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NWZonline.de Region Vechta Gemeinden Damme

„Hoffnungsfunken im Dunklen finden“

25.03.2019

Damme Nachdenklich still ist es in der evangelischen Kirche „Zum guten Hirten“ in Damme, als Titus Müller aus dem Roman „Geigen der Hoffnung – Damit ihr Lied nie verklingt“ liest. „Manchmal findet man selbst im Düstersten noch Hoffnungsfunken“, so Müller. Der Schriftsteller und Preisträger zahlreicher Literaturpreise hat mit der Journalistin Christa Roth dieses Buch geschrieben, das die Geschichte des ehemaligen KZ-Häftlings und Musikers Abram Merczynski erzählt.

Brutale Aufseher

Müller berichtet auch vom Transport der beiden Brüder Marek und Stani, den beiden Hauptprotagonisten des Buches, nach Dachau in das dortige Konzentrationslager. Die Besucher hängen geradezu an seinen Lippen, die manchmal die brutalen Aufseher und dann wieder die ängstlichen Häftlinge imitieren. Marek, der Person Abram Merczynskis nachempfunden, macht sich bereits bei seiner Ankunft den SS-Oberscharführer Köcher zum Feind, der ihn fortan quält und zum Ziel hat, ihn innerlich zu brechen. Bei der Ankunft wird auch sein wichtigster und nahezu einziger verbliebener Besitz, seine Geige, mutwillig zerstört.

Einige Tage später spielt in Dachau das Lagerorchester, das zahlreiche renommierte Musiker in seinen Reihen hatte. Marek, dem die Musik alles bedeutet, findet dies zunächst nur unpassend. Die Schönheit der Musik und die Grausamkeiten des Konzentrationslagers – wie sollte das zusammenpassen? Auf Rat seines Bruders schloss er beim Spielen die Augen und vergaß tatsächlich für einen Moment den Albtraum Dachau.

Kraft der Musik

„Ihm war gar nicht bewusst gewesen, wie dringend sein Inneres Musik brauchte, welchen Hunger er danach verspürte. Es machte aus ihm, der stundenweise nur noch an Brot hatte denken können, wieder einen Menschen“, lauten die bewegenden Zeilen Müllers zu diesem Abschnitt. Sie spiegeln die Kraft der Musik wider, welche diese in den Menschen auslösen kann.

Im Buch ist Marek später sogar Teil des Orchesters. Ob der mit der Gefangenennummer 95101 in Dachau inhaftierte Merczynski tatsächlich in dem Lagerorchester gespielt hat, wie es ein Zeitzeuge Müller berichtete, lässt sich heute nicht mehr belegen.

„Violins of Hope“

Ein halbes Jahrhundert später beugt sich der israelische Geigenbauer Amnon Weinstein über eine zerkratzte und verfärbte Geige. Mehr als 60 Streichinstrumente verfolgter Juden hat er wieder zum Klingen gebracht, er nennt sie „Violins of Hope“ (Geigen der Hoffnung). In den größten Konzertsälen der Welt werden sie heute gespielt. Über Umwege gelangte auch die „Dachau-Geige“ zu Weinstein. Für sein Engagement wurde Weinstein, der nahezu seine gesamte Familie im Holocaust verlor, Ende 2016 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Im Publikum saß auch Titus Müller, der in seinem Roman die Geschichte einer seiner restaurierten Geigen eindrucksvoll und emotional packend erzählt. Die Journalistin Christa Roth, die hierfür Weinstein mehrmals besuchte, berichtet in dem Buch derweil über die wahre Geschichte der „Geigen der Hoffnung“.

Auch Müller hat für das Buch Stunden in den Archiven des ehemaligen Dachauer Konzentrationslagers verbracht, mit Zeitzeugen gesprochen und Tagebücher gelesen. „Irgendwann ging es so weit, dass ich geträumt habe, dass ich selbst im Konzentrationslager inhaftiert wäre.“ Müller ist es wichtig, über die persönlichen Schicksale der Überlebenden zu berichten. „Dass die Instrumente heute wieder spielen, zeigt eindeutig, dass die Nazis nicht gewonnen haben.“

Emotional berührend

Musikalisch wurde die Lesung durch das Vechtaer Ensemble „Dreiklang“ um Holger Lorentz (Akkordeon), Fritze Winnacker (Kontrabass) und Rainer Wördemann (Klarinette) umrahmt. Neben Musikstücken aus dem Film „Schindlers Liste“ präsentierte es auch das „Hebräische Lied“, das im Buch Marek seinem sterbenden Bruder Stani auf seiner Geige vorspielt. Zum Abschluss der emotional berührenden Lesung verabschiedete das Ensembletrio die Besucher mit fünf eher fröhlich wirkenden Werken der jüdischen Musikkultur.

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