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NWZonline.de Region Delmenhorst

Besonderheiten in der Gesellschaft akzeptieren

30.03.2017

Delmenhorst /Landkreis Sie leben in ihrer eigenen Welt, vermeiden Blickkontakt, ziehen sich zurück und kapseln sich ab, benutzen Gegenstände oft in immer gleicher und zweckentfremdeter Weise, wiederholen ständig das Gesagte und Gehörte. Sie vermeiden Veränderungen und benötigen gleichbleibende Handlungsabläufe: Die Rede ist von Menschen mit Autismus, einer tiefgründigen Entwicklungsstörung, die ein Leben lang Bestand hat.

Schon seit über 50 Jahren gehört Autismus zur Arbeit der Lebenshilfe Delmenhorst und Landkreis Oldenburg dazu. „Es war schon immer ein Teil unserer Arbeit“, sagt Geschäftsführer Erwin Drefs am Mittwoch, „aber vor etwa zehn Jahren haben wir erkannt, dass diese Menschen andere Anforderungen stellen.“ Man sei an Grenzen gestoßen und habe sich Expertisen aneignet. „Vor zehn Jahren wusste noch kein Kinderarzt mit Autismus umzugehen“, weiß der Diplom-Psychologe und fachliche Leiter Autismus Ulrich Rohlfing.

Seit 2006 werden in den Einrichtungen der Lebenshilfe in Delmenhorst und im Landkreis autistische Menschen betreut und spezifisch gefördert. Der Bedarf nach qualifizierten Fördermöglichkeiten habe sich in den vergangenen Jahren verstärkt, speziell im ambulanten Bereich, den es seit 2015 gibt.

So werden derzeit 26 Kinder teilstationär in den Heilpädagogischen Kindertagesstätten Rappelkiste und Farbenfroh sowie in der Katenkamp-Schule betreut, 17 Menschen mit Autismus werde ambulant betreut.

Nach dem internationalen Klassifikationssystem ICD-10 wird in frühkindlichen Autismus, Asperger-Autismus und Atypischer Autismus unterteilt. Seit 2013 werden im Klassifikationssystem DSM-5 alle autistischen Störungen unter dem Begriff Autismus-Spektrum-Störung (ASS) zusammengefasst. Im Mittelpunkt steht die gravierende Beeinträchtigung der sozialen Kommunikation sowie die starke Einschränkung der Interessen. Für die Entstehung von Autismus gibt es unterschiedliche Ansätze. Als Ursache gelten genetische Faktoren und biologische Einflüsse. Circa ein Prozent der Menschen sind von ASS betroffen, drei- bis achtmal so viel Jungen wie Mädchen.

Autistische Störungen sind individuell und unterschiedlich stark ausgeprägt. „Es ist ein bisschen so wie das Erlernen einer Fremdsprache“, erklärt Rohlfing metaphorisch, wenn es darum geht autistische Menschen und ihre Verhaltensweisen zu verstehen. Zudem sollte eine Therapie so früh wie möglich einsetzen, so der Psychologe weiter.

„Unser Auftrag ist es, sie soweit wie möglich in die Gesellschaft zu integrieren“, sagt Bettina Paul, Leiterin der Ambulanten Autismusspezifischen Förderung (AFF). Auch Chancen auf dem Arbeitsmarkt seien vorhanden, so Drefs, wenn der Arbeitgeber denn die Expertise im Umgang mit Autisten habe.

Der Welt-Autismus-Tag an diesem Samstag, 2. April, solle daher nicht nur aufklären, sondern eine „Botschaft“ an die Gesellschaft und somit auch an Arbeitgeber und Schulen senden, „Besonderheiten zu akzeptieren“, sagt der Geschäftsführer.

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