gezeigt, die für Laien nur am etwas längeren Hinterteil zu erkennen ist, ich sehe Larven und alle Teile der Gesellschaft vom Brut- bis zum Honigraum: Alle Kästen sind wieder aufgestapelt, die Bienen entspannen sich. Keiner wurde gestochen, die Anzüge landen im Kofferraum. Weiter geht es auf den Hof von Wilhelm Dellwisch.

Ende Juli wird mit einer großen Schleuder sämtlicher Honig aus den Waben entfernt, gesiebt und abgefüllt. „Dann werden die Bienen mit Futterteig oder Zuckerwasser gefüttert.“ Das brauchen die Insekten, um ohne ihren Honig als Energielieferant durch den Winter zu kommen.

Drei Tage lang hat der Imker einen großen Eimer Rapshonig erwärmt – 41 Kilogramm befinden sich darin. „Ich habe hier mit Imkerkollegen schon einmal 4000 Pfund in drei Stunden abgefüllt“, erinnert sich Wilhelm Dellwisch. Er wuchtet die Tonne unter einen Rührer und schaltet die Maschine an.

Am Ende der harten und zeitaufwendigen Arbeit landet der cremige Rapshonig im Glas. Dafür musste jede der Bienen in ihrem sechswöchigen Leben täglich zehnmal bis zu sechs Kilometer weit fliegen.

Sascha Sebastian Rühl Volontär, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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