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NWZonline.de Region Cloppenburg Wirtschaft

Langzeitprojekt vor Abschluss

23.10.2018

Neuvrees Flurbereinigung. Diesen Begriff kennen die meisten wohl nur durch eine öffentliche Bekanntmachung auf den hinteren Seiten der Tageszeitung. Oder als Tagesordnungspunkt, der relativ schnell auf einer Ratssitzung abgehandelt wird. Vielleicht weiß man noch, dass es im engeren Sinne mit Landwirtschaft zu tun hat. Doch was verbirgt sich tatsächlich hinter diesem Wort?

Jemand, der es bestens weiß, ist Gerd Bruns aus Neuvrees. Das Dorf steht kurz vor Beendigung eines solchen Flurbereinigungsverfahrens –und Bruns ist nicht nur Ortsvorsteher von Neuvrees, sondern auch Vorsitzender der Teilnehmergemeinschaft der Flurbereinigung.

Was sofort auffällt: Bei einem Flurbereinigungsverfahren braucht man einen langen Atem. „Im Frühjahr 1997 haben wir auf einer Landvolkversammlung den Grundstein gelegt“, erzählt Bruns im NWZ-Gespräch. Einige Jahre war es dann ruhig um diesen Plan. Bis 2003. Es folgten dann Jahre, in denen die Bevölkerung, allen voran Besitzer von landwirtschaftlichen Flächen, von der Idee und den Vorteilen einer Flurbereinigung überzeugt werden musste. „Es müssen alle dahinterstehen. Das ist das Wichtigste“, so Bruns. 2009 ging es dann in enger Abstimmung mit dem Amt für Landesentwicklung und der Stadt Friesoythe konkret los.

Die Vorteile solch eines Projektes liegen laut dem Ortsvorsteher auf der Hand. Das vorrangige Ziel sei gewesen, die intensive Tierhaltung mit ihren Emissionen langfristig aus dem Ort in neue landwirtschaftliche Betriebsstätten in zuvor festgelegten Baufenstern zu verlagern.

Bei einer 75-prozentigen Förderung durch das Land konnten zum Beispiel Wege ausgebaut werden, damit vor allem neue Betriebsstandorte besser zu erreichen sind. Und es bestand die wohl einmalige Möglichkeit, Flächen mit anderen zu tauschen, um verstreute Areale neu zu organisieren und zusammenzufassen. Dieser freiwillige Flächentausch sei „ziemlich ruhig abgelaufen“, sagt Bruns.

In Neuvrees gehört zur Flurbereinigung eine Fläche von 1100 Hektar, die sich auf rund 100 Besitzer aufteilt. Zum Ausbau des Wegenetzes, für die Planungskosten, Erschließungskosten und Kompensationsmaßnahmen standen den Neuvreesern 2,5 Millionen Euro zur Verfügung. 25 Prozent dieser Summe mussten sie selbst aufbringen. „Dafür hat die Teilnehmergesellschaft Kredite aufgenommen“, sagt Bruns. Um diese Geldaufnahme zu tilgen, muss jeder Landbesitzer, der mehr als einen Hektar besitzt, jährlich 28 Euro pro Hektar zahlen, und das 20 Jahre lang. Die Zinslast übernimmt die Stadt Friesoythe.

Nach über neun Jahren und zahlreichen Maßnahmen stehen für Neuvrees unter dem Strich beeindruckende Zahlen. Ein über 18 Kilometer langes Wegenetz wurde bituminös ausgebaut, das auch schwerem landwirtschaftlichen Verkehr standhält. Bruns: „Wir haben jetzt super Teerstraßen.“ Hinzu kommen rund 3,5 Kilometer Wege, die für geringen landwirtschaftlichen Verkehr in Schotter ausgebaut wurden.

Weiter wurden einige Grabenabschnitte aufgehoben und die Grabenböschungen bepflanzt. „Diese Bereiche bieten vor allem Wildtieren Schutz“, so Bruns. Außerdem wurde von der Teilnehmergemeinschaft eine private 1,2 Hektar große Waldfläche neu bepflanzt. Eine Maßnahme steht noch aus: Am Bögel soll auf einer städtischen Fläche auf 3500 Quadratmetern eine Obstwiese entstehen.

Da eine Flurbereinigung auch immer mit einem Eingriff in die Natur verbunden ist, müssen Ausgleichsmaßnahmen vorgenommen werden. In Neuvrees gelang das vor allem in und an Gewässern. Die Marka und der Delschloot wurden von der Friesoyther Wasseracht naturnah umgestaltet, um eine ökologische Durchgängigkeit zu gewährleisten. An mehreren Stellen wurden Sohlabstürze (kleine Wasserfälle mit einer Höhe von bis zu 1,20 Meter) in Sohlgleiten umgebaut. Diese haben ein flaches Gefälle, das mit Steinen und Kies befestigt ist. Das Material wurde von der Teilnehmergemeinschaft gestellt. Weiter wird durch den Einbau von Grundschwellen und Kiesbänken der Wasserstand des Flusses angehoben. Diese Maßnahme bewirkt die Anhebung des Grundwasserspiegels, was sich für die Landwirtschaft gerade in Trockenperioden positiv auswirken soll.

Am Donnerstag wird die letzte bauliche Maßnahme der Flurbereinigung – der Ausbau der Straße Dailer – abgeschlossen. Dann ist das Budget aufgebraucht. Bruns zieht ein durchweg positives Fazit: „Wir haben viele Maßnahmen umsetzen können. Ich bin sehr zufrieden.“

Carsten Bickschlag
Redaktionsleitung Friesoythe
Redaktion Münsterland
Tel:
04491 9988 2900

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