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NWZonline.de Region Cloppenburg Wirtschaft

Raus aus Klinik – rein in die Gesellschaft

19.03.2015

Cloppenburg Raus aus der Klinik – rein in die Mitte der Gesellschaft: Über die künftige Ausrichtung des gemeindepsychiatrischen Hilfesystems hat Wolfgang Faulbaum-Decke, Vorsitzender des Dachverbands Gemeindepsychiatrie, am Dienstag bei der Fachtagung „Verantwortung zwischen Fürsorge und Freiheit“ in Cloppenburg referiert. Zu der vom sozialpsychiatrischen Verbund (SpV) Cloppenburg organisierten Veranstaltung waren rund 150 Mitarbeiter aus Einrichtungen, Psychologen und Psychotherapeuten sowie Betroffene ins Kreishaus gekommen.

„Inklusion ist nicht für lau zu haben“, meinte Faulbaum-Decke, der auch Geschäftsführer der gemeinnützigen Gesellschaft „Brücke Schleswig Holstein“ ist. Leistungen sollten deshalb künftig nicht mehr „institutions- sondern personenzentriert sein“, damit jeder Mensch – mit oder ohne Behinderung – überall dabei sein könne: in der Schule, am Arbeitsplatz, im Wohnviertel, in der Freizeit. „Der Behindertenbegriff muss sich weiterentwickeln. Erst wenn wir nicht mehr über Inklusion sprechen, ist sie gelungen.“

Faulbaum-Decke hat nach eigenen Angaben eine grundsätzlich kritische Haltung gegenüber institutionell geprägten Versorgungsstrukturen entwickelt. „Meine Haltung wird von dem Wunsch getragen, ein Person- und bedürfnisorientiertes Hilfeangebot im Sozialraum auf- und auszubauen.“ Es sei von großer Bedeutung, dass Menschen mit psychischen Erkrankungen individuell angepasste Hilfen in ihrer unmittelbaren Lebenswelt erhielten. Der Auf- und Ausbau von ambulant zu erbringenden Leistungen stehe dabei im Vordergrund.

Nicht ein Wunsch-Szenario, sondern die Ist-Situation im Landkreis hatte der Leitende Oberarzt der Tageskliniken für Psychiatrie und Psychotherapie (Karl-Jaspers-Klinik, Bad Zwischenahn), Dr. Claus Bajorat, in seinem Vortrag „Gemeindepsychiatrie vor Ort“ erläutert. 720 Menschen aus dem Kreis Cloppenburg seien im vergangenen Jahr in der Karl-Jaspers-Tagesklinik behandelt worden, 2009 waren es noch 635. „Ich sehe das positiv. Die Menschen wenden sich verstärkt dem Hilfesystem zu“, so Bojat. Stark zugenommen hätten dabei die Fälle von depressiven Störungen (von 101 auf 232).

Landrat Johann Wimberg (CDU) erklärte, dass der Landkreis im vergangenen Jahr 635 000 Euro für die ambulante Wiedereingliederung von 100 psychisch kranken Menschen aufgewendet habe, für 104 Fälle in stationären Einrichtungen waren es sogar rund zwei Millionen Euro.

Anstoß für die erste Fachtagung dieser Art sei, so SpV-Geschäftsführerin Dr. Catrin Halves, der Umzug des Gemeindepsychiatrischen Zentrums von Cloppenburg nach Emstek gewesen. Dieser hatte im Frühjahr 2014 zu kontroversen Diskussionen unter den Mitarbeitern, Bewohnern und der Bevölkerung geführt.

Carsten Mensing Cloppenburg / Redaktion Münsterland
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