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NWZonline.de Region Cloppenburg Wirtschaft

Vom langen Weg zum Eisen

01.09.2015

Friesoythe Von Beginn der Eisenzeit (klassische Zäsur: 18. Jahrhundert v. Chr.) an bis ins 13. Jahrhundert sei der Rennofen die einzige Methode zur Eisenherstellung gewesen, erklärt Jannis Scholz. Rennöfen habe es in verschiedenen Formen gegeben, die chemischen Prozesse seien aber immer die gleichen gewesen. Wie ein Rennofen funktioniert und wie dabei Eisen aus Eisenerz gewonnen werden kann (Verhüttung), wird der 31-jährige Schmied am Freitag, 18. September, im Rahmen des Eisenfestes präsentieren. Gegen 20 Uhr wird er in der Stadtmitte eine Rennofenverhüttung demonstrieren.

Parallel entwickelt

Scholz kommt gebürtig aus Bremen-Vegesack. Gewohnt hat er die vergangenen Jahre in Kayhauserfeld (Bad Zwischenahn). Seit drei Monaten lebt er in Friesoythe. Seine Werkstatt an der Burgstraße 21 betreibt er seit einem Jahr. Dort stellt er historische und moderne handgeschmiedete Schwerter und Messer her. In der Werkstatt wird er beim Eisenfest unter anderem Wootzstahl herstellen. Dabei handelt es sich um Stahl, der im Tiegel geschmolzen wird.

Wie Scholz erklärt, habe es ab dem 13. Jahrhundert erste Versuche in der Entwicklung moderner Hochofentechnologien gegeben. „Dabei wurde das Eisen völlig aufgeschmolzen“, sagt er. Parallel zu den Brennöfen seien im 17./18. Jahrhundert Stück- und Floßofen entwickelt worden. Im 18. Jahrhundert kamen dann die modernen Hochöfen. „In ländlichen Regionen wurde der Rennofen aber immer noch verwendet“, sagt Scholz.

Doch was genau ist eigentlich ein Rennofen? „Der Rennofen ist ein einfacher Schachtofen aus Lehm, Sand und einer organischen Faser“ – zum Beispiel Stroh, wie es Scholz verwendet. „Der Ofen, den ich verwende, ist etwa einen Meter hoch. Auf dem Eisenfest werde ich ihn ein bisschen größer bauen“, sagt der 31-Jährige.

Er erklärt, wie ein Rennofen funktioniert: „In den unteren Teil wurde mit einem Blasebalg Luft hineingeblasen.“ Bestückt werde der Ofen mit Brennstoff und Erz, schichtweise von oben. Im Laufe der Ofenreise sacke die Bestückung nach unten. Das dauere Stunden. So kommen die Verbrennungsgase nur mit dem Bestückungsgut im unteren Teil des Ofens in Berührung. Bei der Verbrennung werde viel Kohlenmonoxid hergestellt.

Dieses, so Scholz, regiere mit dem Eisenerz, das aus Eisenoxid und Silikat besteht. „Das Kohlenmonoxid entzieht dem Eisenoxid Sauerstoff. Das ist praktisch wie Rosten rückwärts“, erklärt er und lacht. Die Reduzierungsreaktion erfolge bei 1250 bis 1300 Grad Celsius. „Bis jetzt ist die chemische Reaktion die gleiche, wie bei modernen Öfen“, so Scholz.

Der Knackpunkt sei aber, dass das Eisen niemals flüssig werde. Die Eisenoxide reduzierten zu Eisenpartikeln, die „aneinanderbacken“. Der verbackene Eisenschwamm (Luppe) sei noch stark verunreinigt.

So müsse die Luppe im Schmiedeofen bei 1100 bis 1200 Grad Celsius wieder erhitzt und mit leichten Hammerschlägen kompaktiert werden.

Reste ausgetrieben

Dabei werden Schlacken- und Holzkohlereste ausgetrieben. Das Stück werde dann in die Länge getrieben, eingekerbt, gefaltet und mit sich selbst feuerverschweißt. „Durch das ständige Wiederholen wird es gereinigt. Das Resultat ist Raffinierstahl“, erzählt der Schmied.

Die Luppe, die am 18. September entsteht, soll in das Projekt der anwesenden Wandergesellen (die NWZ  berichtete) eingearbeitet werden. Diese werden Scholz auch an dem Tag unter die Arme greifen. Sonst mache dies sein Kollege Timm Esemann aus Oberndorf. Auch in seiner Werkstatt wird Scholz an einem Tag des Eisenfestes eine Luppe ausraffinieren.

Tanja Mikulski
Friesoythe
Redaktion Münsterland
Tel:
04491 9988 2902

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