Damme/Lorup - Jeden Dienstag und jeden Freitag schauen alle Schweinemäster nach Damme und beobachten die Bewegungen an der Schweinebörse der ISN. Ähnlich wie bei ebay, werden hier Partien Schweine ersteigert. Gestern ergab sich erneut ein Durchschnittspreis von 1,73 Euro/kg. Am 12. Juli wurden erstmals 1,73 Euro/kg gezahlt, danach 1,71, aber seit zwei Wochen wieder 1,73 Euro/kg.
2775 Schweine aus Haren, Steinfeld, Damme oder auch Delbrück wurden gehandelt, an der Spitze wurden 1,745 Euro/kg vereinbart. Eine Partie von der Schlei verdarb die Hoffnung auf einen höheren Durchschnittspreis, denn die meisten Partien gingen gestern für 1,74 Euro/kg weg. So wird für diese Woche ein leichtes Plus bei den ohnehin hohen Schweinepreisen erwartet.
Doch woher kommen die guten Preise? Bernd Terhalle, Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft für Qualitätsvieh Hümmling mit Sitz in Lorup, hatte schon vor sechs Wochen die Kontakte zu den Großhändlern und Einkäufern so gedeutet, dass die Inlandsnachfrage keineswegs der Grund für die guten Preise sein könne.
Jetzt aber wurden die Zahlen des chinesischen Imports bekannt: Schweinefleisch und Schlachtnebenerzeugnisse wurden im ersten Halbjahr 2016 doppelt so viel am Weltmarkt gekauft wie im Vorjahreszeitraum. China selbst schlachtete mit 319,6 Mio. Schweinen 4,4 Prozent weniger. Besonders dynamisch wuchs die Einfuhr von frischem und gefrorenem Schweinefleisch um 138 Prozent. Deutschland konnte seine Position als führender Lieferant behaupten und seine Verkäufe um 84 Prozent auf 153 600 Tonnen ausweiten. „Die Auslandsnachfrage bestimmt den Preis in Deutschland“, hat Ulrich Pohlschneider, Marktexperte der Interessengemeinschaft der Schweinehalter (ISN) in Damme, jetzt als einzige Erklärung der Schweine-Hausse erkannt.
Die statistischen Zahlen der Tierhaltung sind nur Schätzungen, aber die Meldungen der Tierseuchenkasse sind seit Jahren realistisch. Im vergangenen halben Jahr gaben 700 Betriebe die Schweinehaltung auf; 150 000 Schweine werden allen in Niedersachsen weniger gehalten. Das sind nur 1,4 Prozent – aber sie bestimmen den Preis.
Genauso ist es mit den Schlachtzahlen. Im Moment werden Woche für Woche 950 000 Schweine geschlachtet; rund 200 000 weniger als üblich. Das sind 0,6 Prozent – aber sie bestimmen den Preis.
An vielen Fronten wird derzeit zudem darum gekämpft, dass die Russische Föderation den im August 2014 verhängten Importstopp für Agrarprodukte wie Fleisch und Gemüse aufhebt. Sollte das gelingen, könnten wieder Preise von 1,93 Euro/kg Schweinefleisch wie zuletzt 2013 möglich sein. Allerdings: Bisher war es so, dass hohe Preise zu größeren Mastanstrengungen führten und in der Folge der Preis wieder absackte.
