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NWZonline.de Region Delmenhorst

Das sind die wichtigsten Fakten zum Wollepark

26.04.2017

Delmenhorst „Wollepark jetzt ohne Wasser“, „Jobcenter zahlt keine Mieten mehr“ oder auch „Am Wollepark rücken bald die Abrissbagger an“ sind nur einige Überschriften der letzten Wochen. Doch was hat es mit dem sozialen Brennpunkt in Delmenhorst auf sich?

Der Wohnblock

> Beim Wollepark handelt es sich um ein rund 23 Hektar großes Wohnquartier aus den 70er Jahren mit mehrgeschossigen Wohngebäuden und insgesamt 1200 Wohnungen. Der Name rührt von der benachbarten Parkanlage her, angelegt vom Gründer der Kammgarn-Spinnerei Nordwolle.

> Seit den 90er Jahren hat sich der Wollepark zu einem sozialen Brennpunkt in Delmenhorst entwickelt. Er wurde deshalb in das Städtebauförderungsprogramm „Soziale Stadt“ aufgenommen.

> Das Diakonische Werk leistet im „Nachbarschaftszentrum Wollepark“ Sozialarbeit und steht den Bewohnern als Ansprechpartner zur Verfügung.

> Die Wohnblöcke sind nach Angaben der lokalen Diakonie total heruntergekommen. Dringende Renovierungsarbeiten würden seit Jahren nicht geleistet. Der Fahrstuhl sei außer Betrieb, die Bewohner hätten mit Schimmel in den Wohnungen zu kämpfen. Auch Farbanstriche habe es schon lange nicht gegeben. Des Weiteren ist von übervollen Müllcontainern, beschmierten Hauswänden und heruntergekommenen Waschbetonfassaden mit wenig einladenden Hauseingängen die Rede.

Die Bewohner

> In den 80 Wohneinheiten der Häuser 11 und 12 leben rund 350 Menschen, darunter knapp 320 Ausländer – vor allem aus Rumänien und Bulgarien. Die Stadt spricht von unhaltbaren Zuständen in den Wohnungen.

> Die Vermieter und „Eigentümergemeinschaften“ haben die heruntergekommenen Wohnungen vor einigen Jahren von einem anglo-amerikanischen Investment-Fonds für Preise ab 5000 Euro erworben. Wegen der sicheren Sozialmieten wurden offenbar gezielt Osteuropäer einquartiert.

> Gerüchten zufolge hat dabei auch eine polizeibekannte Bremer Großfamilie ihre Finger mit im Spiel. Unklar bleibt jedoch weiterhin, warum es so schwierig ist, die Eigentümergemeinschaft haftbar zu machen.

> Viele der Bewohner sind Berichten zufolge als Tagelöhner in dubiosen Beschäftigungsverhältnissen tätig, sie leben zum Teil vom Kindergeld und haben keinen Anspruch auf Hartz IV oder andere Sozialleistungen. Die Rede ist auch von Zwangsprostitution in der Wollepark-Siedlung.

> Den Bewohnern fehlt es laut Medien an vielem – unter anderem auch an Krankenversicherungen. Außerdem würde laut Beobachtern viele der Kinder nicht in die Schule geschickt.

Lesen Sie hier eine Einschätzung zu den Bewohnern des Wolleparks von NWZ-Redakteur Wolfgang Bednarz.

Die Kriminalität

> Im Juni 2016 hieß es bei der Polizei, es gebe keine Erkenntnisse dafür, dass sich der Wollepark zu einem Schwerpunkt für Drogengeschäfte entwickelt habe. Entsprechende Kontrollen hätten keine Hinweise darauf ergeben.

> Im August 2016 erklärte Jörn Stilke, Chef der Delmenhorster Polizeiinspektion: „Im Wollepark leben zwei Prozent der Stadtbevölkerung, aber elf Prozent der Haftbefehle und gesuchten Personen entfallen auf das Quartier.“ Und: „Wir sind dort überproportional häufig im Einsatz.“ Die Zustände hätten sich insgesamt seit längerer Zeit negativ entwickelt und seien mittlerweile in einem Bereich angekommen, der polizeilich nicht mehr akzeptabel sei.

Razzia der Polizei

> Bei einer Großrazzia mit 100 Einsatzkräften sind die Polizei, der Zoll Bremen und die Stadt Delmenhorst Ende März 2017 gegen die Kriminalität im Wollepark vorgegangen. Rund 1000 Personen, die sich auf der Straße befanden, wurden kontrolliert. Wohnungsdurchsuchungen soll es nicht gegeben haben.

> Bilanz der Razzia: Zwei vollstreckte Haftbefehle, 230 festgestellte Personalien, einige Verstöße gegen das Betäubungsmittel- und Waffengesetz sowie Verkehrsdelikte.

> Die Razzia ist Teil eines Stufenkonzepts der Polizei. Seit Juli 2016 werden verstärkt Kontrollen durchgeführt. Dabei wurden Verstöße gegen das Betäubungsmittel- und Waffengesetz sowie Verkehrsdelikte geahndet, Haftbefehle vollstreckt und Aufenthaltsermittlungen vorgenommen.

Streit um die Nebenkosten

>Wohnungseigentümer schulden dem Energieversorger nach Angaben der Stadt für Wasser und Gas (Nebenkosten) rund 200.000 Euro.

