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NWZonline.de Region Cloppenburg Wirtschaft

Erster Fernsehkoch bringt Erfolg

03.03.2018

Nikolausdorf /Bösel Clemens Wilmenrod war Deutschlands erster Fernsehkoch. Er präsentierte vor 65 Jahren – im Februar 1953 – die erste Kochshow im Fernsehen und kreierte etwa das „Toast Hawaii“. Vor 60 Jahren sorgte er für den ersten Aufschwung der deutschen Putenzucht, auf die in den Folgejahren auch zahlreiche Garreler und Böseler Landwirte setzen sollten.

Weihnachten 1957 lenkte Wilmenrod das Augenmerk der Hausfrauen, die noch nicht ihren Festbraten besorgt hatten, auf eine delikate Möglichkeit: „Es gibt drei sympathische Tiere, die den Weihnachtstisch bei uns bestimmen, die Gans, der Karpfen und der Puter. Letzterer wurde vor langer Zeit von der Englisch sprechenden Welt bevorzugt, ist aber jetzt auf dem Wege, auch den deutschen Weihnachtstisch zu erobern. Mit einem Wort in unserer Sprache gesagt: ,Der deutsche Puter marschiert’, und das mit Recht“. Danach zeigte Wilmenrod in einer Doppelsendung die Zubereitung eines Puters.

860 000 Puten in GArrel

In der Gemeinde Garrel werden aktuell 859 898 Puten gehalten. Die Anzahl der putenhaltenden Betriebe in der Gemeinde Garrel beträgt 62. In der benachbarten Gemeinde Bösel werden 496 101 Tiere in 36 Betrieben gehalten.

Die Putenmast nahm vor mehr als 70 Jahre ihren Anfang in Westerscheps (Ammerland) und wenige Kilometer entfernt jenseits des Küstenkanals im noch kleineren Kartzfehn. In Westerscheps besaß Rolf Bölts die größte Geflügelfarm weit und breit. Bölts hatte sich, wie er damals berichtete, im Frühjahr 1957 an Wilmenrod mit der Bitte gewandt, dem Fernsehpublikum die Zubereitung eines Puters zu demonstrieren.

Der Effekt: Die Umsätze der Geflügelgeschäfte stiegen, die Vorräte reichten nicht aus. Wer etwas gelten wollte, aß nicht mehr Gans, sondern Puter. Die Puter-Welle hielt bis Weihnachten 1958 an.

1957 entdeckten Dobimar von Kameke und der junge Mortimer von Kessel, 28-jähriger Geschäftsführer des Moorguts Kartzfehn, die Putenmast. Mortimer von Kessel war zuvor in den USA im Samengroßhandel tätig gewesen und hatte dabei den Truthahn entdeckt. Im Mai 1957 schlüpften dann aus 100 Bruteiern, die aus England kamen, die ersten 70 Küken.

Eine Brüterei hatten die Kartzfehner nicht. In einer Hühnerbrüterei von Josef Weddehage und Agnes Weddehage, geb. Timmerevers, in Nikolausdorf wurden die Puteneier ausgebrütet. Die ersten Durchgänge waren nicht so erfolgreich – mit der Zeit gelang es besser. 1960 begannen die Kartzfehner mit der Planung der eigenen Putenkükenbrüterei.

Vieles musste im putenlosen Deutschland aufgebaut werden. Neben Eltern- und Großelternställen, Schlachtkapazitäten und vor allem hunderte Mastbetriebe. Heute gibt es in Deutschland mehr als 50 Millionen Putenkükenschlüpfe – mehr als die Hälfte davon in Kartzfehn und in Neuenkruge, dem inzwischen zweiten Kartzfehner Brüterei-Standort.

Auch die Unternehmen Weddehage (Nikolausdorf) und Thole (Bösel) konzen­trierten sich später allein auf die Putenvermehrung. Georg Thole hatte ab 1950 Enten, Gänse und Hühner gebrütet – war ab 1968 für Kartzfehn tätig, ist es heute für Heidemark, kaufte dann auch eine Putenbrüterei in Brockhagen (bei Steinhagen/Westfalen), die zuvor vom Moorgut Kartzfehn betrieben worden war. Und Weddehages blieben auch nicht nur bei der Legehennenbrüterei, brüteten auch für Kartzfehn, konzentrierten sich 1992 auf die Pute – heute für RWS.

Der Effekt von Wilmenrods Sendung hatte nachgewirkt. Nicht nur der Weihnachtsputer wurde zu einem gesellschaftlichen Attribut. 1972 aß jeder Deutsche 600 Gramm Pute. Seither hat sich der Verbrauch verzehnfacht. Über 50 Millionen Putenküken werden Jahr für Jahr ausgebrütet. 465 000 Tonnen Putenfleisch – für die kleine Delle 2017 um 21 000 Tonnen sorgte die Geflügelpest mit über 500 000 getöteten Puten – wird in Deutschland erzeugt: Jede dritte Pute kommt aus dem Kreis Cloppenburg.

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