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NWZonline.de Region Cloppenburg Wirtschaft

Seuchengefahr stößt auf großes Interesse

30.01.2018

Thüle Es ist „die“ große Angst aller Landwirte und Tierärzte – die Afrikanische Schweinepest (ASP) und ein möglicher Fall in Deutschland. Um für das schlimmste Szenario gewappnet zu sein informierte der Kreislandvolkverband Cloppenburg zusammen mit dem Kreisveterinäramt und den praktizierenden Tierärzten am Montag im Gasthof Sieger in Thüle zahlreiche Besorgte. Und der Saal platzte aus allen Nähten: Mehr als 300 Interessierte waren angereist, um sich über aktuelle Details zur in Osteuropa grassierenden Viruskrankheit zu informieren.

Dr. Heinz Leßmann, Abteilungsleiter im Veterinäramt des Landkreises Cloppenburg, machte als erstes noch einmal deutlich klar: Auf jeden Fall sei die ASP keine Zoonose, also eine von Tier zum Menschen übertragbare Krankheit. Wildschweinfleisch zum Beispiel könne ohne Probleme gegessen werden. Es helfe keine Impfung, meinte der amtliche Tierarzt Dr. Leßmann, aber es gebe auch keine schnelle Ausbreitung im Bestand, also eine „Buchtenkrankheit“, die einzelne Tiere befalle.

2014 gab es die ersten Fälle in Polen, ab Juni 2017 in Tschechien nur bei Wildschweinen und einen Monat später in Rumänien allerdings nur bei Hausschweinen. Ursachen und Bekämpfung sind schon ausreichend thematisiert. Der Forderung des Bauernverbandes, den Wildschweinbestand um 70 Prozent zu reduzieren, erteilte Dr. Leßmann eine Absage. „Das ist schlechterdings nicht möglich“. Wichtig seien Biosicherheitsmaßnahmen, auch die Einzäunung der Schweineställe und die Optimierung der Kadaverlagerung. Ansonsten drohten, so Dr. Leßmann, Kürzungen der Entschädigung durch die Tierseuchenkasse wie schon bei der Geflügelpest. Eine weitere Lektion der Geflügelpestfälle sei das strikte Einhalten des Transportverbotes für tote Tiere.

Bei einem Pestfall zum Beispiel in Cappeln wären in der Restriktionszone, die immer mindestens 15 Kilometer betrage, 1286 Betriebe mit 1,15 Millionen Schweinen und alle fünf Großschlachthöhe mit einer Kapazität von 200 000 Schweinen wöchentlich betroffen. Ein Transport sei dann fast ausgeschlossen; täglich müssten 10 000 Schweine klinisch getestet und das Blut untersucht werden. „Das wäre logistisch kaum möglich – zudem fehlen die Laborkapazitäten“, meinte Dr. Leßmann.

Der die Versammlung leitende Martin Roberg (Essen), stellvertretender Vorsitzender des Cloppenburger Kreislandvolkverbandes, sieht beispielsweise auch ein Risiko bei Werkvertragsarbeitern – in Sögel, Garrel, Essen, Cloppenburg, Lohne, Vechta und Bakum arbeiten mehr als 10 000 Beschäftigte – die zum Wochenanfang aus Rumänien, Polen oder Ungarn in die Region zurückkehren. „Hoffentlich bringen die keine infizierte Nahrung in Form zum Beispiel eines Wurstbrotes mit“, hoffte Roberg.

So ähnlich sahen es auch Diskussionsteilnehmer in Thüle. „Die Dänen kontrollieren uns genau an der Grenze, da müssen wir doch wenigstens die Lkw aus Polen genau unter die Lupe nehmen“. Dem Gerücht, bei der Tierkörperbeseitigungsanlage in Kampe würde infiziertes Fleisch aus Polen angeliefert, widersprach Dr. Leßmann aber.

Die Schlachtereien wissen nicht, ob sie im Falle einer Afrikanischen Schweinepest (ASP) noch schlachten dürfen und sind dabei, für den Fall der Fälle Korridore festzulegen. Jäger warten auch genaue Anweisungen zur Bejagung von Wildschweinen und die Schweinemäster spüren die Folgen schon hautnah in Form der augenblicklich mit 1,30 Euro/kg sehr niedrigen Schweinepreise. Durch die Unsicherheit geht die Nachfrage schon zurück.

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