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NWZonline.de Region Cloppenburg Wirtschaft

GESCHICHTE: Langer Leichenzug nach Neuarenberg

02.11.2005

GEHLENBERG Seltsamer Amtmann hielt fünf Tage Leiche seiner Gattin zurück.

Catharina Schücking wurde einen Tage nach der Weihe des Gotteshauses vor der Kirche in Gehlenberg beigesetzt.

Von Hermann Gerdes GEHLENBERG - Am 2. November 1831 (heute auf den Tag genau vor 174 Jahren) starb im Sögeler Ludmillenhof die berühmte Lyrikerin Catharina Schücking geborere Busch, Ehefrau des im Dienste des Herzogs von Arenberg stehenden Sögeler Amtmannes Paulus Modestus Schücking und Mutter des ebenso bekannten Literaten Levin Schücking.

Der Amtmann hielt die Leiche fünf Tage in Sögel zurück, dann folgte ein langer Leichenzug nach Neuarenberg, wie Gehlenberg damals hielt. Es reichte gerade: Schückings Wunsch, seine Frau dort zu beerdigen, konnte einen Tag nach der Einweihung der Kirche am 10. November erfüllt werden.

Der seltsame Amtmann, dem sein Sohn Levin später „ein eigenartiges diktatorisches Gebaren“ attestierte, erstaunte den Hümmling mit dem Wunsch, seine Frau in seinem solch entfernten Ort beizusetzen. Er war 1831 schon 15 Jahre Amtmann in Clemenswerth und dann in Sögel. Die Zeitgenossen staunten ob des Wunsches.

Sofort nach dem „letzten Atemzug“ seiner Frau ließ Schücking eigenmächtig in der noch nicht eingeweihten Kirche zu Neuarenberg eine Gruft bauen.

Er fragte den neuen Pastor Hermannius Joseph Biermann Biermann nicht und sprach mit keinem Gemeindemitglied davon. Am 9. November sollte die Einweihung der neuen Kirche erfolgen. Dabei sollte seine Frau feierlich in der Kirche bestattet werden. Deshalb hielt der Amtmann die Leiche fünf Tage in Sögel unbeerdigt zurück.

Am 7. November setzte sich der Leichenzug in Bewegung. Paulus Schücking ging nur wenige Meter mit; hinter dem Clemenswerther Park kehrte er nach Hause zurück. Überall standen die Erwachsenen und die Kinder gingen dem Leichenzug weit entgegen. Nur in Sögel nicht. Dort hatte der Pastor die Kinder für acht Uhr in die Schule bestellt. Das „Missverhältnis“ zwischen Amtmann und Pfarrer Pohlmann wurde deutlich.

Mit dem einstweiligen Einsenken der Leiche in der Kirchengruft begannen die Schwierigkeiten.

Der Pfarrer von Sögel gab seine Zustimmung für eine Beerdigung außerhalb des Kirchsprengels nicht. Auch in Gehlenberg wollten der Ortspfarrer, die übrigen Geistlichen und der Landdechant die Leiche nicht beerdigen. Wenn eine Leiche einmal in ungeweihter Erde gelegen habe, so meinte der Dechant, könne sie in geweihter nicht mehr beerdigt werden. Eine Beerdigung in der Kirche sei sogar gesetzwidrig. Die Leiche sollte nach Sögel zurückgebracht werden. Peter Joseph Huldermann, seit 1832 Rat der Domänenrentei Meppen und schon seit 1820 im Dienste des Herzogs, gelang es schließlich, die Geistlichen umzustimmen.

Die Neuarenberger Kirche wurde am 9. November pünktlich eingeweiht. Einen Tag später konnte auch Catharina Schücking geborne Busch ihre Ruhe finden. Alle Neuarenberger assistierten beim Seelenamt. In alten Berichten ist von „Tränen der Kolonisten“ für ihre „Wohltäterin und Ernährerin“ die Rede. Amtmann Schücking und seine Frau standen wohl in einer besonderen Beziehung zum Ort Neuarenberg. Sie sollen sich auch um den Bau der Kirche besondere Verdienste erworben haben. So steht heute neben der Kirche in Gehlenberg ein prächtiger Grabstein, der an Catharina Sybilla Schücking erinnert.

Mit ihrem Mann kam es, wie viele schon vorher vermuteten. Domäneninspektor Landschütz sah schon im November 1831, dass der Amtmann „dereinst noch verrückt werden wird“. 1836 wurde er wegen Bestechlichkeit und gefälschter Protokolle zu sechs Monaten Zuchthaus verurteilt.

Schücking wanderte nach Amerika aus. Das war die Bedingung für die Begnadigung. Schücking hielt es dort nicht lange aus. 1840 kehrte er zurück. Als freier Schriftsteller lebte er bis zu seinem Tod 1867 in ärmlichen Verhältnissen in Bremen.

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