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NWZonline.de Region Delmenhorst

„Das hat uns richtig berührt“

05.10.2015

Delmenhorst Sie führten Video-Interviews mit sachkundigen Menschen, werteten Dokumentarfilme aus, recherchierten im Industriemuseum, fertigten Plakate und konzipierten zum Abschluss eine Ausstellung: Mit einem dunklen Kapitel der Delmenhorster Industriegeschichte, der Zwangsarbeit im „Dritten Reich“, befassten sich in den vergangenen Wochen im Geschichts- und Politikunterricht 120 Schülerinnen und Schüler aus einer 9. Klasse der Realschule Lilienstraße und vier 10. Klassen der IGS. „Manchmal haben wir auch den Matheunterricht dazu zweckentfremdet“, berichtet Realschullehrer Manfred Lübbers. Sein Schüler Dominik: „Ich fand es spannend, dass wir das selbst erarbeitet haben. Dann behält man das besser im Kopf.“ Lübbers berichtet von einem weiteren positiven Effekt der Projektarbeit: „Die Schüler übernahmen Verantwortung und hielten Termine ein.“

Ermöglicht wurde dieser ganz besondere Projektunterricht durch das Zusammenwirken verschiedener Institutionen: Volkshochschule, das Medienpädagogische Zentrum (MPZ) in der Stadtbücherei und Museum. Der Delmenhorster Ansatz überzeugte auch das Niedersächsische Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung (NLQ), das für das Projekt Fördermittel bereitstellte.

In der Nordwolle wurden seit 1939 monatlich 4700 Sprenggranaten sowie über die Jahre 700 Flugzeugattrappen zur Täuschung der Kriegsgegner und sogar 50 Schlitten für den Russlandfeldzug der Wehrmacht produziert. Während des Zweiten Weltkriegs beschäftigte die Nordwolle nachweislich 762 ausländische Arbeitskräfte, darunter auch 83 Jugendliche bis 16 Jahren. Drei Viertel des „Menschenmaterials“ waren Frauen. Die meisten Zwangsarbeiter waren im Mädchenheim der Fabrik untergebracht, weitere Unterkünfte waren die Arbeitersiedlung „Enklave“ und das Klubhaus an der Hasberger Straße. „Ihre Lebensbedingungen waren richtig schlimm“, sagt Lilienstraßen-Schülerin Nadja. In und um Delmenhorst soll es etwa 20 weitere Zwangsarbeiter-Lager gegeben haben, denn nicht nur auf der Wolle, sondern auch in vielen anderen Betrieben wurde damals für die Rüstung gearbeitet.

Besonderen Eindruck auf die Projektteilnehmer haben die vom MPZ zur Verfügung gestellten Filme hinterlassen. so der Streifen „Bomben, Bunker, Kohlenklau. Norddeutsche Lebensperspektiven zwischen Kriegsende und Währungsreform“ (1997) der Autorin und Dokumentarfilmerin Gabriele Ullrich aus Weyhe. Und der ehemalige Nordwolle-Arbeiter Rudolf Schewe: Schülerin Josephine: „Was er uns von damals erzählt hat, das hat uns richtig berührt.“

Wolfgang Bednarz Delmenhorst / Redaktion Delmenhorst
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