> Anfang April 2017 wurde den Bewohnern der zwei noch bewohnten Blöcke wegen der nicht bezahlten Schulden zunächst das Wasser von der städtischen Stadtwerkegruppe abgedreht.

> Die Eigentümergemeinschaft der Wollepark-Wohnblocks 11 und 12 erwirkte kurz darauf bei Gericht eine einstweilige Verfügung, so dass die Wasserzufuhr wiederhergestellt werden musste. Bürgermeister Axel Jahnz erklärte dazu: „Wir werden weiterhin so unangenehm wie möglich dort aufschlagen. Und das Geld werden wir uns holen.“

> Im Streit um das Wasser hatte auch die Diakonie mit Integrationslotsen vor den Häusern den Bewohnern geraten, wegen gravierender Wohnmängel die Zahlungen von Miet- und Nebenkosten komplett einzustellen.

>„Hinsichtlich der ausgebliebenen Zahlungen wurde Strafanzeige wegen Betruges gegen Verantwortliche einer Hausverwaltung sowie weitere Personen erstattet“, erklärte Polizeisprecherin Désirée Krikkis aus Delmenhorst.

> Von Seiten der Stadt seien bisher aber keine Familien umquartiert worden. Die in Bremen ansässige Verwaltungsgesellschaft der Eigentümer ist für Stellungnahmen nicht zu erreichen.

> Eine drohende Wassersperre in den Blocks 11 und 12 konnte bereits im Jahr 2015 abgewendet werden, weil die Stadt – und der Steuerzahler – mit Blick auf eine mögliche Gefährdung des Kindeswohls mit 86.000 Euro in die Bresche sprang.

> Mitte April 2017 erklärte das Jobcenter Delmenhorst, dass „mit sofortiger Wirkung die Zahlungen von Miet- und Nebenkosten in 31 Fällen eingestellt“ worden sind.

> Wie die Stadtwerke Delmenhorst mitteilten, wurde den säumigen Eigentümern eine Sperre für die Gasversorgung nach Ablauf von drei Werktagen angekündigt. Demnach würde am Donnerstag, 27. April, der Gashahn zugedreht werden.

Lesen Sie hier zum Streit einen Kommentar von NWZ-Redakteur Lars Laue.

Der Abriss

> Die Stadt hatte im Juli 2015 bei einer Zwangsversteigerung die nicht mehr genutzten Wohnblöcke 1 bis 5 sowie ein Parkhaus gekauft. Diese Arbeiten sollen nach Angaben der Stadtverwaltung am 26. April 2017 beginnen. Die Häuser der säumigen Eigentümer stehen neben den Abrissgebäuden.

Bericht von NWZ TV vom 24. Januar 2017:

> Symbolisch hatte Oberbürgermeister Axel Jahnz (SPD) Anfang 2017 bereits das Bauschild zum Start der vorbereitenden Arbeiten für den Abbruch der Gebäude enthüllt.

Vorfälle rund um den Wollepark

28. November 2006:
In einem unverschlossenem Kellerraum waren Sofa, Sessel sowie Sperrgut in Brand geraten. Dichter Rauch zog durch das Treppenhaus, so dass es nur mit schwerem Atemschutzgerät betreten werden konnte. Einige Bewohner mussten im Krankenhaus behandelt werden.

1. Juni 2010:
Unter mysteriösen Umständen stürzte kurz nach 16 Uhr ein Mann aus einem höheren Stockwerk des Wohnblocks Nummer 11 am Wollepark. Er wurde dabei schwer verletzt.

26. August 2010:
Feuer in einer leerstehenden Wohnung in Block Nummer 14 am Wollepark: Mehrere Möbelstücke waren in einem Zimmer aus unbekannter Ursache in Brand geraten.

23. September 2016:
Die Feuerwehr rettete sechs Personen aus einem Wohnhaus, das zum Abbruch freigegeben war. Offenbar hatten die Geretteten sich auf illegale Weise Zutritt zum leerstehenden Gebäude verschafft. Der Brand loderte im dritten Stock.

1. Januar 2017:Eine Silvesterrakete landete auf einem Balkon eines Mehrfamilienhauses. Innerhalb kürzester Zeit stand die Wohnung in Flammen.

9. Januar 2017:
Das Feuer in einem Block im Wollepark war im Keller ausgebrochen. Verletzt wurde niemand. Einige Bewohner verhielten sich aggressiv gegenüber den Rettungskräften. 180 Bewohner mussten für die Löscharbeiten das Gebäude verlassen und in der Kälte ausharren.

17. Januar 2017:
In der Küche einer Wohnung im sechsten Stock war in der Nacht ein Feuer ausgebrochen. Die Anwohner mussten während der Löscharbeiten in eisiger Kälte ausharren.

25. Januar 2017:
Zum vierten Mal ist die Feuerwehr im Januar 2017 zur Hochhaussiedlung Wollepark ausgerückt. Auf einem Balkon liegende Gegenstände hatten Feuer gefangen.

Alles zum Abbruch des Wolleparks lesen Sie in unserem Wollepark-Spezial.

Christian Ahlers
Redakteur
Online-Redaktion
Tel:
0441 9988 2159

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