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NWZonline.de Region Cloppenburg Wirtschaft

WÄHRUNGSGESCHICHTE: Tausender gebündelt in der Blechkiste

05.09.2006

ALTENOYTHE ALTENOYTHE - Gut 40 lange Jahre hat er mit der Kiste unter einem Dach verbracht. Er kennt die längliche Metallbox nicht, hat sie noch niemals zuvor gesehen. Und doch ist sie immer da gewesen. Irgendwo im Haus versteckt. An einem unbekannten Platz.

Als Johann Schumacher (46) jetzt das ehemalige Wohn- und Geschäftshaus mit dem kleinen Gemischtwarenladen seiner Familie in der Altenoyther Dorfmitte abreißt – er hat das Grundstück bekanntlich an einen Investor verkauft, der dort einen Supermarkt bauen will – schimmert plötzlich das Metall der Kiste direkt im Bauschutt des alten Hauses. Die schwere Schaufel seines Baggers hat sie an das Tageslicht befördert. Zu diesem Zeitpunkt ahnt Johann Schumacher noch nicht, dass er auf einen „Schatz“ gestoßen ist.

Dass es sich bei der mit zwei eisernen Klammern verschlossene Kiste um einen ehemaligen Munitionsbehälter aus Militärbeständen handelt, ist dem Altenoyther Landwirt sofort klar. Solche Kisten hat er früher als Kind schon einmal gesehen. „Da war damals noch scharfe Munition drin. Überbleibsel aus dem zweiten Weltkrieg“, erinnert sich Schumacher. Manchmal werden darin Handgranaten transportiert. Oder Munitionsgurte.

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Die Kiste aus Schumachers Bauschutt ist mit Code-Zahlen in weißer Farbe beschriftet. Und der Aufschrift „TNT“. Ein Hinweis auf Sprengstoff. Vermutlich stammt sie aus kanadischer Hinterlassenschaft. Denn alliierte Truppen aus Kanada ziehen im April 1945 durch Altenoythe, nachdem sie zuvor Friesoythe erobern und zerstören und nun unmittelbar am Haus Schumacher vorbei weiter zum strategisch wichtigen Küstenkanal vordringen.

Johann Schumacher kann die Kiste problemlos öffnen. Der Zahn der Zeit hat zwar etwas am Blech genagt. Rostige Stellen finden sich aber nur hier und da. Der hochgeklappte Deckel gibt den Blick frei auf ein Vermögen. Jedenfalls ist es das damals, in der Zeit zwischen dem Ende des zweiten Weltkrieges und der Währungsreform im Jahre 1948. Vermutlich wird der geheime Geldtresor während dieser Zeit irgendwo im Schumacher-Haus sicher versteckt. „Vielleicht ist er eingemauert worden“, mutmaßt Johann Schumacher.

Die Metallkiste ist fast bis an den Deckelrand voll gestopft mit Reichsmark. Die Scheine sind gebündelt. Zehner, Zwanziger, Fünfziger, Hunderter, Tausender. Immer zehntausend Reichsmark sind mit Gummibändern zu kleinen Päckchen verschnürt, die in alten Papiertüten stecken. Dazwischen liegen einige Geldscheine der „Alliierten Militärbehörde“ aus dem Jahr 1946. Sie sind damals 100 Mark wert. Alle Scheine sind trocken und sehr gut erhalten. Die mit akkurater Hand verfasste Aufschrift auf den Tüten lautet: „10 000 RM“. Johann Schumacher kennt solche hellbraunen Papiertüten noch aus dem elterlichen Laden: „Das waren früher Zwei-Pfund-Tüten für lose Ware wie Zucker oder Mehl.“

Gezählt hat er noch nicht. Doch es dürften mehrere hunderttausend Reichsmark sein, die da in der Blechkiste aufgestapelt sind. Woher das Geld stammt, wer es in die Kiste gesteckt hat und den Behälter an einem sicheren Ort im Haus verwahrte, ist Schumacher völlig unbekannt. Waren es seine Eltern? Oder haben die Großeltern das viele Geld gehortet? Wenn sie es waren, haben sie ihr Geheimnis mit ins Grab genommen.

Die Großeltern Johann und Johanna Schumacher sterben in den Fünfzigern. Schumachers Vater Gerhard stirbt vor gut zehn Jahren und Mutter Bernardine im Alter von 78 Jahren vor zwei Jahren. Sie wohnt bis zuletzt in dem jetzt abgerissenen Haus, in dem auch Johann Schumacher bis vor sechs Jahren lebt: „Meine Eltern haben nie etwas gesagt. Vielleicht haben es die Großeltern versteckt. Das Geld hat jedenfalls die Jahrzehnte völlig unbeschadet überstanden.“

Für Johann Schumacher hat der Fund aus den Trümmern Erinnerungswert. Einen hohen zwar, aber viel mehr nicht. Unter Sammlern haben diese alten Reichsmarkscheine allerdings einen gewissen monetären Wert. In Internetauktionshäusern wird damit ein schwunghafter Handel getrieben.

Würde man hingegen die Reichsmark aus der Altenoyther Blechkiste zum 10:1-Kurs der Währungsreform vom 20. Juni 1948 in DM tauschen, käme umgerechnet eine erkleckliche Eurosumme zusammen: Aus 10 000 Reichsmark würden 1000 DM. Und das macht etwa 510 Euro.

Wohlgemerkt: Ein wahrer „Schatz“ – ganz ohne eingerechnete Inflationsraten aus fast 60 Jahren.

Heinz-Josef Laing Friesoythe / Redaktion Münsterland
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