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NWZonline.de Region Cloppenburg Wirtschaft

Wie dieses Kunststoffrohr Nutrias stoppen soll

12.05.2018

Lohe Sie können bis zu zehn Kilogramm schwer werden und sind leicht an den großen und oft orange gefärbten Nagezähnen zu erkennen. Und: sie zerstören die Deiche in der Gemeinde Barßel. Deswegen schlägt Jäger und Tierpräparator Andre Westerkamp Alarm. Die Ausbreitung und das Populationswachstum der Nutria, einer Biberrattenart, die ursprünglich aus Südamerika stammt, bereite ihm große Sorgen. „Wir stehen vor einem großen Problem. Es wird Zeit, dass die Nutrias noch stärker bejagt werden“, sagt Andre Westerkamp aus Lohe. Doch mit konventionellen Methoden lassen sich die Tiere schlecht bejagen. Dafür hat der 55-Jährige eine neuartige Falle konstruiert, die er jetzt als Dozent des Deutschen Jagdverbandes der Agrarkommission der EU vorstellte.

Doch was macht die Tiere für den Uferschutz so gefährlich? „Nutrias graben vier Meter tiefe Bauten und Erdlöcher unter die Deiche an der Soeste und dem Barßeler Tief. Dadurch wird die Substanz der Deiche stark gefährdet. Sie könnten bei Hochwasser zusammenbrechen“, so Westerkamp über die Tiere, die aus Pelzzwecken 1926 in Deutschland eingeführt wurden. Den explosionsartigen Anstieg der Nager erklärt sich Westerkamp unter anderem durch die zu milden Winter. „Die wenigen Frosttage leisteten ihren Beitrag zur Ausbreitung der Tiere. Dazu kommt, dass Nutrias kaum natürliche Fressfeinde haben. Jungtiere werden gelegentlich vom Fuchs oder von Greifvögeln gefressen“, so Westerkamp.

Die Nutria – Ein Nagetier aus Südamerika

Die Nutrias, auch Biberratten oder Schweifratten genannt, sind eine Nagetierart, die ursprünglich aus Südamerika kommt.

Ein ausgewachsenes Tier kann eine Körperlänge von bis zu 65 Zentimetern erreichen und kann bis zu zehn Kilogramm wiegen. Die besonders wehrhaften Tiere werden durch ihre großen und lange Nagezähne definiert, die eine auffällige Orangefärbung annehmen können.

Als Vegetarier ernährt sich eine Nutria fast ausschließlich von Blättern, Stängeln, Wurzeln von Wasserpflanzen und Hackfrüchten. Selten essen die Nagetiere auch mal Schnecken oder Würmer. Nutrias können bis zu mehr als zehn Jahre alt werden und halten keinen Winterschlaf.

Tag und Nacht sind Nutrias aktiv und leben an Flüssen, Seen oder Teichen. In Deutschland sind die Tiere mittlerweile an zahlreichen Gewässern in allen Bundesländern zu finden. Dabei haben die Tiere oft auch wenig Scheu und lassen sich recht einfach füttern.

Nach dem aktuellen Populationsanstieg sind Nutrias in die Liste „invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung“ für die Europäische Union aufgenommen worden, was die weitere Einfuhr und Zucht verbietet.

Gleichzeitig können sich Nutrias schnell vermehren. „Die Tiere vermehren sich drei Mal im Jahr. Nach einer Tragezeit von 120 bis 130 Tagen bekommt eine Mutter bis zu zehn Junge bei einer Sterblichkeitsrate von 0,5“, so Westerkamp weiter. Bis zu 18 Tiere leben in einer Kolonie.

Doch die Bejagung der großen Kolonien in Flussnähe ist gar nicht so einfach. „Schießen kann man Nutrias fast gar nicht. Dafür sind sie zu schnell im Wasser“, so Andre Westerkamp. Die neue Falle, die er zusammen mit der Funke-Gruppe entwickelt hat, wird am Deich in Position gebracht. Der Köder besteht aus Karotten, Äpfel oder anderen Ost- und Gemüsesorten. „Besonders schlau sind die Nagetiere nicht. Sie fallen gut auf diese Köder herein“, so der Jäger.

Sobald eine Nutria das Rohr betreten hat, geht die Klappe zu und der Fallenaufsteller bekommt durch einen Signalgeber eine E-Mail, dass die Falle ausgelöst hat. Dann muss man erst einmal schauen, ob sich wirklich eine Nutria oder vielleicht doch nur eine Bisamratte in die Falle verirrt hat. Die wird natürlich wieder freigelassen. „Wir können sowieso erst jetzt Fallen aufstellen, da die Schonzeit vorüber ist“, sagt der Nutria-Experte.

Für ihn ist die aktuelle Entwicklung in den Niederlanden ein Negativbeispiel. „Die dortige Gesetzgebung macht eine intensive Bejagung durch 400 professionelle Schädlingsbekämpfer möglich. Das wollen wir bei uns aber verhindern. Bei der Bejagung darf der Artenschutz nicht zu kurz kommen“, so Westerkamp. So findet er, dass sich Landwirte, Jäger und Verbände jetzt dringend ein Netz aufbauen müssten, um die Ausbreitung der Tiere kontrolliert verringern zu können.

Heiner Elsen
Friesoythe
Redaktion Münsterland
Tel:
04491 9988 2906

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