DELM - Der Befehlshaber dankte den Soldaten für ihre Einsatzbereitschaft. Viele Fachkräfte werden auch in Zukunft gebraucht.

Von Wolfgang Loest

DELMENHORST - „Das Schiet-Wetter passt zum Anlass“, bekannte Generalmajor Heinz-Georg Keerl, als er am Sonnabendvormittag im Regen mit einem Appell in der Delmenhorster Kaserne so genannte „nicht aktive Truppenteile“ der Logistikbrigade 1 auflöste. Der Befehlshaber des Wehrbereichskommandos I - Küste - machte keinen Hehl daraus, dass ihm diese Aufgabe schwer fiel – und zwar nicht wegen des Wetters. Es seien bewährte Verbände, die er verabschieden müsse, unterstrich Keerl. „Ich habe das Gefühl, dass die Bundeswehr ärmer wird.“ Die Streitkräfte trennten sich von einem Teil, der immer zu ihnen gehört habe.

Im Logistikregiment 12 sowie in dessen ihm unterstellten Bataillonen und Kompanien waren knapp 6000 Reservisten organisiert. Im Zusammenhang mit dem Zerfall des Warschauer Paktes wird die Bundeswehr komplett umorganisiert und die vom früheren Verteidigungsminister Peter Struck entwickelte „Konzeption für die Reservisten und Reservistinnen der Bundeswehr“ umgesetzt.

Mit dem Ende des Kalten Krieges und der Wiedervereinigung Deutschlands sei glücklicherweise die Gefahr vom Tisch, dass Deutsche auf Deutsche schießen müssen, unterstrich Keerl in seiner Ansprache. Für die Bundeswehr bedeute der vor 16 Jahren angelaufene Transformationsprozess allerdings einen gewaltigen Umbruch. Dass er einher gehe mit einschneidenden Sparmaßnahmen im Wehretat, „macht es nicht leichter“, bekannte der Befehlshaber. Die Verbände, die am Sonnabend aufgelöst wurden, hätten im Zuge der Umstrukturierung einen langen Weg hinter sich.

Es gehe jedoch nicht nur um Strukturen, sondern vor allem um die Menschen. Und die Erfahrung der Reservisten werde auch in Zukunft gebracht – sowohl für die Verstärkung der aktiven Truppe als auch bei der militärisch-zivilen Zusammenarbeit in Katastrophenfällen.

Im Beisein von Generalmajor Heinz-Georg Keerl und des Kommandeurs der Logistikbrigade 1, Oberst Hermann Dooremans, wurden in einer feierlichen Zeremonie die Truppenfahnen eingerollt und in schwarze Schutzhüllen verpackt. An dem Appell und dem anschließenden Empfang nahmen unter anderem der Delmenhorster Oberbürgermeister Carsten Schwettmann (CDU) und der Bundestagsabgeordnete Holger Ortel (SPD) teil.