Delmenhorst/Ganderkesee - Steigende Zahlen bei der Arbeitsagentur, sinkende Zahlen beim Jobcenter: Eine ungewöhnliche Entwicklung zeichnete das Geschehen auf den regionalen Arbeitsmarkt im Monat Juni aus. Dass die Arbeitslosigkeit im Agenturbezirk (Stadt Delmenhorst und Gemeinde Ganderkesee) zum Erhebungsstichtag mit 4706 Personen unter dem Vormonatswert (4730 Personen) lag, liegt allein an den Angeboten, die das Jobcenter ihrer Kundschaft macht. „Wir haben extrem hohe Abgänge in Maßnahmen“, berichtete am Donnerstag die stellvertretende Jobcenter-Geschäftsführerin Marion Denkmann bei der Vorstellung des Juni-Arbeitsmarktberichts. Die Quote ist im Agenturbezirk gegenüber Mai unverändert geblieben; sie liegt bei 8,4 Prozent (Vorjahresmonat: 8,7 Prozent).

In der Stadt Delmenhorst hat sich – ebenfalls bei einer gegenläufigen Entwicklung der Agentur- und Jobcenter-Zahlen – die Arbeitslosenquote von Mai auf Juni um 0,1 Punkte auf aktuell 10,3 Prozent verringert. Das sind 4081 Arbeitslose gegenüber 4107 im Vormonat. Im Vergleich zum Vorjahresmonat gab es 100 Arbeitslose weniger.

Dass die Arbeitslosenzahlen in der Stadt bei den Agenturkunden in die Höhe gegangen sind (+58), hat laut deren Chefin Karin Kayser mehrere Gründe: „Der frühe Ferienbeginn, die Beendigung vieler Ausbildungsverhältnisse einhergehend mit der verspäteten Arbeitlosmeldung von jungen Leuten.“ In der Tat ist vor allem bei den unter 25-Jährigen ein Anstieg der Arbeitslosigkeit zu beobachten, von 315 im Mai auf aktuell 339 Personen. Dazu kommen laut Kayser Arbeitgeber, die erst nach der Abschlussprüfung entschieden haben, ob sie einen Auszubildenden übernehmen, und das Quartalsende. Und Arbeitgeber, die in die Sommerpause gehen und Neueinstellungen erst für den Monat August planen.

Die Hoffnung einer schnellen Integration Geflüchteter in den Ausbildungsstellen- und Arbeitsmarkt ist mittlerweile verflogen. Die Sprache sei das Hauptproblem, so Denkmann. Viele seien auch Analphabeten. Kayser: „Die Flüchtlinge sind sehr motiviert, Geld zu verdienen, aber Helferjobs langen nicht. Wir müssen sie qualifizieren, damit sie nicht die Arbeitslosen von morgen werden.“