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NWZonline.de Region Cloppenburg Wirtschaft

Widerstand erweist sich als goldrichtig

28.05.2013

Thülsfelde „Die Vielfalt ist nicht mehr da“, hatte Knut Tholen im Dezember 2010 beklagt. Unzählige Fische waren verendet, als die Niedersächsische Landesbehörde für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) wegen eines drohenden Dammbruchs das Wasser aus der Talsperre ablaufen lassen musste. Heute, vier Jahre nach dem „Super-GAU“ für die Tierwelt, sagt Knut Tholen: „Der Bestand ist nahezu auf dem Stand wie vor der Absenkung.“

Tholen, Hauptgewässerwart beim Fischereiverein für den Bezirk der Friesoyther Wasseracht, kann sich wieder an das Ufer der Talsperre setzen und seine Angeln auswerfen. Das Gewässer habe sich gut erholt. Auch die Zählungen beim Elektrofischen – dabei werden nach Angaben von Knut Tholen keine Tiere verletzt – hätte die deutliche Erholung des Fischbestandes bestätigt. Dazu beigetragen hat das drei Jahre lang währende Angelverbot in dem Gewässer: Erst seit dem 1. Januar 2012 ist die Talsperre wieder für Angler geöffnet.

Zwar habe Tholen noch nicht alle Fangmeldungen aus dem vergangenen Jahr gesehen, aber: „Die ganze Bandbreite an heimischen Fischarten ist vertreten.“ Raubfische wie Zander oder Hecht („schöne Exemplare“, so Knut Tholen) wurden ebenso gefangen wie Karpfen, Schleien, Brassen oder Rotaugen.

Auch der eine oder andere Wels lebt in der Talsperre. Zwei prachtvolle Exemplare – 2,5 Meter lang und um die 100 Kilogramm schwer – konnte Knut Tholen 2009 entdecken, als das Wasser abgelaufen war. „Die leben immer noch in der Talsperre“, ist sich der 47-jährige Tholen, selbst passionierter Angler, sicher.

Zwischen 60 000 und 80 000 Euro schätzt Knut Tholen die finanziellen Belastungen, die der Fischereinverein für den Bezirk der Friesoyther Wasseracht und der Landesfischereiverband Weser Ems – sie bilden zusammen die Fischergemeinschaft Thülsfelder Talsperre – durch die Trockenlegung der Talsperre zu verkraften hatten. Zum einen konnten keine Erlaubnisscheine an Angler verkauft werden, zum anderen sind Fische hinzugekauft worden, um den Fischbestand möglichst schnell wieder aufzubauen. Vor allem Weißfische wie Zander oder Barsche seien zugekauft worden.

„Auf so etwas kann ich in Zukunft gerne verzichten“, erinnert sich Tholen an 2009. Um Fische und Muscheln zu retten, rief die Fischereigemeinschaft Thülsfelder Talsperre zur großen Hilfsaktion auf.

Hunderte Helfer waren gekommen, um Teichmuscheln und Kleinfische wie den Bitterling, die von dem Erstickungstod bedroht waren, aus der trocken gelegten Talsperre zu retten. Für viele Fische kam die Hilfe zu spät. Sie verendeten im Schlick, andere wurden ein leichter Fang für die Kormorane.

Auf eine Entscheidung ist Knut Tholen heute noch stolz: Dem Drängen von offizieller Seite, den noch vorhandenen Fischbestand aus der Talsperre zu nehmen, widersetzte er sich vehement. Die Befürchtung war, dass der Sauerstoffgehalt im Wasser absacken könnte und die Tiere verenden. „Die Entscheidung war goldrichtig“, sagt Tholen heute. Denn so blieb „80 Jahre altes Genmaterial“ (Tholen) in dem Gewässer. Positiv wirkte sich die Frischwasserzufuhr durch die querende Soeste aus. Die entstandenen Tümpel verkrauteten zudem sehr stark. „So hatten die Krautlaicher gute Möglichkeiten, sich zu vermehren“, findet Tholen vier Jahre nach dem Super-GAU positive Aspekte. Er selber jedenfalls sei 2009 nicht zum Angeln gekommen. Heute hat er wieder mehr Zeit dafür. „Die Talsperre ist ein wunderschönes Fleckchen dazu“, sagt Knut Tholen.

Reiner Kramer
stv. Redaktionsleitung Friesoythe
Redaktion Münsterland
Tel:
04491 9988 2901

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