Delmenhorst - Lange hatte er sich gewehrt, dann gab er auf: „Das kann die Stadt haben“, sagte der stämmige Mann, der mit seinen Geboten auf das Grundstück des ehemaligen Landgasthofes „Zur Pultern“ für ungläubige Blicke bei den meisten der über 60 Personen im Delmenhorster Amtsgericht sorgte. Vor über neun Jahren brannte das Gebäude ab, am Dienstagnachmittag wurde es zwangsversteigert – für mehr als das Sechsfache des veranschlagten Verkehrswertes. 30 000 Euro waren für das knapp 35 000 Quadratmeter große Grundstück mit See am Ortseingang an der Syker Straße ausgerufen worden. Den Zuschlag bekam am Ende der über zweistündigen Auktion die Stadt Delmenhorst für 193 000 Euro.

Der Bebauungsplan sieht vor, dass der neue Eigentümer verpflichtet ist, die Brandruine abzureißen. Neu gebaut werden darf auf dem Grundstück vorerst nicht. Umso überraschender scheint es, wie viele Bieter hohe Gebote abgaben. Neben der Stadt wollten fünf Bieter das Grundstück erwerben, zwei von ihnen boten über 100 000 Euro.

Für Axel Langnau, der stellvertretend für die Stadt mitbot, war das Wettbieten keine große Überraschung. „Es gab im Vorfeld viele Personen, die an uns herangetreten sind“, sagte der Leiter des Fachbereichs Wirtschaft nach der Versteigerung. Wenn es so viele Anfragen im Vorfeld gebe, dann stelle man sich auf so etwas ein.

„Sie sind sich im Klaren über die aktuellen Bebauungspläne?“, fragte Daniela Krammig, die die Auktion leitete, als Langnaus ärgster Widersacher 150 000 Euro bot. „Egal, ich brauche ein Grundstück“, scherzte dieser und sorgte so für Lacher im Saal. Langnau blieb humorlos und legte auf jedes andere Gebot 1000 Euro drauf. Wo die Schmerzgrenze der Stadt gelegen hätte, verriet er nicht.

Die von William Heuken lag bei 200 000 Euro. Doch der Bieter aus Stuhr ging nur bis 115 000 Euro. Dann verließ er resigniert den Saal. „Das will die Stadt haben“, fluchte er. „Dann braucht man auch gar keine Auktion zu machen.“ Doch schnell hatte er sich beruhigt. Enttäuscht war er trotzdem. „Ich wollte die Schützenhalle wieder aufpolieren und Muscheln in den See setzen, damit er klar wird.“ Sein Plan: Eine Tauchbasis für eine Tauchschule. „Dafür ist der See optimal.“

Die Zwangsversteigerung, die im Februar vergangenen Jahres beantragt wurde, dürfte die ehemaligen Eigentümer zumindest ein wenig freuen. Das Geld, das nach der Tilgung der Schulden übrig bleibt, wird ausgeschüttet – „nach der Reihenfolge der Grundbucheinträge“, sagt Langnau. Danach wird das Grundbuch „aufgeräumt“. Möglich wurde die Versteigerung erst, da die insolvente Besitzerin des ehemaligen Gasthofs, der von einem ihrer Söhne vorsätzlich in Brand gesteckt wurde, der Stadt 39 000 Euro schuldet.

Was jetzt aus dem Gelände wird, konnte auch Langnau nicht sagen. „Ich gehe nun vom nächsten Schritt aus. Und das ist der Abriss des Gebäudes, damit der Schandfleck endlich verschwindet.“ Danach werde das Gelände neu geplant. Ob es danach wirklich Brachland wird, konnte Langnau nicht sagen.