DELMENHORST - In der Regel sind es Pöbeleien und verbale Attacken, die viele der rund 120 Mitarbeiterinnen des Jobcenters (ehemals Arge) über sich ergehen lassen müssen. Doch manchmal kommt es härter, so wie am Mittwoch. Ein junger Mann flippte während eines vereinbarten Beratungsgesprächs mit seiner Fallmanagerin regelrecht aus und verwüstete das Büro. Den Computer-Bildschirm warf er auf den Boden, schmiss einen Tisch um. Papiere und ein Blumentopf flogen durch die Gegend. Der Anlass war eine Nichtigkeit, die Rechnung eines Energieversorgers. Als die Mittdreißigerin den Langzeitarbeitslosen darauf hinwies, dass er sich damit an die Leistungsabteilung wenden müsse, kam es zum Eklat. Die Fallmanagerin blieb, wenn man von den seelischen Blessuren absieht, körperlich unverletzt. Ihren Arbeitsalltag setzte sie nach kurzer Pause fort. Am Mittag ging sie dann nach Hause.
„Die Polizei war da. Gegen den Kunden haben wir ein Hausverbot ausgesprochen, Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs, Sachbeschädigung und Beleidigung gestellt“, berichtete Jobcenter-Geschäftsführer Siegfried Dreckmann. „Diese Form von Sachbeschädigung hatten wir in einem Büro noch nicht.“ Der 56-Jährige nimmt die Sache nicht auf die leichte Schulter, stellt ein Klima der Respektlosigkeit und mangelnder Wertschätzung der Kunden gegenüber seinen Mitarbeitern fest: „Das ist natürlich nicht die Regel. Aber ein Teil unserer Kunden verhält sich so.“
Eingeschlagene Feuermelder, zerstochene Reifen von Außendienst-Fahrzeugen, eine eingeschlagene Eingangstür, Beschimpfungen und Beleidigungen bis hin zur echten körperlichen Gewalt: Das alles gehört zwar nicht zum Alltag in den Räumen und Fluren des Jobcenters, kommt aber laut Dreckmann viel zu häufig vor. Erst vor drei Monaten sei ein Kunde „völlig ausgerastet“, vor einigen Jahren habe es eine Messerattacke auf eine Mitarbeiterin gegeben. „Ich höre von einem Kollegen aus Oldenburg, dass es so etwas dort nicht gibt“, sagt Dreckmann. Obwohl es sich nicht um ein spezifisch Delmenhorster Problem handele.
Prinzipiell glaubt der Delmenhorster Jobcenter-Geschäftsführer an ein deutschlandweites Imageproblem seiner Behörde, die auch von vorgesetzter Stelle erkannt und bearbeitet werden müsse. Seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiterhin einer latenten Gefahr aussetzen will er jedenfalls nicht – und sie ermuntern, sich bei der geringsten Verunsicherung beim Umgang mit einem Kunden Hilfe zu holen.
