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NWZonline.de Region Cloppenburg Wirtschaft

„Zölibat kein Auslöser für Pädophilie“

18.08.2010

STAPELFELD Über das Thema „Sexueller Missbrauch in der Kirche“ haben jetzt rund 100 Interessierte aus allen Altersgruppen und Bevölkerungsschichten im Rahmen der „Unglaubensgespräche“ in der Katholischen Akademie Stapelfeld diskutiert. Bewusst hatte der Leiter der Runde, Pfarrer Dr. Marc Röbel, die Cloppenburger Psychiaterin Dr. Martina Weiler-Berges als Referentin mit ins Boot geholt.

Denn beim Thema Missbrauch werde vieles in einen Topf geworfen, was differenziert gehöre, hieß es. So war denn eine der zentralen Fragen: Was genau versteht man unter Pädophilie?

Belastender Impuls

Die Wissenschaft spreche hier von einer Abweichung in der Sexual-Präferenz, erläuterte Weiler-Berges. Ein pädophil veranlagter Mensch erlange eine Befriedigung seines Sexualtriebes ausschließlich mit Kindern. Und er empfinde diesen Impuls aufgrund seines Unrechtsbewusstseins und der gesellschaftlichen Ächtung meist als extrem belastend. Die Ursachen für diese Störung seien noch unklar. Fest stehe allerdings, dass die Veranlagung schon lange vor der Geschlechtsreife des Betroffenen da sei. Eine Heilung gebe es nicht. Therapien zielten auf das Erlernen einer Verhaltenskontrolle ab.

Kann das Pflichtzölibat der katholischen Kirche ein auslösender Faktor für Pädophilie sein? Dafür gebe es keine Anhaltspunkte, erklärte die Ärztin. Denkbar sei aber, dass manche Betroffene den Priesterberuf wählten, weil sie sich von den Regeln und dem Enthaltsamkeitsversprechen eine Hilfe bei der Bewältigung ihrer Neigung erhofften. Dass allerdings in der katholischen Kirche deshalb mehr Pädophile zu finden seien als in anderen Berufsgruppen, dafür gebe es keine Belege.

Weiler-Berges stellte zudem klar, dass das Problem des Kindesmissbrauchs nicht mit Pädophilie allein zu erklären sei. Im Gegenteil. Mindestens 60 Prozent – geschätzt aber sogar bis zu 90 Prozent – aller Missbrauchsfälle würden nicht von Pädophilen begangen, sondern von „normal“ veranlagten Männern, deren sexuelle Orientierung sich eigentlich auf Erwachsene richte. Sie missbrauchten Kinder als Ersatzobjekt. Man spreche hier, so die Expertin, von sadistischen Tätergruppen, die Machtpositionen und Abhängigkeitsverhältnisse ausnutzten. Hier gehe es nicht um sexuelle Befriedigung, sondern um Gewalt, um Machtausübung.

„Kirche muss dazulernen“

Was macht jetzt die Kirche? „Sie musste dazulernen und will auch dazulernen“, antwortete Pfarrer Röbel. Früher sei aus Angst um Glaubwürdigkeit und Amtswürde vieles vertuscht worden, auch weil man die heute erforschten Hintergründe nicht gekannt habe. Inzwischen stehe die Opferperspektive im Vordergrund. Die Kirche versuche, der Offenheit Raum zu geben, um Geschehenes aufzuarbeiten. Nachdem in Irland und in den USA vergleichbare Skandale für Aufsehen gesorgt hatten, habe die katholische Kirche in Deutschland schon vor einigen Jahren die psychologische Betreuung für Priesteranwärter verstärkt. Zudem werde für jeden Bewerber ein Eignungs-Gutachten erstellt.

Wünschenswert, so Röbel, sei aber auch eine Begleitung auf dem weiteren Weg, mehr Kommunikation zu offenen Fragen. Dazu der Geistliche wörtlich: „Wer andere Menschen seelsorglich begleiten will, muss sich selbst begleiten lassen.“

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