Damme - Am gestrigen Freitag hat die Schweinebörse der Interessengemeinschaft der Schweinehalter (ISN) mit Sitz in Damme ungewohnte Signale gesendet. Seit Wochen steigt der Schweinepreis – gestern fiel er sogar an der kleinen Börse leicht auf 1,88 Euro/kg Schlachtgewicht. Und nicht alle Partien wurden abgesetzt. In der vorigen Woche waren gar bis zu 1,92 Euro/kg gezahlt worden.
„Ja, es kann sein, dass jetzt vorläufig keine Steigerungen am Markt zu erzielen sind“, meint Matthias Quaing, Marktexperte der ISN. Aber aufschlussreicher sei der Börsen-Preis am Dienstag. Die ISN bietet für ihre Mitglieder zweimal in der Woche jeweils um die 3000 Schweine in bis zu 20 Partien an.
Offiziell wird der Schweinepreis von der Vereinigung der Erzeugergemeinschaften (VEZG) jeweils am Mittwoch festgelegt. 1,80 Euro/kg ist die aktuelle Notierung. Vor ein paar Wochen waren das noch 1,36 Euro/Kg.
Wer nun meint, die deutschen Schweinemäster würden hohe Gewinne machen, täuscht sich. Die jetzigen Partien sind gut gelaufen. In den nächsten Wochen sieht es anders aus.
42 Euro hat der Mäster bei jetzt 1,80 Euro/kg Schlachtgewicht mehr auf dem Konto. Aber 36 Euro muss er jetzt mehr fürs Ferkel zahlen. Die Ferkel wurden gestern mit 64 Euro/25 kg gehandelt; mancherorts werden gar schon 68 Euro gezahlt. Der Rest des Überschusses geht künftig für höhere Futterkosten und die Nährstoff-Melaise drauf.
Die scheinbaren Gülle-Überschüsse führten dazu, dass die Ackerbauern im Osten Niedersachsen ihre Preise erhöhten, wenn sie die Gülle aus den Schweine-Hochburgen Cloppenburg, Vechta und Emsland – mit der Hälfte der Produktion und der Schlachtungen in Niedersachsen – abnahmen. Der eine oder andere Schweinemäster hat dann aber auch zum Abbau des Nährstoff-Überschusses zwei statt drei Durchgänge an Schweinen gefüttert.
Das wiederum führte zu den höheren Notierungen, denn den Schlachtereien fehlen Schweine. In den letzten Jahren wurden bis Mitte Mai 19,5 Millionen Schweine geschlachtet, in diesem Jahr wurden noch 18,4 Millionen an den Haken gebracht.
Vor allem die Sauenhalter haben bittere Zeiten hinter sich. Im Herbst wurden gerade einmal 28 Euro gezahlt. Seither ist der Preis sogar im Norden um fast 130 Prozent gestiegen. Jetzt werden lange Bestelllisten geführt.
Gleichzeitig stieg der Schweinepreis deutlich an. Zum Jahreswechsel war er – 17 Wochen lang – festgezurrt auf 1,36 Euro/kg Schlachtgewicht. Nichts bewegte sich.
Dann wirkte sich die steigende Nachfrage aus China aus. 250 Millionen Schweine mussten dort in Folge der Afrikanischen Schweinepest (ASP) getötet werden. Zwei Euro pro Kilogramm wird in China derzeit für Schweinefleisch gezahlt. Abgerechnet wird nach Lebendgewicht (das sind rund 120 kg gegenüber rund 96 kg Schlachtgewicht).
Ist bei 1,80 Euro/kg Schluss? „Es kann durchaus noch bis zu zwei Euro gehen“, meint Quaing. Die ISN-Schweinebörse als Trendsetter zeigt das nicht an. „Aber wir sind auch eher das Barometer“ meint er. An der Börse seien ja schon bis zu 1,92 Euro/kg gezahlt worden – „da fehlen doch nur noch acht Cent“.
