Delmenhorst - An den 2. Januar 2005 erinnert sich Lothar Jaenke, Teamleiter im Jobcenter, nur ungern: „Unser Flur war schwarz von Menschen. Die hatten kein Geld bekommen.“ Es war damals ein Fehler in der EDV-Software, die die Überweisung des Arbeitslosengelds II verhinderte, und zwar nicht nur in Delmenhorst, sondern in ganz Deutschland.
Es war eine gewaltige Herausforderung, der sich vor zehn Jahren die Mitarbeiter der Arbeitsämter und der Sozialämter stellen mussten. „Man hat das Sozialamt komplett aufgelöst und auch das ,alte‘ Arbeitsamt, man hat eine komplett neue Behörde gebildet“, erinnert sich die stellvertretende Jobcenter–Leiterin Marion Denkmann. Ziel sei es gewesen, die arbeitsfähigen Sozialhilfe-Empfänger zusammenzuführen mit den Arbeitslosenhilfe-Empfängern – in der Arbeitsgemeinschaft (Arge) von Arbeitsagentur und Kommune, die Anfang 2012 in „Jobcenter“ umbenannt wurde. Zuvor sei der Großteil der arbeitsfähigen Sozialhilfeempfänger weitgehend zufrieden gelassen worden – wer von ihnen nicht arbeiten wollte, musste auch nicht. Das habe sich seitdem gemäß dem Motto „Fördern und Fordern“ geändert.
Denkmann: „Dass wir auch einen sozialen Auftrag haben, war uns Agenturmitarbeitern nicht in die Wiege gelegt.“ Die Herausforderungen für die derzeit 60 in der Vermittlung tätigen Jobcenter-Mitarbeiter sind hoch, haben doch fast 70 Prozent der 3333 Arbeitslosen (Stand November) keinen Berufsabschluss. Über die Hälfte von ihnen ist bereits länger als ein Jahr ohne Beschäftigung. Mit möglichst passgenauen Qualifizierungsmaßnahmen bemüht sich das Jobcenter darum, die Menschen wieder oder, wenn es sich um Jüngere handelt, überhaupt das erste Mal in Arbeit zu bringen.
Hatte die Arge im Jahr 2005 gerade einmal 72 Mitarbeiter, sind heute im Jobcenter 146 Personen tätig. Leider, so Jobcenter-Chef Hero Mennebäck, auch in einer großen Widerspruchsabteilung. Denn Hartz IV, sagt Mennebäck, sei geradezu „eine Spielwiese für Rechtsanwälte“. Dass die Jobcenter-Mitarbeiter angesichts von inzwischen 70 Gesetzesnovellen auch einmal Fehlentscheidungen treffen können, dürfte aber verständlich und entschuldbar sein.
