Damme - Einen solch bunten Menschenauflauf erlebt man in der Dammer Innenstadt sonst nur in der fünften Jahreszeit. Unter dem Motto „Je bunter, desto besser – warum ist ,anders’ nicht normal?“ zogen rund 1400 Schüler des Gymnasiums Damme am Internationalen Tag gegen Rassismus durch die Dammer Innenstadt, um gegen Rassismus und Diskriminierung zu demonstrieren. Auch rund 200 Schüler der Hauptschule wohnten der Demonstration und dem anschließenden Bühnenprogramm auf dem Dammer Kirchplatz bei.
Um kurz nach zehn Uhr machte sich die große Traube vom Dammer Schulkomplex mit vielen kreativen, bunten und selbstgebastelten Plakaten auf den Weg Richtung Innenstadt. Alle Jahrgänge des Gymnasiums beteiligten sich an der Demonstration, die im Vorfeld vom Landkreis Vechta genehmigt worden war.
Buntes Treiben
Die Polizei begleitete das bunte und lautstarke Treiben und sorgte für die notwendigen Absperrungen. Um kurz vor elf Uhr erreichten die Schülerschaft und viele Lehrkräfte den Kirchplatz. Dort traten die Rapper „Spax“ (bürgerlich Rafael Szulc-Vollmann), der Slam-Poet Tobias Kunze aus Hannover sowie der Rapper „Drob Dynamic“ (Robert Andjelkovic) aus Berlin ebenso wie der Schulchor des Gymnasiums auf.
„Wenn ich hier von der Bühne am Internationalen Tag gegen Rassismus auf den Kirchplatz schaue, bin ich stolz und freue mich über das außergewöhnliche Engagement unserer gesamten Schulgemeinschaft“, sagte Schulleiter Ludger Kässens.
Podiumsdiskussion
Die Schülervertretung des Gymnasiums hatte die Idee zu der aufsehenerregenden Kundgebung und diese mit Unterstützung der Schulleitung und des Vechtaer Vereins „ContRa“ umgesetzt. Bereits zwei Tage zuvor hatten sie eine Podiumsdiskussion mit einer Islamwissenschaftlerin der Universität Osnabrück sowie Vertretern des Kooperationspartners VfL Osnabrück organisiert. „Wir als Gymnasium Damme setzen heute ein deutliches Zeichen gegen Rassismus und Ausgrenzung“, so Kässens.
Er bedaure es, dass rechtspopulistische und rechtsextreme Positionierungen in der Gesellschaft immer mehr Auftrieb bekämen. Am Gymnasium Damme hätten diese jedoch keinen Platz. „Lasst euch nicht vom Hass und den Vorurteilen einschüchtern und verteidigt unsere bunte, offene und pluralistische Gesellschaft“, forderte Kässens die Schüler auf.
An der Demonstration beteiligte sich auch die Hauptschule Damme. Dessen Schulleiter Jan Runge bedankte sich bei den Schülern und insbesondere bei der Schülervertretung des Gymnasiums für ihren lobenswerten Einsatz. Zugleich ermahnte er alle Schüler, auf ihre täglichen Umgangsformen zu achten.
Deutliche Worte
Auch die Schülervertreter Jan Kruse, Nurcan Köker, Robert Wessel sowie Max David von der Heide richteten deutliche Worte an die Kinder und Jugendlichen aus Damme und Umgebung. Sie bemängelten, dass rassistische Tendenzen im Alltag wieder häufiger zu spüren seien. „Hass ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen“, sagte Nurcan Köker. „In unserer Gesellschaft denken viele zu schwarz-weiß und einfältig.“ Auch sie appellierten, sich diesen Entwicklungen entgegenzustellen. „Greift ein, seht nicht zu und nehmt eine klare Haltung gegen Rassisten ein“, meinte Max David von der Heide.
Kaplan appelliert
Unterstützung erfuhr die Demonstration auch seitens der katholischen Pfarrgemeinde St. Viktor und der Stadt Damme. Bürgermeister Gerd Muhle (CDU) hatte nur lobende Worte für den Einsatz der Schüler übrig. Kaplan Christoph Hendrix appellierte ebenfalls, gegen Fremdenhass aktiv einzuschreiten. „Macht gegen diese gottlosen Idioten den Mund auf“, so seine ungewöhnlich drastischen Worte. Zugleich sparte er auch nicht mit Kritik an der eigenen Kirche und deren Umgang mit homosexuellen Mitmenschen. „Wenn ich jedoch auf euch schaue, hab ich viel Hoffnung für eine bessere Zukunft“, meinte Hendrix.
