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NWZonline.de Region Cloppenburg Wirtschaft

Wie die Agrarwende in der Region allen nützen könnte

12.11.2019

Oldenburger Münsterland /Cloppenburg Es gibt einen Kernkonflikt zwischen der Landwirtschaft und dem Tourismus im Oldenburger Münsterland, der nur gelöst werden kann, wenn die Agrarwende hier gelingt. Eine nachhaltigere und ökologische Landwirtschaft fordert Prof. Dr. Torsten Kirstges, Professor für Tourismusmanagement an der Jade Hochschule in Wilhelmshaven. Er hat vor fünf Jahren eine Imagestudie über das Oldenburger Münsterland erarbeitet und die Erfolge und noch offenen Themenfelder nun beim Tourismustag des Verbundes Oldenburger Münsterland (OM) im Cloppenburger Museumsdorf vorgestellt.

Die landwirtschaftlichen Betriebe im Oldenburger Münsterland sollten bei der Agrarwende Vorreiter sein und die Tierhaltung und die Landwirtschaft als solche ökologischer, natürlicher und nachhaltiger gestalten. Dies könne dann vom Tourismus mit beworben und unterstützt werden, sagte Kirstges im Gespräch mit der NWZ.

Denn die Analyse zum Image der Region bei Urlaubern und auch bei Einheimischen zeigte, dass das OM zwar als eine wirtschaftlich starke, grüne und naturnahe Region gesehen wird, dass aber vor allem die Agrarindustrie als prägend wahrgenommen wird. Dafür stünden sinnbildlich – im negativen Sinne – die Geruchsbelastung durch Gülle, große Mastbetriebe, die hohe Nitratbelastung im Boden und die große dahinterstehende Industrie, so dass andere wirtschaftliche Zweige und Industrien nur vernachlässigt wahrgenommen würden. Und das wiederum befeuere den Fachkräfte-Mangel. Wenn Arbeitnehmer gar nicht von anderen Industrien im OM wüssten, würden sie sich auch nicht hier bewerben oder danach umsehen, meint der Experte.

Aus Eigennutz umstellen

„Der Druck auf die Landwirtschaft wird immer größer“, sagte Kirstges. Denn die Verbraucher beschäftigten sich immer mehr mit Nachhaltigkeit und Tierwohl. „Auf lange Sicht müssen die Betriebe umschwenken. Schon aus Eigennutz sollte die Landwirtschaft sich umstellen. Denn wir können hier gar nicht mit riesigen Mast-Betrieben in Polen konkurrieren“, so Kirstges weiter.

Für den Tourismus könnte diese Agrarwende ein großer Gewinn sein, machte der Experte auch bei seinem Vortrag im Museumsdorf vor den Verantwortlichen der Branche deutlich. So könnte die Region dafür werben, dass hier Natur erlebt werden kann, mit frischer Luft und gesundem Klima – statt Gestank. Außerdem könnte hier der Familienurlaub auf einem Bauernhof beworben werden – mit Tieren zum Anfassen, anstatt dem Mast-Betrieb mit tausenden Tieren, erläuterte Kirstges.

Der Autor der Studie machte auch deutlich, dass bereits einiges angepackt wurde. Er hatte damals insbesondere eine deutliche Verbesserung der Kommunikation und des Außenauftritts angereget. Mittlerweile sei das Logo überarbeitet, es gibt eine neue Homepage des Verbundes Oldenburger Münsterland und neue Broschüren wurden erstellt. „Dafür wurden professionelle Agenturen engagiert und ich finde, der Außenauftritt ist gelungen“, sagte Prof. Dr. Kirstges. Die fünf Erholungsgebiete der Region agieren unter einem Dach. Kirstges lobte auch, dass die Beschilderung – beispielsweise der Radwege oder der Tourist-Infos – nun einheitlich sei.

Er mahnte in seinem Vortrag an, die Digitalisierung des Tourismus weiter im Auge zu behalten. So sollten alle touristischen Anbieter auf ihren Internetseiten das OM-Logo verwenden. Außerdem sollten Bewertungen auf sozialen Medien berücksichtigt oder beispielsweise die Rad- und Wanderwege mithilfe von Apps fürs Smartphone digitalisiert werden.

Steigende Zahlen

Die Studienergebnissen seien im Oldenburger Münsterland gut in Angriff angenommen worden, resümierte Kirstges. „Wir sind auf dem richtigen Weg“, sagte auch Landrat Johann Wimberg, Vizepräsident des Verbundes OM, beim Tourismustag. So sei die Region im jüngsten Tourismus-Barometer der Sparkasse auf Platz fünf der Gästezufriedenheit hinter vier bayrischen Urlaubsregionen gelandet. „Das sollte uns Ansporn für die kommenden Jahre sein“, so Wimberg.

Mareike Wübben Cloppenburg / Redaktion Münsterland
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