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Unfall Beim Ahlhorner Dreieck
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NWZonline.de Region Delmenhorst

250 Betten für verwundete Soldaten

11.04.2014

Delmenhorst Vieles bleibt im Verborgenen, geheimnisumwoben, viele Fragen in der Recherche offen. Die Rede ist vom Lahusen-Lazarett, das die Geschichte Delmenhorsts im 1. Weltkrieg mitgeprägt hat und als ehemaliges Kinderheim zur Nordwolle gehörte. Die Wollkämmerei stellte nach einem Bericht des Gendarmerie-Oberwachtmeisters Götze vom 25. August 1914 an den Stadtmagistrat ihr Kinderheim mit 250 Betten (200 Betten für verwundete Unteroffiziere und Gemeine und 50 Betten für Offiziere) als Lazarett zur Verfügung, schreiben Albert Cecchia und Jürgen Gaffkus in ihrem Aufsatz „Das Lahusen-Lazarett in Delmenhorst im 1. Weltkrieg“ (1997).

Ehemaliges Kinderheim

Das besagte Kinderheim II wurde wegen seiner Kapazität als Lazarettstandort gewählt, aber wohl auch, weil der damalige Inhaber der 1884 gegründeten Norddeutschen Wollkämmerei & Kammgarnspinnerei, Carl Lahusen, ein großzügiges Angebot gemacht hatte, so die Vermutung der Autoren. Der Delmenhorster Heimatforscher Georg von Lindern behauptet sogar, Lahusen habe das Lazarett auf eigene Kosten unterhalten, was einen Rückschluss auf die Namengebung zulässt, schreiben Cecchia und Gaffkus.

Das besagte ehemalige Kinderheim II war 1910 an der Heimstraße errichtet worden, nachdem das erste Kinderheim der Nordwolle, das 1886 durch den Ausbau eines Arbeiterwohnhauses entstanden war, nicht mehr genügend Platz bot. Häufig heiße es in der einschlägigen Literatur, das Lahusen-Lazarett sei im Mädchenheim der „Wolle“ untergebracht gewesen, doch Nachforschungen im Archiv des Oberkirchenrates, die Zeitungsreportage aus den Delmenhorster Nachrichten „Eine Stunde im Lahusen-Lazarett“ vom 16. Dezember 1914 sowie eine Fotopostkarte mit einem Gruppenfoto (siehe Bild) vor der hellen Hinterfront des Kinderheimes (das Mädchenwohnheim war ein roter Klinkerbau) würden dem widersprechen, so Cecchia und Gaffkus. Räumlichkeiten des Mädchenheims wie der Speisesaal sollen allenfalls für gesellige Veranstaltungen mitgenutzt worden seien.

„Stadturlaub“

Das Leben der Verwundeten spielte sich im wesentlichen auf dem Lazarettgelände, im Gebäude selbst oder in dem sich dahinter befindlichen recht großen Park ab, beschreiben Cecchia und Gaffkus in ihrem Aufsatz. Die Patienten, die dazu in der Lage waren, erhielten eine begrenzte Ausgeherlaubnis bzw. „Stadturlaub“, laut der Zeitungsreportage von 14 bis 17 Uhr. Das bedeutete: Den Soldaten blieben der Kneipen- und Kinobesuch oder sonstige abendliche Unterhaltungsveranstaltungen verwehrt. In einer Zeitungsnotiz vom 4. Dezember 1915 steht: „Von den Verwundeten des Lahusen-Lazaretts geht uns folgende Bitte um Veröffentlichung zu: Da den Verwundeten der Besuch von Theatern und sonstigen Festlichkeiten untersagt ist, bitten sie zur Unterhaltung um Zuwendung von Musikapparaten, Luftgewehren und Unterhaltungsspielen.“ Auch die Besuchszeit war laut Reportage auf drei Tage mit jeweils zwei Stunden begrenzt.

Wann das Lahusen-Lazarett eröffnet wurde ist nicht eindeutig belegt. Es gebe aber Anhaltspunkte, dass es im November 1914 war, schreiben Cecchia und Gaffkus. In einer Anzeige, die am 27. September 1914 in beiden Delmenhorster Zeitungen erschien, ruft Lahusen als Vorsitzender des Zentral-Ausschusses für Kriegshilfe zur „Aufnahme genesender Krieger“ in Privatwohnungen auf. Daraus sei zu schließen, dass das Lazarett zu diesem Zeitpunkt noch nicht eröffnet war. Einen weitereren Anhaltspunkt für den November liefere der in der Festschrift des Delmenhorster Turnvereins 1931 veröffentlichte Bericht, dass am 17. November 1914 der erste Verwundete, der Infanterist Staffen, mit dem im Vorjahr angeschafften Automobil der freiwilligen Turnfeuerwehr in das Lahusen-Lazarett gebracht worden ist.

Oberbürgermeister

Weiter heißt es in der Turnfestschrift: „Schwerer Verwundete mußten zuweilen ganz vom Bahnhofe nach dem Lazarett getragen werden. Ja, es kamen einzeln ganze Lazarettzüge direkt aus Frankreich nach hier. So traf am 12. Juli 1916 ein Lazarettzug direkt von der Somme mit 160 Verwundeten hier ein, die sämtlich im Lahusen-Lazarett untergebracht wurden.“ Cecchia und Gaffkus erwähnen, dass zu den Lazarettinsassen auch der damalige Delmenhorster Syndikus und spätere erste Oberbürgermeister (1919 bis 1933) sowie Ehrenbürger Rudolf Königer gehörte, der als Hauptmann der Artillerie im Osten am Fuß verwundet worden war.

Wann genau das Lahusen-Lazarett geschlossen wurde – ob vor oder nach der Aufhebung der Garnison Delmenhorst im März 1919 – sei unbekannt, so Cecchia und Gaffkus. Ab 1930 wurde das Gebäude als Spulerei/Zwirnerei genutzt, schreibt Elke Schaffarzyk vom Arbeitskreis Fabrikmuseum in ihrem Aufsatz „Werkssiedlung Heimstraße und Mädchenheim“. Im 2. Weltkrieg und auch danach soll es u. a. als „Heim“ für Heimatvertriebene, Zwangs- und Gastarbeiter gedient haben. Nach dem Konkurs der Nordwolle wurde es laut Schaffarzyk Mitte der 80er Jahre abgerissen.


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Sebastian Friedhoff Redakteur / Newsdesk
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