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NWZonline.de Region Cloppenburg Wirtschaft

TRADITION: Von Ungerechtigkeit und „Leichenklau“

29.06.2009

EMSTEK Wenn am Sonnabend nach Johanni Kanonenschüsse am Desum die Luft zerreißen, dann tagt das ehrwürdige Gogericht.

Wie in ewigen Zeiten fragt der Gograf Willibald Meyer, ansonsten Bürgermeister von Goldenstedt, die Schöffen: „Ist es Stund’ und Stelle, hier ein offenes Ding zu hegen?“ Die klare Antwort des Urteilsweisen Josef Emke: „Des Rechts zu pflegen, kommen wir bei Mittagshelle, um ein offenes Ding zu hegen. Beides ist es, Stund’ und Stelle.“

So ging es in diesem Jahr um die Frage der Kostenübernahme beim Beseitigen von Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg. Rechtsanwalt Ferdinand Wehage, Oldenburg, trug die „zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit“ dem Gericht und den rund 300 Besuchern vor. Der Anwalt berichtete unter anderem von einem Fall, bei dem für das Beseitigen des Blindgängers der Wintergarten abgerissen und ein Loch ins Fundament des Hauses gebohrt werden musste. Der entstandene Schaden von 50 000 Euro musste der Eigentümer tragen: „Die Beseitigung der Altlasten des Zweiten Weltkrieges auf Kosten der Bürger ist eine zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit“.

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Die Schöffen sprachen von einer nicht nachvollziehbarer Regelung, von „kleinkrämerhaften Verordnungen“. Das Urteil: Der Bürger muss befreit werden von dem Druck des drohenden Ruins, wenn Kriegsmunition auf seinem Grundstück gefunden werde.

Der historische Fall der Gerichtssitzung wurde von der Theatergruppe und den Heimatfreunden aus Goldenstedt gestaltet. Vechta und Barnstorf stritten sich um den Leichnam eines Erhängten. Im Streitgespräch standen sich mit wüsten Beschimpfungen die Drosten zu Diepholz und Vechta gegenüber. Die Bürger der Ämter heizten mit Zwischenrufen die Stimmung auf dem Desum an. Bis plötzlich ein Reiter durch das Unterholz brach und die Kunde vom Verbrennen des Toten in Vechta brachte. „Die Vechteer un Gollensteer häbt vollendete Tatsachen geschaff.“ „Krieg! Krieg!“, riefen die Barnstorfer und Diepholzer. Für die Schöffen und den Urteilsweisen konnte es nur ein Urteil geben: „Wo nichts mehr ist, hat der Kaiser sein Recht verloren.“

Gograf Willibald Meyer verwies in seiner humorvollen Ansprache auf heutige Fälle von „Leichenklau“. Der gestohlene Leichnam des Milliardärs Friedrich Karl Flick oder der des 13-jährigen Mädchens aus Wildeshausen im vergangenen Jahr, seien Beleg dafür, dass der 360 Jahre alte Fall noch Aktualität besäße.

Mehr Bilder unter: www.NWZonline.de/

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