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NWZonline.de Region Cloppenburg Wirtschaft

„Neuer Betrieb wird Bauern nicht helfen“

08.11.2017

Stapelfeld /Molbergen Brauchen wir im Landkreis Cloppenburg einen neuen zusätzlichen Großschlachthof? Diese Frage, die seit Wochen in der Region heiß diskutiert wird, ist am Montag zumindest vom „Brennpunkt Regionalentwicklung“ in der Katholischen Akademie Stapelfeld mit einem Nein beantwortet worden. Nicht nur die Gäste im Saal, sondern auch Landrat Johann Wimberg (CDU), Theo Bruns (Bürgerbündnis Molbergen/SPD), Prälat Peter Kossen (früher Vechta) und Paul Brand (Geschäftsführer Qualitätsfleisch Brand Lohne) auf dem Podium waren sich völlig einig: Solch ein großer Schlachthof passt nicht in die Region und in den Agrar- und Schweinekreis Cloppenburg, die eh schon überlastet seien mit den Problemen der vorhandenen Schweineschlachter von Goldschmaus und BMR (beide Garrel) über Vion (Emstek) und Danish Crown (Essen) bis zu Tönnies (Sögel/Weidemark).

Molbergens Bürgermeister Ludger Möller (CDU), der mit dem italienischen Unternehmen Bresaole Pini über einen Mega-Schlachthof im Gewerbegebiet „Molberger Busch“ gesprochen hat, hatte seine Teilnahme an der Diskussion abgesagt. Und auch die Mitglieder der CDU-Mehrheitsfraktion im Molberger Gemeinderat, von denen dem Vernehmen nach nur eins gegen den Schlachthof ist, glänzten mit Abwesenheit. Dessen Ausmaße wurden mit bis zu täglich 25 000 Schlachtungen und 1800 bis 2500 Arbeitsplätzen beziffert.

Viele Schweinemäster beklagen nach den Produktionsreduzierungen von Vion in Verden und nach der Pleite von Vogler (Luckau) – mit mehr als zwei Millionen Schlachtungen stand der Betrieb auf Platz sechs des deutschen Rankings – fehlende Kapazitäten für die Schweineschlachtungen. Nicht umsonst rutschen im Moment die Preise für Mastschweine in den Keller. Niedersachsen ist Schweine-Hochburg vor Nordrhein-Westfalen. Dort werden mehr Schweine geschlachtet als gemästet, hier ist es umgekehrt. Auf dem Podium in Stapelfeld fehlte ein Schweinemäster.

Der Lohner Schlachthofgeschäftsführer Brand führte Zahlen ins Feld. Wegen steigender Auflagen nehme die Zahl der gehaltenen Schweine – in Niedersachsen von 9,2 auf 8,5 Mio. – und die der Halter – von 8700 auf 6000 seit 2010 – ab. Ein neuer großer Schlachthof könne nicht bedient werden, dieser würde zudem kleinere und mittlere Betriebe verdrängen. Brand forderte, bestehenden Betrieben die Chance für Veränderungen zu geben. Es gebe Potenzial hierfür – „ein solcher Betrieb (Bresaole Pini, Anm. d. Red.) wird das aber zerstören und den Bauern nicht helfen.“

Landrat Wimberg ergänzte, dass schon jetzt in fünf Betrieben im Kreis Cloppenburg jährlich zehn Mio. Schweine geschlachtet würden. Die Herausforderungen, die eine weitere Großschlachterei mit sich bringe, seien nicht zu bewältigen. „Das ist das erste Mal, dass wir einer Meinung sind“, meinte Theo Bruns in Richtung Wimberg. Gründe für die Ansiedlung würden ihm nicht einfallen. Selbst nach 20 Jahren falle keine Gewerbesteuer an. Und die täglich 300 bis 400 Lkw, die die Schlachterei bedienten, würden mit Sicherheit Abkürzungen nehmen „und durch Molbergen knattern“.

Zudem gerieten die bestehenden Schlachthöfe in den Blickpunkt der Kritik. Am schärfsten formulierte das Prälat Kossen. „Das System stützt sich vielfach ab auf das skrupellose Geschäft krimineller Subunternehmer.“ Deren Willkür und Gier seien die Werkvertrags- und Leiharbeiter schutzlos ausgeliefert. Arbeitsmigranten würden – zum Teil mit Kindern – in verschimmelten Bruchbuden oder auch auf Campingplätzen hausen. Alteingesessene Bürger würden als Vermieter die Rumänen mit Wuchermieten abzocken. In Essen sei vor zwei Jahren mit großem Tamtam ein „Runder Tisch“ eingerichtet worden, um die sozialen Verwerfungen zu regulieren. Aber dieser habe kein einziges Mal getagt.

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