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NWZonline.de Region Cloppenburg Wirtschaft

Spannende Spuren im Schlamm

01.11.2012

Cloppenburg Erneut im Auftrag der Stadtgeschichte graben, vermessen, sammeln und putzen seit einer Woche Archäologe Dirk Dödtmann und seine Helfer in der Baugrube zwischen der Osterstraße und der Straße „Hinterm Wall“. Dort soll eine Tiefgarage entstehen. Nicht nur aus Archäologen-Sicht Spektakuläres haben sie dabei bereits zutage gefördert.

Der nach Aussage von Dödtmann wichtigste Fund: Der mehr als 600 Jahre alte Stadtgraben, der als Befestigungsanlage für die Cloppenburg diente, verlief nicht wie ursprünglich gedacht unter dem roten Klinker der Straße Hinterm Wall, sondern ein gutes Stück weiter zur Osterstraße hin. Fest steht nach dem Profil, das die Bagger in der Baugrube freigelegt haben, dass der künstliche Wasserverlauf tiefer – 3,20 Meter – und wesentlich breiter – vermutlich rund 20 Meter – gewesen war. Die Befestigungsanlage sollte vor Angreifern von der trockenen Geestseite her schützen.

Neben dem Wasserlauf befand sich zur Osterstraße hin zudem eine Wallanlage. „Die Häuser müssen direkt am Wall gestanden haben“, schließt Dödtmann. Die insgesamt fünf Archäologen und Grabungshelfer, die in wechselnder Stärke seit Montag vergangener Woche arbeiten, stießen auf senkrecht in den Boden gestoßene Eichenpfähle auf einer Länge von rund 15 Metern, die wohl zur Abstützung des Walls gedient hatten. Im Flusslauf, der mit der Zeit immer schmaler wurde, gruben sie zunächst einen Backsteinbrunnen aus, der auf Holzpfählen gründete, und einen weiteren Brunnen aus einem ausgehöhlten Baumstamm. Diesen legten die Archäologen am Mittwoch teilweise frei. Sie hatten eine Unterbrechung der Bauarbeiten bei der Stadtverwaltung erbeten, um die Funde ordnungsgemäß abarbeiten zu können.

So einige nicht nur für Historiker interessante Funde haben aus dem Boden geholt. Neben Keramikgefäßen und bearbeiteten Holzgegenständen auch einen Schlegel, dessen Funktion Archäologen Dödtmann aber noch nicht entdeckt hat. Ein Beil mit einem erhaltenen Holzstiel ist in den untersten Schichten des Grabens gefunden worden, einen Zimmermannszirkel förderten die Arbeiter zutage. Neben Messern sind auch Bronze-Gegenstände freigelegt worden, die möglicherweise als Buchschließe genutzt worden sein könnten.

Besonders spektakulär: Ein Zinnlöffel mit einer Mutter-Gottes-Darstellung und einen stilisierten Jesus-Kind ist am Dienstag geborgen worden. Auf dem Zinnlöffel ist auch eine Schlagmarke zu erkennen, die Auskunft über Alter und Herkunft geben könnte. Wo genau der Zinnlöffel bleiben kann, ist noch unklar. Hermann Asbree, städtischer Planungsamtsleiter, hofft aber, dass dieser der Stadt als Unterer Denkmalschutzbehörde überlassen werde. Möglicherweise könnten die Funde in einer kleinen Ausstellung den Bürgern gezeigt werden, regte Asbree an. Dadurch würde Geschichte erleb- und fassbar.


NWZ TV    zeigt einen Beitrag unter   www.nwz.tv/cloppenburg 
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