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NWZonline.de Region Cloppenburg Wirtschaft

Schanktresen genau auf der Gemeindegrenze

06.03.2014

Bösel Weit über 3000 Hektar groß war das Vehnemoorgebiet, das den nördlichen Teil der Gemeinde umfasste. Als noch der Norden Deutschlands in Gaue eingeteilt war, verlief die Grenze zwischen dem Lerigau, zu dem Bösel gehörte, und dem Ammergau mitten durch das Moor. Mit kleinen Verschiebungen trennt diese Grenze noch heute die Landkreise Ammerland und Cloppenburg. Und gleichzeitig trennt diese Grenze den evangelischen Norden des Herzogtums vom südlichen Teil, der im Jahre 1803 mit dem Reichsdeputationshauptschluss nach mehr als 400-jähriger Herrschaft des Stiftes Münster dem Herzogtum zugeschlagen wurde. Am nördlichen Rand des Vehnemoores wurde Ende des 20. Jahrhunderts mit dem Bau des Hunte-Ems-Kanals begonnen, später umbenannt in Küstenkanal.

In den Weiten des Vehnemoores gründeten im Jahre 1916 Friedrich Graf von Landsberg und Georg Klasmann in Bösel-Edewechterdamm die Vehnemoor GmbH. Zum Geschäftsführer ihres neuen Torfwerkes bestellten sie Franz Mecking. Als durch die wirtschaftliche Krise Anfang der zwanziger Jahre in Thüringen und Sachsen Menschen arbeitslos wurden, konnten einige von ihnen Arbeit in Edewechterdamm finden.

Für diese neuen Arbeiter bei der Vehnemoor GmbH mussten ausreichende Unterkünfte geschaffen werden. Für Saisonarbeiter boten sich Baracken als Unterkünfte an. Für das Stammpersonal, Torfmeister und Handwerker galt es, Heime zu schaffen. So wurde 1924 das dreistöckige Arbeiterheim gebaut, in dem 75 Männer untergebracht werden konnten.

Als das Arbeiterheim gebaut wurde, waren Altenoythe und Bösel zwei selbstständige Gemeinden. Warum das Arbeiterwohnheim mitten auf die Grenze zwischen den beiden Gemeinden gebaut wurde, ist noch heute unerklärlich.

Die Kantine war damals mehr als „nur ein Dach über dem Kopf“ . Sie war Treffpunkt der Arbeiter nach der anstrengenden Arbeit im Moor; hier konnte man sich aussprechen, mit den Kollegen ein Bier trinken, und hier traf man auch mal den Chef der Moorgesellschaft. Der Schanktresen stand genau auf der Gemeindegrenze, der Weg des frisch gezapften Bieres von Bösel in die damalige Gemeinde Altenoythe war nicht weit.

Viele Jahre hielt die Gemeinde Bösel in der Kantine einen monatlichen Sprechtag ab. Der Böseler Beamte musste, um in sein „Büro“ zu kommen, mehrere Schritte über Altenoyther Gebiet gehen. Dann kam er zu seinem Tisch auf Böseler Hoheitsgebiet, der rechts neben dem Schanktresen stand. Für den Gang zur Toilette musste er zurück auf Altenoyther Boden.

Gerne nahmen auch die Böseler Ratsausschüsse die Gastfreundschaft in der Kantine in Anspruch. Wenn wichtige Angelegenheiten in Edewechterdamm anstanden, dann verlegten man das Sitzungslokal von Bösel in die Kantine mit dem Kneipier Georg Hillje.

Heute erinnert nur noch der Name an die Nutzung des Arbeiterheimes; der Glanz der alten Tagen ist verloren. Seit längerer Zeit wird das Gebäude zu Wohnzwecken umgebaut. Und eine Grenzbegradigung hat die interessante Kuriosität im vergangenen Jahr zu den Akten gelegt.

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